Das Kellerdasein hat ein Ende. Das Sachgebiet Katastrophenschutz im Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen hat neue Räume im Dachgeschoss der Kreisbehörde bezogen. Dank des hellen und freundlichen Ambientes lässt es sich im Ernstfall nicht nur besser als bislang durcharbeiten. Die hochmoderne Ausstattung erleichtert zudem den Austausch zwischen den Beteiligten. Der Landkreis investierte 2,3 Millionen Euro in das neue Zentrum.
Wer den alten „Lageraum“ des Sachgebiets Katastrophenschutz im Untergeschoss kennt, fragt sich, wie die Mitarbeitenden dort die Katastrophenfälle in der Vergangenheit bewältigen konnten. Die Verhältnisse waren beengt, von Tageslicht keine Spur. „Ich kenne ihn nur von Bildern. Aber auf den Bildern hat man den Raum gerochen“, sagte der neue Landrat Ludwig Schmid (Freie Wähler) bei der Präsentation des neuen Zentrums.

Katastrophen hatte der Landkreis in der jüngsten Vergangenheit einige zu bewältigen, etwa den Brand am Jochberg 2017 oder die enormen Schneemassen 2019. In diesen Fällen müssen oftmals viele Helfer von den diversen Rettungsorganisationen bis hin zur Bundeswehr koordiniert werden. Das ist die Aufgabe der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK). Sachgebietsleiter Alexander Bauer und seine Mitarbeitenden sind in vier Doppelbüros untergebracht. Von dort aus können sie Krisen managen. Spitzt sich die Lage zu, wechseln sie in den großen Besprechungsraum. Dann stünden die Büros etwa Vertretern von Polizei oder Rotem Kreuz zur Verfügung, erklärte Bauer.
Im Katastrophenfall ist das Lagezentrum rund um die Uhr besetzt. Es verfügt über einen Sozialraum mit Küche, zwei Balkone und Sanitäreinrichtungen. All dies sei nötig, um die „Durchhaltefähigkeit“ zu gewährleisten, sagte Bauer. Wer im Dauereinsatz sei, müsse auch mal etwas essen oder sich ausruhen. Eine Tür führt in den „Roten Raum“. Darin steht jedoch kein rotes Telefon, wie man es aus Spielfilmen kennt. Das Zimmer ist vielmehr dazu gedacht, sich für ein vertrauliches Gespräch oder Telefonat zurückziehen zu können.
Die Überlegungen, das Dachgeschoss des Landratsamts auszubauen, begannen im Jahr 2018, sagte Peter Joachim vom Hauptamt. Zunächst wollte man nur weitere Mitarbeiterbüros schaffen und das Archiv des Kreisbauamts verlagern. Doch dann kam die Corona-Pandemie. Der monatelange K-Fall machte deutlich, dass der Katastrophenschutz für einen derartigen Ausnahmezustand künftig räumlich besser aufgestellt sein muss. So kam es letztlich zum Vollausbau des Dachgeschosses – aufgeteilt in drei Bauabschnitte. Von April 2024 bis Ende 2025 dauerten die Arbeiten am neuen Lagezentrum.
Gut 4,5 Millionen Euro hat der Ausbau insgesamt gekostet. 2,3 Millionen entfallen auf den Bauabschnitt drei, der das Lagezentrum umfasst. Allein 750 000 Euro flossen in Investitionen, die ohnehin notwendig geworden wären, wie zum Beispiel die Klima- und Lüftungstechnik.
Alles an Technik, das im Ernstfall gebraucht werden könnte
An Technik ist allerdings weit mehr verbaut worden. Der große Tisch im Lageraum ist mit 14 Computer-Arbeitsplätzen ausgestattet – verborgen unter der Tischplatte. Die Monitore heben und senken sich auf Knopfdruck, sodass sie bei einer Besprechung nicht stören. Im Übrigen ist alles an Medientechnik vorhanden, was im Ernstfall gebraucht werden könnte. „Letztlich haben wir Lösungen für alle Medien, die ausfallen können.“ Es gibt Funk, Satellitentelefone – und wenn alles versagt sogar Faxgeräte. Und natürlich auch sogenannte Rückfallsysteme. „Das Haus ist notstromversorgt“, betonte Bauer. Einzelheiten möchte das Landratsamt nicht preisgeben.
„Wir hoffen, dass wir den Lageraum selten brauchen“, sagte Landrat Schmid. Ganz leer bleibt er jedoch auch in guten Zeiten nicht: Einmal im Monat kommt die FüGK dort zu einer Übung zusammen. Technik und Abläufe wollen einstudiert werden, damit im Ernstfall alles glattgeht. „Es sind insgesamt 60 Personen aus dem Haus, die sich freiwillig für diese Aufgabe gemeldet haben und uns unterstützen“, sagte Bauer. Das sei notwendig, um einen Drei-Schicht-Betrieb im Katastrophenfall gewährleisten zu können.

