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Bad Tölz-Wolfratshausen:Komplizierte Kandidatenkür

Bundestagswahlkreise und ihre Kandidaten in Sachsen-Anhalt

Entscheidende Kreuzchen: Am 26 September dieses Jahres ist Bundestagswahl. Noch aber stehen nicht alle Kandidaten der Parteien fest.

(Foto: dpa)

Die Parteien im Landkreis stellen derzeit ihr Spitzenpersonal für die Bundestagswahl im September auf. Coronabedingt hat der mitunter aufwendige Auswahlprozess heuer allerdings einige Tücken.

Von Florian Zick

In gut sieben Monaten wird ein neuer Bundestag gewählt. Als Termin ist der 26. September vorgesehen. Doch welche Spitzenkandidaten im Wahlkreis 223 antreten werden, der die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach umfasst, steht anders als in früheren Wahlkampfjahren immer noch nicht bei allen Parteien fest. Die Corona-Krise mit all ihren Nebenwirkungen erschwert die Nominierungsveranstaltungen enorm. Wo die Direktkandidaten schon feststehen und wie es bei den anderen Parteien weitergeht - ein Überblick.

CSU

Alexander Radwan

Alexander Radwan kandidiert wieder für die CSU.

(Foto: Manfred_Neubauer)

Dass die CSU wieder den amtierenden Wahlkreisabgeordneten Alexander Radwan ins Rennen schicken wird, darf als gesetzt angesehen werden. Die beiden Kreisvorstände aus Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach haben sich bei einer Online-Konferenz bereits einstimmig auf den 56-Jährigen festgelegt. Gleichwohl muss die Parteibasis dieses Votum natürlich noch bestätigen - und das ist ein langwieriger Prozess. Erst müssen die Ortsverbände Delegierte nominieren, die kommen dann im März bei einer Kreisdelegiertenversammlung zusammen, und dann gibt es im April noch die Bundeswahlkreisversammlung, bei der Vertreter aus den beiden Landkreisen dann gemeinsam die Personalie festzurren müssen.

Die Treffen können nicht digital abgehalten werden. Um die Nominierung rechtssicher zu machen, hat die CSU-Landesleitung Präsenztermine zur Vorgabe gemacht. Es ginge auch eine Briefwahl, sagt der Tölzer Kreisvorsitzende Thomas Holz, die sei aber sehr aufwendig und deshalb ein "absolutes Notverfahren". Insofern bleibt Holz aktuell nichts anderes übrig, als nach einer geeigneten Örtlichkeit zu suchen. Bei den Ortsverbänden sei das noch kein Problem, sagt Holz, die könnten sich zur Not auch im Freien treffen. Aber schon bei der Kreisdelegiertenversammlung kämen rund 120 Personen. "Selbst der Hofherr in Königsdorf hat keinen Saal, der groß genug ist, um da alle mit Abstand rein zu bekommen", sagt Holz. Und bei der Bundeswahlkreisversammlung sei es noch einmal eine Stufe schwieriger. Es bleibe also eigentlich nur eine Dreifachturnhalle, so Holz. Aber auch die will erst einmal gefunden und finanziert werden.

Grüne

Anders als die CSU werden die Grünen ihren Kandidaten in digitaler Form nominieren. Die Partei habe dafür eine inzwischen etablierte Online-Plattform entwickelt, sagt Andreas Wild, der Grünen-Chef in Bad Tölz-Wolfratshausen. Bis zur Kandidatenkür werde es aber voraussichtlich noch bis zur zweiten Märzhälfte dauern.

Zur parteiinternen Vorauswahl stehen nach jetzigem Stand zwei Männer: Der Holzkirchner Karl Bär hat 2017 über die Landesliste den Einzug in den Bundestag nur knapp verpasst. Nun will er wieder als Direktkandidat antreten. Diesen Platz streitig macht ihm allerdings Klaus Hanus, der bei der Kommunalwahl vergangenes Jahr als Bürgermeisterkandidat in Lenggries ein beachtliches Ergebnis eingefahren hat.

In der stark konservativ geprägten Region hätten die Grünen natürlich einen schweren Stand, egal, mit welchem Kandidaten sie antreten, sagt der Kreisvorsitzende Wild. Man habe deshalb kurzzeitig auch darüber nachgedacht, ob die kleineren Parteien nicht einen gemeinsamen Kandidaten gegen die CSU positionieren sollten. Diese Idee sei aber zu spät aufgekommen, um sie tatsächlich umzusetzen, so Wild.

SPD

Die SPD hat ihre Nominierungsversammlung diesen Samstag. Die Genossen treffen sich am Tegernsee im Seeforum in Rottach-Egern. Es sei ein "hybrides Format" geplant, sagt der Tölzer Kreisvorsitzende Klaus Barthel: Die Delegierten könnten bei der Versammlung ihre Stimme abgeben, man könne sich aber auch per Videokonferenz zuschalten - dann müsse man seine Stimme eben im Nachgang per Briefwahl abgeben. Er hoffe, dass alles so klappen wird wie geplant, sagt Barthel, "das ist für uns alle eine Premiere". Richtig kompliziert dürfte die Abstimmung aber nicht werden: Außer dem Miesbacher Kreisvorsitzenden Hannes Gräber hat bislang niemand Interesse an einer Kandidatur geäußert. Man wisse aber natürlich nicht, so Barthel, ob bei der Versammlung nicht noch jemand spontan seinen Hut in den Ring werfen werde.

FDP

Die FDP hat ihr Spitzenpersonal schon vor längerer Zeit bestellt. Anfang September 2020 fiel die Wahl auf die Holzkirchner Ortsvorsitzende Béatrice Vesterling. Fast hätte es jedoch ein ganz neues Gesicht auf die Wahlplakate geschafft. Der erst 18 Jahre alte Simon Roloff aus Bichl ist seit vergangenem Oktober FDP-Kreisvorsitzender in Bad Tölz-Wolfratshausen und wäre in Windeseile auch fast gleich noch zum Wahlkreis-Spitzenkandidaten der Partei aufgestiegen. Bei der internen Abstimmung holte er genauso viele Stimmen wie Vesterling - am Ende fiel nur der Losentscheid gegen ihn aus. Das sei aber kein Problem, sagt Roloff. Er sei vor allem angetreten, um die Erfahrung mitzunehmen. "Und ich habe meine Zeit ja auch noch vor mir", so Roloff, der an der Fachoberschule in Bad Tölz heuer sein Abitur machen wird.

Linke

Erich Utz

Erich Utz tritt im Wahlkreis Bad Tölz-Wolfratshausen-Miesbach für die Linke an.

(Foto: Privat/oh)

Nachdem der Geretsrieder Bundestagsabgeordnete Andreas Wagner nicht noch einmal zur Wahl antreten wird, hat sich die Partei nach einem neuen Direktkandidaten umgesehen. Die Lücke füllen wird Erich Utz. Der 61-Jährige ist derzeit noch Mitarbeiter im Abgeordnetenbüro von Andreas Wagner und wird als Kandidat nun seinen Chef beerben.

ÖDP

Jan-Philipp van Olfen ÖDP

Der Kandidat der ÖDP heißt Jan-Philipp van Olfen.

(Foto: Manfred Neubauer)

Auch die ÖDP hat ihren Spitzenkandidaten schon gefunden. Bei einem Treffen beim Goassbauern in Eurasburg haben die beiden Kreisverbände aus Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach Anfang des Jahres den 22-jährigen Jan-Philipp van Olfen aus Benediktbeuern nominiert. Van Olfen ist stellvertretender Bundesvorsitzender der Öko-Partei und dürfte auf dessen Landesliste für die Bundestagswahl deshalb auch ganz vorne anzutreffen sein.

AfD

Die AfD wird ihre Kandidatenaufstellung voraussichtlich erst Ende März vornehmen. Man fahnde immer noch nach geeigneten Räumlichkeiten für das Treffen, sagt Kreissprecher Axel Zamzow. Es sei zudem noch zu früh, über mögliche Namen zu sprechen. Die AfD sei aber zuversichtlich, für den Wahlkreis 223 einen Kandidaten zu finden, welcher der Region auch verbunden sei.

© SZ vom 19.02.2021/aip
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