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Bad Tölz-Wolfratshausen:Hürde vor neuem Lift

Rollstuhlfahrer Fritjof H. braucht elektronischen Türöffner

Nur der Aufmerksamkeit seines Umfeldes ist es zu verdanken, dass Fritjof H. (Name von der Redaktion geändert) heute noch am Leben ist. Der 62-Jährige ist alleinstehend - und so gab es niemanden, der ihm rasch zu Hilfe eilen konnte, als er an einem Abend im Dezember 2012 einen Schlaganfall erlitt. Der gelernte Elektrotechniker kam damals von der Arbeit nach Hause und wollte nur den anstrengenden Arbeitstag ausklingen lassen. Doch ohne Vorwarnung wurde ihm plötzlich schwindlig, die Beine versagten, der Schlaganfall streckte den gebürtigen Schlesier nieder. Gelähmt und hilflos blieb er am Boden liegen, stundenlang. Keiner ahnte, was hinter seiner Wohnungstür vorgefallen war. Auch als der nächste Morgen dämmerte, lag er noch immer dort. Erst als er nicht zur Arbeit erschien, wurden seine Kollegen stutzig: So ganz ohne Krankmeldung fernzubleiben, das war bis dato nicht die Art von Fritjof H. Ein Kollege fragte schließlich bei Fritjofs Nichte an, die zur Wohnung ihres Onkels fuhr und ihn dort entdeckte.

Die Diagnose der Ärzte war niederschmetternd, wie auch die Prognosen:"Eine Woche lang war ich davon fest überzeugt, ich würde sterben", erinnert er sich.

Vier Monate verbrachte er schließlich in der Klinik. Trotz aller Bemühungen blieb er rechtsseitig gelähmt, Fritjof ist seither an den Rollstuhl gefesselt. Doch den Lebensmut lässt er sich davon nicht nehmen: Er richtete sich ein in ein bescheidenes Leben, so gut es eben geht. So tackert er beispielsweise ein Brot, das er sich schmieren möchte, mit einer Art Nagel am Küchenbrett fest, bevor er einhändig den Belag aufbringt.

Fritjof möchte soweit wie möglich selbständig bleiben, auch wenn er immer wieder Unterstützung braucht. Sich auch einmal selbständig aus dem Ein-Zimmer-Appartement zu bewegen und etwas einzukaufen, das bedeutet ihm heute alles. Sein größtes Glück ist dabei, dass es heuer durch ein Darlehen möglich war, dafür einen Plattform-Treppenlift an seiner Wohnanlage anzubringen.

Doch eines wurde beim Einbau nicht bedacht: Dass der halbseitig Gelähmte die Türen zum Lift nicht alleine aufkriegt. Denn um auf den Treppenabsatz zu gelangen, an dem die Lift-Plattform abgebracht ist, muss er zunächst eine nach innen aufgehende Haustüre halten: Eine fast schon akrobatische Übung, bei der er den Rollstuhl als Blockade verwenden muss. Denn die Haustüre muss offen sein, damit genug Platz ist, die zweite Türe zum Plattform-Lift aufzumachen. Doch wenn Fritjof die erste Tür mit seinem Rollstuhl aufhält, kann er logischerweise nicht bis zur zweiten Lift-Türe rollen, um diese zu öffnen. Bislang musste sich Fritjof dann nach vorne ziehen, ein lebensgefährliches Manöver. "Das ist wie Zirkus", kommentiert er selbst. Die Lösung wäre dabei so nahe: Eine Elektroanlage mit Zeitrelais, welche die Türen automatisch öffnet. Und Fritjof damit auch die Türen zur Teilnahme am Leben.