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Unwetter im Landkreis:Rüsten fürs Hochwasser

Nach dem anhaltenden Starkregen der vergangenen Tage sind in der Region Wiesen überflutet und Keller vollgelaufen. Von Pegelständen wie beim Pfingsthochwasser vor 20 Jahren ist man zwar noch weit entfernt. Die Feuerwehren bereiten sich trotzdem schon einmal für den Ernstfall vor

Weil es seit Sonntagabend fast ununterbrochen regnet, steigen die Pegel der Gewässer in der Region bedrohlich an. Vor allem an der Loisach hat sich die Lage zugespitzt. Vereinzelt sind Keller vollgelaufen und Straßen gesperrt. In Bad Tölz haben die Einsatzkräfte mobile Hochwassersperren aufgebaut. Kreisfeuerwehrsprecher Stefan Kießkalt berichtet, dass in der Tölzer Füllanlage Sandsäcke vorbereitet und an Feuerwehren ausgeliefert würden. "Wir beobachten die Pegelstände genau", sagt er am Dienstagnachmittag. "Wir schauen, wie sich das entwickelt."

Auf den Tag genau vor 20 Jahren hatte das sogenannte "Pfingsthochwasser" im Landkreis Millionenschäden verursacht. Damals waren die Gewässerpegel in der Nacht auf den 22. Mai extrem angestiegen. In Teilen der Tölzer Innenstadt wurde damals "Land unter" gemeldet. Nach Einschätzung der Behörden verhinderte der Sylvensteinspeicher Schlimmeres.

Mit dem Pfingsthochwasser von 1999 möchte Kießkalt die jetzige Situation nicht vergleichen. Trotzdem ist der Flusspegel an der Loisach bei Beuerberg auf 5,08 Meter angestiegen und hat auf der vierstufigen Meldeskala nun schon Meldestufe 3 erreicht. Laut Kießkalt sei der Wasserstand etwa zwei Meter höher als im Durchschnitt. Gegen Mittag werde der Scheitelpunkt bei etwa 5,15 Metern erwartet. Danach sollte der Pegel fallen, könne aber mit erneuten Niederschlägen wieder ansteigen. Die Entwicklung bleibe abzuwarten.

Im Eurasburger Gemeindegebiet sind entlang der Loisach bislang nur Wiesen überschwemmt. In Beuerberg ist die Herrnhauser Straße zwischen dem Gasthaus "Zur Mühle" und Bruggen gesperrt. "Wir haben uns auf die Meldestufe 3 vorbereitet", sagt Bürgermeister Moritz Sappl (Gemeinsame Wählervereinigung). Das Kraftwerk in Beuerberg habe den Betrieb eingestellt, um technische Probleme zu vermeiden. Am Montagabend habe er sich mit den Kommandanten der Ortsfeuerwehren in der Gemeinde abgesprochen. Eigentümer von Gebäuden an neuralgischen Stellen seien informiert worden. Das betrifft etwa das Gasthaus "Zur Mühle". Dort liefen die Pumpen, um den Keller trocken zu halten. Bislang habe die Feuerwehr nur in Haidach einen einzigen vollgelaufenen Keller trockenlegen müssen.

An der Loisach bei Kochel am See nimmt die Dorfbevölkerung die Wassermengen gelassen hin. Im Ort sei man das gewohnt, sagt Rudolf Herden. Er führt einen Elektroladen in der Bahnhofsstraße. "Seit Jahrhunderten kommt es hier zu Überflutungen", sagt er. Mal zu größeren, mal zu kleineren. Das Handy biete heute aber zeitnah Updates zu Niederschlag und Wasserpegel. "Wenn die Straßen nicht mehr befahrbar sind, kann man sich ja rechtzeitig informieren und nimmt dann halt die Umfahrung nach Garmisch oder Murnau anstelle der B11." So einfach sei das.

Die Bänke am Badeplatz beim Franz- Marc-Museum stehen mit den Füßen im Wasser. Eingeschüchtert wirkt trotzdem keiner. "Vielleicht geht ein Kanal über, oder beim Jochberg rutscht ein Stück Erdreich ab", meint eine Passantin ganz stoisch. In Kochel seien höchstens ein paar Keller betroffen, und auch nur jene, die sich in Loisachnähe befinden. "Wir sind da zu weit weg." Und mit wir, damit meint sie alle Häuser fern der Loisach. Das einzige, woran sie sich wirklich stört, ist das schlechte Wetter, und die ausbleibende Sonne, sagt die Frau.

Loisachabwärts in Wolfratshausen hat die Stadt die Schleuse am Kastenmühlwehr geöffnet, weil der Wasserdruck auf den Bau zu groß wurde. Der Steg über die Loisach bleibt daher bis auf Weiteres gesperrt. An der Isar hält Kreisfeuerwehrsprecher Kießkalt die Lage mit Meldestufe 1 für beherrschbar. "Im Südlandkreis ist die Lage stabil", sagt er. Bis Dienstagnachmittag sei die Feuerwehr im Landkreis knapp 20 Mal ausgerückt. In Dietramszell, Beuerberg und Eurasburg seien Keller vollgelaufen. Durch den Regen drücke es das Grundwasser nach oben in die Häuser. Problematisch sei die Lage auch im Campingplatz bei Einöd direkt an der Isar. Zwischen Bairawies und Einöd sei die Staatsstraße 2072 halbseitig gesperrt. Kießkalt warnt davor, dass kleinere Zuflüsse auch durchaus stark über die Ufer treten könnten.

Der in der Nacht auf Dienstag errichtete mobile Hochwasserschutz in Bad Tölz soll weiter bestehen bleiben. Für den Verkehr ist die Königsdorfer Straße auf Höhe des Einbachs gesperrt. Eine Umleitung ist laut Birte Otterbach, der Sprecherin des Rathauses, ausgeschildert. Weiterhin seien die Bürgermeister-Stollreither-Promenade, der Fußweg Richtung Mühlberg an der Eichmühle bei Ellbach sowie das Parkhaus an der Bockschützstraße und der Wohnmobil-Stellplatz an der Königsdorfer Straße gesperrt. Alternativ könnten Wohnmobile bei der Wee-Arena parken. Derzeit erwartet Otterbach, dass der Pegel an der Isar die Meldestufe 2 nicht überschreiten wird. Sie verweist dabei auf Prognosen des Deutschen Wetterdienstes.

Bei Starkregen ist oft auch der Münsinger Ortsteil Ammerland besonders von Überschwemmungen betroffen. Das Wasser läuft in einer Geländemulde von höher gelegenen Wiesenflächen Richtung Starnberger See hinunter. Bislang sei die Situation noch entspannt, sagt Münsings technischer Bauamtsleiter Josef Limm. Lediglich ein kleines Stück der privaten Zufahrt zum Staudachhof bei Ammerland sei unterspült worden und abgerutscht. "Es wäre aber nicht schlecht, wenn es mittags aufhört zu regnen", sagt Limm.