Dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen geht eine Million Euro flöten. Denn 2025 konnten an der Kreisklinik in Wolfratshausen nicht die Kriterien der bayerischen Geburtshilferichtlinie erfüllt werden. Konkret: 20 Babys zu wenig erblickten dort im Jahr 2025 das Licht der Welt. Insgesamt waren es vergangenes Jahr 515 Kinder.
Seit dem 1. Juli 2019 betreibt das Klinikum Starnberg in den Räumen der Kreisklinik Wolfratshausen eine Außenstelle seiner geburtshilflichen Abteilung. Grundlage dieser landkreisübergreifenden Zusammenarbeit ist ein Beschluss des Kreistages aus dem Jahr 2018, mit dem sich der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen verpflichtet hat, das in der stationären Geburtshilfe entstehende Defizit zu tragen – jährlich bis zu 1,5 Millionen Euro.
Für die Jahre 2019, 2022 und 2023 kam der Kreis in den Genuss der Förderung aus Mitteln des Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege. 2023 kamen in der Kreisklinik 590 Kinder zur Welt, eine Anzahl, die rund 52 Prozent der angemeldeten Neugeborenen im Landkreis entsprach. Insgesamt wurden 2023 zwischen Icking und der Jachenau 1130 Neugeborene gemeldet. In den Jahren 2020, 2021 und 2025 konnte das 50-Prozent-Kriterium nicht erreicht werden, weshalb eine entsprechende Förderung durch den Freistaat nicht möglich war.
Diese Entwicklung sei bedauerlich, sagte Klaus Heilinglechner (FW). Vielleicht müsse man mehr Werbung machen, sagte der Kreisrat und Wolfratshauser Bürgermeister. Das sahen weitere Mitglieder des Gremiums ebenso. Denn eine Million an Zuschüssen zu verlieren, könne sich der Landkreis nicht leisten. Geschäftsleiter Wolfgang Krause erklärte, es gebe durchaus Gespräche mit Starnberg – um werdende Mütter dazu zu bewegen, ihre Babys in Wolfratshausen zur Welt zu bringen. „Das ist in Starnberg auf fruchtbaren Boden gefallen“, sagte Krause. „Aber wenn die Mütter anders entscheiden, können wir nichts tun.“

Dass sich werdende Eltern für andere Krankenhäuser entschließen, liege nicht an der Geburtshilfe in der Kreisklinik, sagte Thomas Holz (CSU). Aus eigener Erfahrung könne er berichten, dass junge Eltern aus einem Wunsch nach Sicherheit heraus Geburtsstationen bevorzugten, an denen eine Kinderklinik angeschlossen sei. Dies sei in Starnberg und Garmisch der Fall.
Eine kritische Anmerkung konnte sich Barbara Schwendner (Grüne) nicht verkneifen. Diese bedauerliche Entwicklung sei das Resultat der Schließung der Geburtshilfe in Bad Tölz. 2017 wurde die Abteilung an der Asklepios-Stadtklinik geschlossen. Trotz massiver Proteste und Versuche, wieder eine Entbindungsstation in der Kreisstadt zu etablieren, sprach sich der Kreistag gegen einen Millionen-Zuschuss für Asklepios aus. Obschon Experten erklärten, dass der Standort Bad Tölz der bessere sei. Stattdessen wurde eine Kooperation mit den Kliniken Starnberg in Wolfratshausen favorisiert.

