Lokale Auswirkungen des Ukraine-KriegsWo es kälter wird beim Schwimmen und Saunieren

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Freizeitbetriebe im Landkreis reagieren auf die Energiekrise. Während die einen Temperaturen und Zeiten reduzieren, läuft es bei anderen wie gewohnt weiter - weil sie bereits eigene, regenerative Versorgungsquellen nutzen.

Von Petra Schneider, Bad Tölz-Wolfratshausen

Wegen drohender Engpässe bei der Gasversorgung und explodierender Energiepreise lautet die Devise: Verbrauch senken, damit die Gasspeicher befüllt und Worst-Case-Szenarien für den Winter möglichst verhindert werden. Nicht nur die Industrie und private Haushalte sind gefordert, sondern natürlich auch energieintensive Freizeitbetriebe wie Hallenbäder, Saunen oder Eisstadien.

Bei den Tölzer Stadtwerken, die auch das Tölzer Hallenbad, das Freibad Eichmühle und das Eisstadion betreiben, steht das Thema Nachhaltigkeit und Energieeffizienz nicht erst seit der aktuellen Krise auf der Agenda. Bereits vor vielen Jahren habe man begonnen, ein zertifiziertes Energiemanagementsystem aufzubauen, erklärt Stadtwerke-Chef Walter Huber. Angesichts der aktuellen Lage und eines sich zuspitzenden Energiekriegs mit Russland reiche das nicht mehr. Bereits am 15. April dieses Jahres habe die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen die Empfehlung ausgesprochen, die Temperatur um zwei Grad zu senken, was im Tölzer Hallenbad unverzüglich geschehen sei. Statt 29 Grad hat das Wasser laut Huber nur noch 27 Grad, statt 32 Grad Lufttemperatur herrschen in der Schwimmhalle 29 Grad. Die Fußbodenheizung wurde abgeschaltet und der Saunabetrieb zeitlich reduziert: Montags und mittwochs schließt die Sauna statt um 21 Uhr bereits drei Stunden früher. Zurzeit ist das Hallenbad allerdings sowieso wegen Revision geschlossen, erst Mitte September wird voraussichtlich wieder geöffnet.

Die Saunalandschaft am Tölzer Hallenbad.
Die Saunalandschaft am Tölzer Hallenbad. (Foto: HL Photography Hermann Littich/Privat/oh)

Welche Einsparungen sich durch diese Maßnahmen erzielen lassen, könne noch nicht abgeschätzt werden, sagt Huber. Die Deutsche Bädergesellschaft rechne pauschal mit 20 bis 25 Prozent Ersparnis. Das Naturfreibad Eichmühle ist nicht beheizt; aus personellen Gründen wird seit Jahren je nach Witterung entweder das Hallenbad oder das Freibad geöffnet. An dieser Praxis ändere sich nichts.

Nicht nur für Wärme - auch für die Erzeugung von Kälte braucht es Energie. Eigentlich hätte auf Wunsch des EC Bad Tölz das Eisstadion heuer sechs Wochen früher als üblich geöffnet werden sollen, um mehr Trainingszeiten zu ermöglichen. Im Frühjahr habe man aber entschieden, darauf zu verzichten, um Energie zu sparen. Wie üblich können die Sportler nun seit Ende Juli auf dem Sommereis trainieren. Durch den Verzicht auf den vorgezogenen Start hätten sich Einsparungen von mindestens 30 000 Euro ergeben.

Bereits vor vielen Jahren habe man begonnen, ein zertifiziertes Energiemanagementsystem aufzubauen, erklärt Huber. Etwa durch den Einbau eines Frequenzumrichters und einer UV-Anlage in der Wasseraufbereitungsanlage, wodurch der Gas-, Strom- und Wasserverbrauch im Hallenbad spürbar gesenkt und der Einsatz von Chemikalien verringert werden könne. Einsparungen hätten sich auch durch die Umstellung auf LED-Beleuchtung sowie eine intelligente Lichtsteuerung ergeben. Die Tölzer Freizeitbetriebe werden mit zwei Blockheizkraftwerken und Kraft-Wärme-Kopplung geheizt, die mit Erdgas betrieben werden. Der jährliche Verbrauch liege bei 1,6 Millionen Kilowattstunden elektrischer Energie und 3,5 Millionen Kilowattstunden Erdgas, erklärt der Stadtwerke-Chef.

Wenn sich die ohnehin hohen Energiepreise verdoppeln sollten, lägen die Mehrkosten pro Jahr bei rund 220 000 Euro, rechnet Huber vor. Sie kämen zum Defizit von rund 950 000 Euro noch dazu, das die Tölzer Freizeitbetriebe jährlich verursachen. Trotz dieser Summe stehe man zu den Einrichtungen, betont Huber. Denn sie leisteten einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität und erfüllten eine soziale Funktion, vor allem auch für Kinder und Jugendliche.

Auch für die Erzeugung von Kälte braucht es Energie. Die Trainingszeiten im Tölzer Eisstadion wurden ebenfalls reduziert.
Auch für die Erzeugung von Kälte braucht es Energie. Die Trainingszeiten im Tölzer Eisstadion wurden ebenfalls reduziert. (Foto: Hartmut Pöstges)

Das interkommunale Hallenbad Geretsried ist den Stadtwerken zugeordnet. Noch ist es wegen Revision geschlossen. Zur Öffnung am 2. September, so erklärt Sprecher Bernhard Bayer, sei es geplant, die Temperatur der zwei größeren Becken (Sport- und Sprungbecken) um zwei Grad zu reduzieren. "Dies klingt nach relativ wenig Unterschied. Dabei ist jedoch zu beachten, dass jedes Grad ,oben drauf' noch mal mehr Heizaufwand bedeutet", sagt Bayer. Die Ersparnis sei daher durchaus wesentlich. Des Weiteren werde die Ambientebeleuchtung reduziert, und zwar überall, wo dies wegen der Einhaltung der Verkehrssicherungspflicht auch möglich ist. Öffnungszeiten werden in Geretsried nicht eingeschränkt. "Es ist tatsächlich nicht erkennbar, warum dies zu einer Energieeinsparung führen sollte", so der Stadtwerke-Sprecher. "Das Beheizen würde sich dadurch nicht ändern." Eine effektive Reduzierung wäre eine Schließung einzelner Becken, eine zeitliche Begrenzung erscheine dagegen nicht sinnvoll.

Die Gas-Krise lässt die Gemeinde Lenggries in Bezug auf ihr Hallenbad relativ kalt; denn bereits seit Längerem hat man bei der Wärmeversorgung auf regenerative Energien umgestellt. Im Jahr 2019 ging das Biomasseheizkraftwerk beim Schulkomplex in Betrieb, das mit Hackschnitzeln befeuert wird und über eine Fernwärmeleitung nicht nur die "Isarwelle", sondern auch andere gemeindliche Liegenschaften wie Schule, Turnhalle, Rathaus, Bücherei, Alpenfestsaal und ehemaliges Gasthaus Post mit Wärme versorgt.

Es ist an ein Blockheizkraftwerk angeschlossen, das mit Erdgas betrieben wird, aber nur vier Prozent zur Wärmeproduktion beiträgt. Bei Störungen der Hackschnitzelheizanlage soll es den Notbetrieb übernehmen. "Eine Reduzierung der Temperatur aufgrund der Gas-Krise sowohl von Luft, als auch von Wasser ist deshalb derzeit nicht geplant", heißt es aus dem Rathaus. Die Wassertemperaturen im 25-Meter-Becken, in den Blubbermulden, Whirlpools und im Kleinkinderbecken bleiben weiterhin bei zwischen 28 und 36 Grad. Auch reduzierte Öffnungszeiten sind kein Thema, denn die Technik müsse trotzdem weiterlaufen, um Schäden, etwa an den Filteranlagen, zu vermeiden. Die dafür nötige Energie würde selbst bei einer kompletten Schließung verbraucht. In der "Isarwelle" bleibt also alles wie gehabt. Vorerst zumindest - "wie es im Winter ausschauen wird, können wir derzeit noch nicht sagen".

Das Familienbad Isarwelle in Lenggries ist eines von zwei Bädern in der Brauneckgemeinde.
Das Familienbad Isarwelle in Lenggries ist eines von zwei Bädern in der Brauneckgemeinde. (Foto: Harald Krassa/oh)

Für die Tourismusgemeinde Lenggries, die ebenfalls noch ein Naturfreibad anbietet, ist die "Isarwelle" ein wichtiges Angebot - trotz eines Defizits, das im vergangenen Jahr bei rund 440 000 Euro lag. Denn das Hallenbad ist auch im Sommer dank Liegewiese und Außenbecken beliebt. "Auch bei schönem Wetter sind durchschnittlich mehr Badegäste in der Isarwelle als im Freibad", heißt es aus dem Rathaus.

Eine der Saunen in der Kristall-Therme Kochel am See.
Eine der Saunen in der Kristall-Therme Kochel am See. (Foto: Manfred Neubauer)

Einer der energieintensivsten Betriebe dürfte indes die Kochler Kristall-Therme "Trimini" sein. Auf etwa 12 000 Quadratmetern wird dort eine Sauna-und Badelandschaft vorgehalten mit mit fünf verschiedenen Saunen zwischen 75 und 95 Grad Celsius, einem Hamam, Dampfbad, sowie diversen Innen- und Außenbecken, die teilweise 34 Grad Celsius messen, wie es auf der Webseite heißt. Anfragen, ob es auch dort angesichts der gestiegenen Energiekosten Maßnahmen gibt, den Energie-Verbrauch und ein eventuelles Defizit zu senken, blieben jedoch von der dortigen Pressestelle trotz mehrmaliger Nachfrage unbeantwortet.

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