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Bad Tölz-Wolfratshausen:Energie aus Grüngut und Biomüll

WGV Quarzbichl investiert 8,6 Millionen Euro in neue Anlage, die derzeit im Probebetrieb läuft. Sie liefert mehr Strom, als die gesamte Abfallbearbeitung für zwei Landkreise benötigt

Die einen entsorgen, die anderen machen daraus regenerative Energie: Auf dem Gelände der WGV Quarzbichl ist eine Biogasanlage für rund 8,6 Millionen Euro entstanden, die derzeit im Probebetrieb läuft. Sowohl Biomüll als auch Grüngut können in der neuen Anlage des landkreiseigenen Abfallunternehmens von nun an vergärt und in Strom und Wärme umgewandelt werden.

Vor fünf Jahren begannen die Planungen für die Anlage, vor rund einem Jahr ging es in die Bauphase und seit Anfang September dieses Jahres wird der erste Biomüll bereits darin verwertet. Das Ausgangsmaterial kommt zunächst in einen Gärbehälter, "Fermenter" genannt, in dem der Gärprozess stattfindet. Innerhalb des Fermenters befinden sich sechs Rührwerke, die das zerkleinerte und mit Bakterien versetzte Ausgangsmaterial gut durchmischen. In 19 Tagen wird Grüngut und Biomüll einmal durch den 33 Meter langen und acht Meter breiten Fermenter geschleust, während die Bakterien die energiehaltigen Stoffe zersetzen und dabei Methan produzieren.

Dieses Biogas dient später als Energieträger. Ein Blockheizkraftwerk mit 800 Kilowatt Leistung wandelt anschließend das gewonnene Gas in Strom und Wärme um. Das entstandene Biogas treibt durch Verbrennung Motoren an, die wiederum einen Generator zur Stromgewinnung nutzen. Der Strom wird schließlich für den Betrieb des gesamten Abfallunternehmens verwendet. "Wir rechnen derzeit mit rund 5,7 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr, die die Biogasanlage bei voller Leistung generiert, und unser Gesamtbetrieb braucht derzeit 2,7 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr. Somit können wir das, was übrig bleibt, auch noch einspeisen", erklärt WGV-Geschäftsleiter Reiner Späth. Konkret gesagt wird die WGV durch den Bau der Biogasanlage energieautark, zumindest rein rechnerisch: "Denn natürlich bleiben wir am öffentlichen Stromnetz, um bei eventuellen Schwankungen oder Ausfällen versorgt zu bleiben", sagt Projektleiter Gerhard Ganser.

WGV Quarzbichl

Für die Energiewende: Nicht zu übersehen ist die Kuppel der Biogasanlage auf dem Gelände der WGV Quarzbichl. Biomüll und Grüngut werden dort vergärt.

(Foto: Manfred Neubauer)

Doch auch die Restwärme aus der Verbrennung, rund 50 Prozent der gesamten Energie, verpufft nicht einfach. Sie wird künftig dazu gebraucht, um das Verwaltungsgebäude der WGV in Quarzbichl zu beheizen, und außerdem der Kompostierung Wärme zuführen zu können. Auch der Fermenter braucht einen gewissen konstanten Wärmegrad, damit die Bakterien arbeiten können. Was nach der Zersetzung in einem Schlammbehälter übrig bleibt, kann ebenfalls in zweierlei Hinsicht weiterverwertet werden: "Das Gärgut wird nach etwa drei Wochen entwässert. Dieses nährstoffreiche Presswasser ist hochwertiger Flüssigdünger, den wir einlagern, um ihn dann in der Landwirtschaft einzusetzen", erläutert Ganser. Die festen Pressrückstände sind ebenfalls "ein rein biologisches Material", das nach Angaben von Ganser zu Kompost verarbeitet wird und zum einen in den "Loisachtaler Erden" Verwendung finden soll, zum anderen bei Bodenverbesserungen, beispielsweise wiederum in der Landwirtschaft.

Die neue Biogasanlage wurde von ihrer Leistung auf die Mengen an Biomüll zugeschnitten, die in den beiden Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Weilheim-Schongau anfallen, mit dem die WGV Quarzbichl seit Jahren eine Kooperation unterhält: 20 000 Tonnen Bioabfall und 5000 Tonnen Grüngut kommen dabei im Jahr zusammen. Durch die neue Verwertung des Abfalls in der Biogasanlage ändert sich übrigens auch etwas für diejenigen, die die Ausgangsstoffe liefern: die Verbraucher. Denn ab sofort darf mehr als zuvor über die braune Tonne entsorgt werden (siehe Infokasten).

Auch Gekochtes darf in die Tonne

Von sofort an können in Privathaushalten mehr Abfälle in die braune Biotonne geworfen werden: "Bisher galt die Faustregel, dass nur etwas darin entsorgt werden durfte, bevor es auf dem Teller gelandet war", sagt Gerhard Ganser, zuständig für die biologische Abfallbehandlung bei der WGV. Damit sind etwa Speisereste gemeint, die nicht gekocht oder zubereitet waren, wie zum Beispiel Gemüseschälreste. Nun dürfen aber auch reguläre und gekochte Speisereste in die braune Tonne, sagt Ganser. Selbst Knochen, Gräten oder auch behandelte Schalen von Südfrüchten seien "kein Problem" mehr und könnten in der Biogasanlage verarbeitet werden. Lediglich Störstoffe wie Plastik, Steine, Glas oder Metalle dürften nicht mitwandern. Diese neue Regelung gelte aber nach Angaben von Ganser "nur für Privathaushalte, nicht für die Gastronomie".cjk

Der Probebetrieb dauert noch bis ins kommende Frühjahr und soll dann anschließend nahtlos in den regulären Betrieb übergehen. Die Anlage läuft bereits jetzt schon 24 Stunden an sieben Tagen, denn eine funktionstüchtige Anlage setzt einen ununterbrochenen Prozess voraus: "Die Kette darf für die Bakterien nicht abbrechen", sagt Ganser.