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Bad Tölz-Wolfratshausen:Diözese unter Druck

Die katholische Kirche kämpft im Landkreis mit vielerlei Problemen. Den Klöstern fehlt es an Nachwuchs, die Realschule Schlehdorf und die Philosophisch-Theologische Hochschule Benediktbeuern müssen schließen. Doch das Ordinariat mag keinen Trend erkennen.

Birgit Lotze

Die katholischen Kirche zieht sich immer weiter aus dem Landkreis zurück - nicht nur aus Bad Tölz, wo das einst mächtige Franziskanerkloster vor vier Jahren geschlossen wurde. Derzeit befürchten die Franziskanerinnen in Reutberg, dass ihr Kloster verkauft wird. Auch kirchliche Bildungseinrichtungen stehen vor dem Aus. Vom kommenden Sommer an werden in Benediktbeuern keine Diplom-Theologen mehr ausgebildet. Ob die dortige Philosophisch-Theologische Hochschulein weiterentwickelt werden kann, ist unklar. Und kürzlich hat das Erzbistum München und Freising verkündet, dass die Mädchenrealschule Schlehdorf im Sommer 2018 schließen muss.

Mädchenrealschule St. Immaculata Schlehdorf

In der Realschule Schlehdorf sollen 2018 die letzten Schülerinnen gehen

(Foto: Manfred Neubauer)

Im Erzbischöflichen Ordinariat spricht man nicht von Rückzug, sondern von einer "momentanen Häufung von Einzelfällen" im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Das kirchliche Angebot werde an die gesellschaftliche Entwicklung angepasst, sagt Ordinariats-Pressesprecherin Bettina Göbner. "Die Kirche muss auf Veränderungen reagieren." Mit der Schließung der Schulen "versuchen wir auf den Bedarf vor Ort zu reagieren - auch schon frühzeitig". Im Fall Schlehdorf rechnet das Erzbistum mit einem Rückgang der Schülerzahlen. Derzeit ist die Schule zweizügig, hat also zwei Klassen pro Jahrgang. Falle ein Zug mangels Anmeldungen weg, könne die Schule nicht mehr pädagogisch sinnvoll arbeiten.

Anders verhält es sich bei den Klöstern. Das Erzbistum will sich dort nach eigenen Angaben zurückhalten. "Da sind primär die Orden verantwortlich, da sind wir im Prinzip nur beratend tätig." Dass das Erzbistum die Franziskanerinnen vom Kloster Reutberg im Mai mit einem bereits komplett ausgearbeiteten Altersheim-Angebot überraschte, bezeichnet man im Ordinariat als "Ausnahme". Die Schwestern seien schließlich sehr betagt. "Wir sahen uns in der Fürsorgepflicht."

Kloster Reutberg

Der Orden der Armen Franziskanerinnen auf dem Reutberg, der 1618 gegründet wurde, leidet unter Nachwuchsmangel. Die Schwestern befürchten die Auflösung. Von Altersheim und davon, dass sie bis Jahresende aus dem Kloster ausziehen müssen, ist heute nicht mehr die Rede. Doch die Lage auf dem Reutberg ist offen. "Ihre Zukunft ist ungeklärt", hieß es diese Woche in der Erzdiözese. Mehr Chancen als den Franziskanerinnen gibt die katholische Kirche offenbar dem Sakralbau. Mit Verkaufsplänen hält sich das Erzbistum jedenfalls zurück. Es bestehe der Wille, das Kloster als geistlichen Ort zu erhalten - auch ohne Franziskanerinnen, sagt die Kirchensprecherin. Wie, stehe noch nicht fest.

Mädchenrealschule Schlehdorf

Das Erzbistum ist fest entschlossen, die Schule 2018 zu schließen - auch gegen den Widerstand im Landkreis. Zu Schlehdorf gehen derzeit viele Anfragen bei den kirchlichen Referaten ein, sagt Bettina Göbner. "Wir sind im Gespräch." Allerdings gibt es keine Anzeichen dafür, dass das Erzbistum sich umstimmen lassen wird. Es sei dem Bistum bekannt gewesen, dass die Schule im Landkreis einen hohen Stellenwert hat. "Das ist in unsere Entscheidung mit eingeflossen." Trotzdem sehe das Erzbistum "keinen anderen Ausweg". Finanzielle Gründe spielten dabei keine Rolle, sondern allein die Aussicht auf sinkende Schülerzahlen. "Da gibt es keinen Spielraum mehr." Für viele Mädchen, die eine christliche Realschule besuchen wollen, sei der Weg nach Murnau auch nicht weiter als der nach Schlehdorf. Die Knabenrealschule Murnau ist kürzlich auf Betreiben der Kirche für Mädchen geöffnet worden, danach kündigte die Erzdiözese das Aus für Schlehdorf an. Selbst Kultusminister Ludwig Spaenle, der sich für die Öffnung Murnaus stark gemacht hat, wurde von dem möglichen Zusammenhang mit der Existenz der Schlehdorfer Schule offenbar überrascht.

PTH Benediktbeuern

Wer die barocken Hörsäle im Kloster Benediktbeuern in Zukunft füllen wird, ist weiterhin unklar. 70 Studenten können an der Philosophisch-Theologischen Hochschule (PTH) noch ihr Diplom in Theologie machen, spätestens mit dem Sommersemester 2013 sollten sie ihr Studium abschließen. Dann endet dort der Unterrichtsbetrieb. Im Erzbistum heißt es, man bemühe sich um eine gute Lösung. Die von dem Orden der Salesianer Don Boscos getragene PTH ist derzeit nur mit Sonderzahlungen der Bistümer München und Augsburg lebensfähig. Beide haben sich schon bereit erklärt, weiteres Geld für die akademische Ausbildung in Benediktbeuern auszugeben. Hoffnungen auf das Geld und auf das Erbe der PTH macht sich die zweite Hochschule in Benediktbeuern, die Katholische Stiftungshochschule (KSFH) mit Hauptsitz in München. Dort wird an einem neuen Studienzweig Religionspädagogik mit dem Schwerpunkt Gemeindepastoral gefeilt. Es heißt, die katholische Kirche setze künftig verstärkt auf FH-studierte Gemeindereferenten statt auf die teureren Pastoralreferenten mit Diplomabschluss.

Franziskanerkirche Bad Tölz

Nachwuchsprobleme und Geldmangel zwangen die Franziskaner in Tölz schon vor vier Jahren zur Schließung ihres Klosters. Eigentümer des prägenden Baus ist inzwischen das Tölzer Liegenschaftsamt. Genutzt wird es heute von der Caritas und vom Roten Kreuz, das dort eines der wenigen Mehrgenerationenhäuser im Freistaat betreibt. Unklar bleibt, ob die im Verfall begriffene Franziskanerkirche erhalten werden kann. Der Orden hat zu wenig Interesse an einer Investition, ebenso die Stadt. Doch die Tölzer wollten ihre Franziskanerkirche als sakralen Ort behalten. Die Pfarrei Maria Himmelfahrt hat die Kirche nun über Vermittlung des Erzbistums für drei Jahre von der Deutschen Franziskanerprovinz gepachtet. Ehrenamtliche Helfer pflegen den rund 300 Jahre alten Bau. Von September an sollen dort wieder Messen stattfinden, für Konzerte ist der Zustand zu gefährlich. Unklar ist weiterhin, wer für Schäden an der Kirche aufkommen soll.

Kloster Beuerberg

Ganz allein - möglichst ohne sich durch das Erzbistum, das die Finanzaufsicht hat, hineinreden zu lassen - versuchen offenbar die Salesianerinnen im Kloster Beuerberg über die Runden zu kommen. Seit Jahren sorgen sie sich mangels Nachwuchses um ihren Orden und um ihr renovierungsbedürftiges Anwesen. Seit 2009 steht das Josefshaus leer, die Räume sind in einem schlechten Zustand. Vier Millionen Euro würde eine Renovierung kosten. Ein Investor ist nicht in Sicht. Die Ordensschwestern haben den Westflügel auch vergeblich der Regierung von Oberbayern für Asylbewerber angeboten - dem Freistaat war die Renovierung zu aufwendig. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts leben Salesianerinnen in Beuerberg, sie bauten damals ein Augustinerkloster wieder auf.

St. Matthias in Waldram

400 Priester sind aus dem Erzbischöflichen Spätberufenenseminar mit Gymnasium und Kolleg St. Matthias in den 85 Jahren des Bestehens hervorgegangen. Es ist die älteste Einrichtung des zweiten Bildungsweges in Bayern. Hier zieht sich die Kirche nicht zurück oder heraus, im Gegenteil: Das Erzbistum hat im vergangenen Jahr ein neues Schulgebäude spendiert, in dem sich 150 Schülerinnen und Schüler auf das Abitur vorbereiten. Etwa 30 von ihnen leben im angrenzenden Seminar, darunter einige, die sich auf den Priesterberuf vorbereiten.

© SZ vom 30.08.2012
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