bedeckt München 16°

Digitalisierung im Landkreis:Per Mausklick zum Jagdschein

Münchner Kinder testen preisgekrönte Apps, 2018

Wer lieber am Computer sitzt als in Behörden ansteht, dürfte mit der Digitalisierungs-Offensive in den Verwaltungen auf seine Kosten kommen.

(Foto: Catharina Hess)

Bad Tölz-Wolfratshausen ist Teil eines bayernweiten Pilotprojekts für eine digitale Verwaltung. Bis man Behördengänge komplett online erledigen kann, wird es aber noch dauern

Einen Unterhaltsvorschuss beantragen, eine Versammlung anmelden oder sein Fahrzeug wiederzulassen sind lästige Angelegenheiten. Man muss drucken, unterschreiben, Briefmarke kleben oder gleich persönlich ins Landratsamt marschieren - bisher zumindest. Denn mittlerweile bietet die Behörde immer mehr Möglichkeiten an, solche Angelegenheiten von zu Hause zu erledigen.

Wer sein Fahrzeug abmelden, es wiederzulassen oder bestimmte Anträge stellen will, kann dies seit der vergangenen Woche auch daheim erledigen. Mehr als ein Dutzend weitere Funktionen sollen mithilfe der Arbeit sechs anderer ausgewählter Landratsämter im Freistaat in der nächsten Zeit noch dazu kommen.

Bürgern soll der Post- und Fußweg erspart werden

Nachdem die Digitalisierung der Verwaltung lange in das Ermessen der Behörden gestellt war, will der Freistaat nun eine Transformation zum digitalen Service-Staat machen. Dafür hat das Digitalministerium zusammen mit dem Innovationsring des Landkreistags ein sogenanntes "Digitallabor" gestartet. Um Bürgern den Fuß- oder Postweg zu ersparen und den Behörden eine unnötige Mehrfacharbeit, soll ein Landratsamt je Regierungsbezirk drei Online-Leistungen erarbeiten. Pilot-Landkreise wie Bad Tölz-Wolfratshausen werden dabei vom Freistaat unterstützt. Bis März 2020 sollen insgesamt 21 Anträge online gestellt werden können.

Dahinter steckt mehr, als Informatiker bisherige Formulare und Anträge in Webformulare umwandeln zu lassen. Denn auch die Bürger müssen aktiv mitziehen. Wer statt dem analogen den digitalen Weg gehen will, braucht dafür häufig ein Bürgerkonto, also eine spezielle Registrierung beim Freistaat mit einer sogenannten "BayernID". Dazu kommt, dass für viele Anträge ein neuer Personalausweis mit Online-Funktion oder ein elektronischer Aufenthaltstitel vonnöten ist. Wer noch einen alten Personalausweis besitzt, droht, bei der Digitalisierungs-Offensive zunächst einmal in der Sackgasse zu landen. Umso mehr freuen dürften sich diejenigen, die eben diese Funktionen besitzen und ihren Jagdschein, eine Gaststättenerlaubnis oder eine Verkehrssicherung für eine Baustelle beantragen wollen - diese Funktionen sind im Landkreis mit dem Projekt kürzlich dazugekommen. Dass man trotzdem noch ganz am Anfang der Digitalrevolution ist, zeigen die heterogenen Wege zu den verschiedenen Anträgen: Manche Links führen auf eine Seite des Landratsamts, andere auf die Seite des bayerischen Bürgerserviceportals - und weitere auf eine Antragsseite der Europäischen Union.

Landrat Josef Niedermaier engagiert sich im Bayerischen Innovationsring

Dass gerade der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen hier federführend sein soll, liegt am hiesigen Landrat. Josef Niedermaier (FW) ist zugleich Vorsitzender des Bayerischen Innovationsrings, der das Projekt begleitet. Dabei gibt es mit dem Bayerischen E-Government-Gesetz und dem Onlinezugangsgesetz des Bundes auch gehörig Druck von oben. Demnach müssen Bund und Länder bis Ende 2022 ihre Verwaltungsleistungen auch elektronisch anbieten.

Und davon gibt es so einige: Der bundesweite Umsetzungskatalog listet rund 5000 Leistungen auf. Die Fahrzeugwiederzulassung oder die Beantragung des Jagdschein per Mausklick sind also nur der Anfang für die geplante Digitalisierung, die das Tölzer Landratsamt als Pilot-Landkreis nun kräftig mit vorantreiben soll.

Die Online-Anträge des Landratsamts sind zu finden unter dem Weblink https://t1p.de/bxz2