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Bad Tölz-Wolfratshausen:Die Kunst auf den Schirm geholt

Stefanie von Quast (links) und Gabi Hüttl haben die Online-Galerie "Das Kunst Werk" ins Leben gerufen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Mit einer Online-Galerie bieten Stefanie von Quast und Gabi Hüttl Malern, Bildhauern und Fotografen eine kostenlose Plattform, die nicht nur in Corona-Zeiten Lichtblicke und Entdeckungen verspricht.

Von Stephanie Schwaderer

Auf eine Galerie wie diese haben Kunstfreunde im Landkreis schon lange gewartet. Da gibt es etwa eine Installation mit Katzenschnurrbarthaaren ("Ordnung ist das halbe Leben Nr. 15") von Andrea Mähner oder eine Malerei in "Ultramarinpinkorangegelb" von Michael Eckle, es gibt Skulpturen, Drucke und Fotografien, eine Vielfalt von Arbeiten, die das Schaffen professioneller Künstler zwischen Isar und Loisach widerspiegelt - und den einen oder anderen zu einer Neuanschaffung für Haus und Garten animieren dürfte. Zwei Künstlerinnen, Gabi Hüttl aus Wolfratshausen und Stefanie von Quast aus Egling, haben diese Galerie gegründet. Sie heißt "Das Kunst Werk" und findet sich seit gut einer Woche im Internet.

"Die Corona-Krise hat viele Kollegen in existenzielle Schwierigkeiten gebracht", sagt Hüttl. Die Hilfsprogramme der Regierung seien unzureichend. Freischaffende Künstler müssten ihren Lebensunterhalt erwirtschaften, Versicherungen und Mieten bezahlen. Viele Zuverdienstmöglichkeiten wie Messen oder Ausstellungen, Projekte in Schulen oder Galerien seien weggebrochen. "Wir wollen ein Zeichen setzen, damit wir und unsere Kollegen in diesen Krisenzeiten nicht in Vergessenheit geraten."

Bislang sind in der Galerie gut 40 Kreative mit jeweils einem Werk vertreten. Der Auftritt ist für Künstler kostenlos. Für die Besucher besteht ein besonderer Anreiz darin, dass die meisten Arbeiten für etwa vier Wochen zu reduzierten Preisen erhältlich sind. So bietet Stefanie von Quast ihre "Selfie-Queen", eine 14 Zentimeter große Bronze, etwa für 780 statt 850 Euro an. Ein Pigmentprint von Clemens Büntig auf Büttenpapier kostet 950 statt 1250 Euro; ein Mandala von Tasneem Dustagheer 250 statt 300 Euro. Jede Arbeit ist mit der Webseite des Künstlers oder alternativen Kontakten verlinkt. Die Galerie lädt somit auch zum ausgiebigen Stöbern ein.

Beim Aufbau der Webseite haben die beiden Frauen bislang vor allem auf ihre persönlichen Kontakte zurückgegriffen. Sie gehen davon aus, dass die Teilnehmerzahl in absehbarer Zeit auf 80 bis 100 anwachsen könnte. "Wir kennen nicht alle Künstler - und der Landkreis ist groß", sagt Hüttl. Entscheidend sei, dass die Leute professionell arbeiteten, also ein Atelier besäßen und ihren Lebensunterhalt überwiegend aus ihrer künstlerischen Tätigkeit bezögen. "Ihnen wollen wir helfen." Die Webseite solle wie eine Produzenten-Galerie funktionieren und den Kollegen die Möglichkeit bieten, auf dem Kunstmarkt präsent zu sein, ihr Netzwerk zu verstärken und sich gegenseitig zu unterstützen. Für Hobby-Künstler sei die Plattform hingegen nicht gedacht. "Da haben wir schon Leute abweisen müssen."

Jeder Künstler ist in der neuen Online-Galerie mit einem Werk des Monats vertreten, das es zu vergünstigten Konditionen zu kaufen gibt. Andrea Mähner hat sich für das Objekt "Ordnung ist das halbe Leben Nr.15" entschieden.

(Foto: privat)

Natürlich kostet die Domaine auch Geld, zudem will die Webseite kontinuierlich gepflegt sein. Finanzielle Unterstützung bekommen die beiden Galeristinnen bislang aus einigen Kommunen. Die Städte Bad Tölz und Geretsried sowie die Gemeinden Münsing und Egling haben ihnen einen kleinen jährlichen Zuschuss zugesagt. Die Antworten aus Wolfratshausen, Icking, Königsdorf und Eurasburg stehen noch aus. "Am tollsten hat der Tölzer Bürgermeister Ingo Mehner reagiert", sagt Hüttl. "Der hat sich gefreut, sich bei uns bedankt und gesagt, dass er uns gerne unterstützt."

Jeder Künstler ist in der neuen Online-Galerie mit einem Werk des Monats vertreten, das es zu vergünstigten Konditionen zu kaufen gibt. Wolfram Weiße zeigt das Gemälde "Stiller Ort".

(Foto: privat)

Tatsächlich sollen laut Hüttl auch die Kommunen von "Das Kunst Werk" profitieren. "Das ist auch für den Tourismus interessant." Wenn die Rathäuser auf ihren Internetseiten die Galerie verlinkten, könnten sich Feriengäste oder Tagesausflügler über die Kunstschaffenden vor Ort informieren, Kontakt aufnehmen und beispielsweise einen Atelierbesuch vereinbaren. "Viele Leute fahren heuer nicht in den Urlaub", sagt Hüttl. Da könnten sie die Ausflüge ins Oberland auch dazu nutzen, sich ein neues Schmuckstück für Haus oder Garten auszusuchen.

Sie hofft darauf, dass nicht nur Kunstinteressierte, sondern auch die Kunstschaffenden im Landkreis an der Galerie Gefallen finden und dafür sorgen, dass diese lebendig bleibt - vor allem dadurch, dass sie die Arbeiten regelmäßig austauschten.

Hüttl präsentiert als erstes Werk einen Bildteppich, der eigentlich Teil einer Bodeninstallation in Valley hätte werden sollen. Die Ausstellung wurde abgesagt. Der Teppich zeigt einen Strudel in der Loisach, in dem sich Wolken spiegeln. Die Künstlerin hat ihn mit der Kamera so eingefangen, dass es aussieht, als würde der Fluss den Himmel aufsaugen. Ein Beispiel von vielen, das dazu einlädt, sich neuen künstlerischen Perspektiven zu öffnen. Und das vor der eigenen Haustür.

www.das-kunst-werk.net, Kontakt unter daskunstwerk@gmx.net

© SZ vom 16.06.2020

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