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Senioren-Ausstellung:Die 70-Jährigen fühlen sich 13 Jahre jünger

Die Schau im Landratsamt überrascht mit mancher Erkenntnis. Schon bald wird jeder dritte Landkreisbewohner im Seniorenalter sein.

Von Petra Schneider, Bad Tölz-Wolfratshausen

Lange leben ist schön, älter werden weniger. Denn die letzte Lebensphase bringt vor allem Defizite mit sich: Weniger Mobilität, weniger kognitive und körperliche Leistungsfähigkeit, weniger soziale Kontakte. In der Wanderausstellung "Was heißt schon alt?", die noch bis zum 7. März im Foyer des Landratsamts zu sehen ist, bekommt das Altern ein ganz anderes Gesicht: Die Porträts und Fotografien strahlen Freude aus, Schönheit und Gelassenheit, ein Eingebundensein ebenso wie einsame, melancholische Momente.

Da ist zum Beispiel das Schwarz-weiß-Portrait einer Frau mit dem Titel "Junge Augen": Ein Gesicht, das wirkt, als wäre es mit Flechten bewachsen, und in dem sich das Leben eingeprägt hat wie auf einer Landkarte. Es ist einer von 1600 Beiträgen eines Wettbewerbs, zu dem das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Anfang 2011 aufgerufen hatte. Nicht nur Profis beteiligten sich an den "Altersbildern", sondern auch Amateure, nicht nur Fotografien, sondern auch Videoarbeiten wurden eingesandt und von einer Jury bewertet. Eine Auswahl der Arbeiten ist nun auf zwölf Stellwänden im Foyer des Landratsamts zu sehen.

Auch das Siegerfoto ist dabei, "Ein Tag im Mai": Ganz entspannt liegen da Zwei im Gras, die Haare fast weiß, in intensivem Gespräch und zugewandter Körperhaltung, von der Kamera heimlich beobachtet. Ein Bild, das eine beneidenswerte Intimität ausstrahlt. Die Fotos, die verschiedenen Kategorien zugeordnet sind, werden durch Informationen aus dem aktuellen Altersbericht der Bundesregierung ergänzt: Zahlen zum demografischen Wandel etwa, zur Bewertung der Familienbeziehung, zu Krankheiten, die im Alter ebenso zunehmen wie die Lebenszufriedenheit.

Denn die Alterung der Gesellschaft ist das große Thema der Zukunft: Denn die Einwohnerzahl im Landkreis wird nach der jüngsten Prognose des Landesamts für Statistik bis zum Jahr 2034 um rund elf Prozent steigen - das aber fast ausschließlich in den älteren Semestern. Ist heute rund jeder vierte Landkreisbewohner älter als 60 Jahre, wird es bald jeder dritte Bürger zwischen Lenggries und Icking sein.

Auf einem großen Bildschirm mit Touchscreen-Oberfläche kann man neben Videos auch Interviews sehen und ein kleines Quiz zum Thema Altern mit fünf Fragen beantworten. Die Ausstellung zeichnet das Bild eines Lebensabschnitts, der genauso vielfältig ist wie Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter. Und der sich nicht in Stereotypen erfassen lässt. Denn Altern ist kein Zustand, sondern ein lebenslanger Prozess, der mit dem Moment der Geburt beginnt. "Wussten Sie, dass Menschen über 70 sich durchschnittlich 13 Jahre jünger fühlen, als es ihren Lebensjahren entspricht?", heißt es in einem der Infotexte.

Was heißt schon alt?

Auf zwölf Stellwänden geht es ums Altern - hier zum Thema "Paare"

(Foto: Manfred Neubauer)

Eine Erfahrung, die Josef Niedermaier sofort unterschreiben würde. "Ich fühle mich überhaupt nicht alt", sagte der Landrat bei der Eröffnung der Ausstellung am Montag, selbst 52 Jahre alt. Manche 40-Jährigen seien im Denken so alt wie 80-Jährige, sagte Niedermaier. Die Kategorien verschwämmen immer mehr. "Jeder kann das einbringen, was er gewillt ist, zu tun." Der Landrat wünschte sich, dass die Ausstellung den Blickwinkel erweitern und Impulse geben könne, auch über die eigene Lebenssituation im Alter nachzudenken. Und dass sie dazu beitrage, "die Scheu im Umgang zwischen den Altersgruppen abzubauen", sagte Niedermaier.

© SZ vom 17.02.2016

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