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Trockenheit:Der Wald leidet

Vor allem in Geretsried werden derzeit von Wetter und Borkenkäfer geschädigte Fichten gefällt. Hier ist Jakob Pfatrisch bei der Arbeit.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Bäume wachsen zu wenig, Schädlinge breiten sich aus: Darum müssen derzeit etwa in Geretsried Hölzer gefällt werden.

Der Zustand der Wälder macht den Förstern Sorgen. Der Klimawandel macht sich bemerkbar. Vor allem Fichten haben zunächst unter Sturm Niklas und dann im viel zu trockenen Sommer 2015 gelitten, erklärt Forstdirektor Wolfgang Neuerburg. Sie konnten nicht richtig wachsen, viele sind geschädigt. Nun hofft er auf ein feuchtes Frühjahr, damit der Wassermangel ausgeglichen werden kann. "Die bisherigen Niederschläge waren noch nicht genug", sagt Neuerburg.

Die lang anhaltende Hitze und der Wassermangel hätten den Holzzuwachs der Waldbäume deutlich verringert, teilt Revierförster Robert Nörr mit: Bayernweit rechnen die Forstexperten aufgrund von ersten Stichproben sowie wissenschaftlichen Untersuchungen aus dem Trockensommer 2003 mit einem Rückgang des Holzzuwachses um durchschnittlich 30 Prozent, bei Fichten sogar um mehr als 50 Prozent.

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Schlecht für das Klima

Das hat direkte Auswirkungen auf den Klimaschutz: Allein die Wälder in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach konnten im vorigen Jahr nach vorsichtigen Schätzungen mindestens 300 000 Tonnen weniger Kohlendioxid speichern, das ist etwa so viel, wie 27 000 Menschen in einem Jahr ausstoßen. Für die Waldbesitzer bedeute das trockene Jahr einen entgangenen Wertzuwachs im zweistelligen Millionenbereich nur in den beiden Landkreisen, erklärt Nörr. Es habe damit auch eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung.

Zudem werden die Wälder einige Jahre brauchen, um sich zu erholen, so dass die Forstleute auch in den nächsten Jahren mit spürbaren Auswirkungen auf Zuwachs und Vitalität der Waldbäume rechnen. "Auch das haben die Erfahrungen nach dem Trockensommer im Jahr 2003 gezeigt", erklärt Nörr.

Dabei sind die Wälder schon schlecht in den Sommer gestartet. Durch den Sturm, der Ende März und Anfang April auch im Landkreis wütete, wurden nicht nur zahlreiche Bäume umgeworfen. Die Fichten, die standhielten, trugen durch die starken Rüttelbewegungen vielfach Schäden im Wurzelbereich davon, erklärt Neuerburg. Im viel zu trockenen Sommer hatten gerade sehr hochgewachsene Fichten Probleme, genügend Wasser bis in die Kronen zu transportieren. Viele warfen Nadeln ab, zahlreiche Kronen sind dürr oder abgestorben, die übrigen Nadeln vergilbt.

In Geretsried fallen die ersten Bäume

Vor allem in Geretsried werden deshalb in diesen Tagen auf mehreren Flächen Bäume gefällt. Die dortigen flachgründigen Schotterböden seien für Fichten ein schwieriger Grund. Sind die Bäume so wie momentan geschwächt, sind sie anfällig für Krankheiten. "Dann hat der Borkenkäfer leichtes Spiel", erklärt Neuerburg. Voriges Jahr hätten sich zudem gleich drei Generationen der gefräßigen Insekten entwickeln können.

Nun sei es wichtig, befallene Bäume rechtzeitig zu fällen und das gesamte Holz aus dem Wald zu bringen. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), bei dem Neuerburg den Bereich Forsten leitet, muss auch die Verkehrssicherheit gewährleisten. Er appelliert an die privaten Waldbesitzer, Fichtenstammholz bis Ende März möglichst komplett aus den Wäldern zu holen. Dabei geht der Trend aus ökologischen Gründen eher dahin, Totholz möglichst im Wald zu belassen. "Jetzt spielt aber eine saubere Waldwirtschaft eine große Rolle."

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Schüler sollen neue Bäume pflanzen

Auf abgeholzten oder von Windwurf betroffenen Flächen säten sich viele Baumarten selbst an, etwa Ahorn, Fichte, Eibe und Buche, sagt Neuerburg. Doch nicht überall reicht das aus. Für Frühling und Herbst plant das AELF deshalb Aktionen zusammen mit Schulen, bei denen Bäume nachgepflanzt werden. Das Ziel ist, gesunde Mischwälder zu bekommen. "Die Fichte soll nicht ganz verschwinden", erklärt Neuerburg. Tannen aber vertrügen die Trockenheit besser, seien allerdings anfälliger gegen Frost.

Dazu sollen Laubbäume wie Eiche, Esche, Vogelbeere und Vogelkirsche kommen, auch Ulmen wachsen nach. Reine Buchenwälder schätzen die Forstleute auch nicht, denn wo ein spezialisierter Schädling auf nur eine Baumart trifft, kann er Schlimmes anrichten. "Die Waldbestände fit für die Zukunft zu machen und in gesunde, stabile, zukunftsfähige Wälder umzubauen, ist daher zwingend erforderlich, aber auch eine riesige Herausforderung", erklärt Nörr. Pflege und Durchforstung der Wälder hätten dabei eine entscheidende Bedeutung. Die staatlichen Förster stünden den privaten Waldbesitzern als Berater zur Seite.