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Bad Tölz-Wolfratshausen:Der Meister-Akrobat

Der Äthiopier Solomon Solgit Gerbretsadik kam weit herum - nun lebt er in Bad Tölz

Solomon Solgit

Solomon Solgit zeigt sein Können auf dem Geländer der Tölzer Isarbrücke.

(Foto: Manfred Neubauer)

Wenn Solomon Solgit Gerbretsadik in Bad Tölz am Ufer der Isar Saltos oder einhändige Handstände übt, bleiben die Passanten staunend stehen, schauen ihm erst skeptisch, dann aber kopfnickend zu. Es ist enorm, wie der 1,70 Meter große Mann seinen Körper beherrscht. Als Akrobat reiste der 27-jährige Äthiopier in zahlreiche Länder und Städte. Mit seiner Akrobatengruppe, den "Abyssinia Jugglers", oder alleine trat er in Weltstädten wie Las Vegas, London, Berlin und Dubai auf. Heute lebt der "Multi-Kulti-Artist", wie er sich selber nennt, in der Kreisstadt Bad Tölz.

Mit neun Jahren begann Solgit seine Karriere. Damals noch auf den Straßen seiner Heimatstadt, dem äthiopischen Nazareth. Die ersten großen Auftritte hatte er mit dem ortsansässigen Zirkus. Er stammt aus einer mittelständischen äthiopischen Familie, und so habe für seine Eltern immer die Schule im Mittelpunkt gestanden, sagt er. Ihm aber war die Akrobatik wichtiger. Die Schule meisterte er trotzdem. Mit 18 Jahren wurde er äthiopischer Meister in Gymnastik - sein Durchbruch.

Verbunden mit der Meisterschaften der Besuch der Hebei Wuqiao Acrobatics Arts-Schule in China. Dort sei er in zwei Jahren vom Amateur-Artisten zum Profi ausgebildet worden. In den folgenden Jahren reiste er mit fünf anderen Afrikanern als Akrobatikgruppe "Abyssinia Jugglers" um die ganze Welt. "Es war immer mein Traum, als Akrobat und Entertainer um die Welt zu reisen." Manchmal hatte er innerhalb von vier Monaten 360 Auftritte. "Keine Ahnung, wie viele es insgesamt waren", sagt Solgit lächelnd.

An einen Auftritt kann er sich aber noch ganz genau erinnern. Er war mit dem Zirkus "Mother Afrika" auf Tour in Europa. 2007 machte die Truppe in Bad Tölz Station. Am Kiesbett der Isar lernte er seine zukünftige Frau kennen, eine Tölzerin. "Ich war 20 und sie 17 Jahre alt. Es war am Anfang sehr hart für uns. Ich war die ganze Zeit auf Tour in Europa und den USA. Wir sahen uns nur sehr selten. Mir wurde irgendwann klar, dass ich mit ihr zusammen leben will", sagt Solgit mit seinem markanten Akzent.

Vor drei Jahren zog er in Bad Tölz mit seiner Freundin zusammen, kurz darauf heirateten sie. Für den weit gereisten Artisten ist die Kleinstadt ein wichtiger Ausgleich: "Es ist wunderbar, aus überfüllten und hektischen Städten wie Las Vegas hierher zu kommen. Ein Ort, an dem die Menschen noch spazieren gehen und nicht nur in einer Geschäftswelt leben." Nun will er sich in der Region mit Jugendworkshops und kleinen Auftritten ein neues Standbein auf bauen. Noch reicht es nicht zum Leben. So reist er weiter um die Welt. Es sei aber weniger geworden.

Solomon Solgit tritt am Samstag, 29. März, beim Benefizkonzert für die Jugendarbeit in Benediktbeuern im Barocksaal des Klosters auf. Außerdem die Bands "MAX" und "Odds and Ends". Beginn: 20 Uhr, Eintritt 15, ermäßigt zehn Euro.

© SZ vom 28.03.2014
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