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Bad Tölz-Wolfratshausen:Chlorgas, Quecksilber und Cyanid

Austritte von Giftstoffen haben im Landkreis immer wieder Alarm ausgelöst. Gemessen an der Anzahl von Industriebetrieben gab es jedoch wenige Unfälle.

Im Landkreis passieren relativ wenige Unfälle mit giftigen Chemikalien, wenn man bedenkt, wie viele Industriebetriebe es besonders in Geretsried und Wolfratshausen gibt - "Gott sei Dank", sagt Kreisbrandrat Karl Murböck. Dennoch übt die Feuerwehr regelmäßig, was im Fall des Falles zu tun ist. Einige Unfälle gab es in den vergangenen 15 Jahren aber doch, dabei wurden auch Menschen verletzt, manche schwer.

Im Juni 2002 erlitten 61 Badegäste im Tölzer Alpamare Verletzungen, als giftiges Chlorgas austrat. Viele der Geschädigten waren Kinder, vier Menschen wurden sogar schwer verletzt. Unfallursache war offenbar eine defekte Sonde. Dadurch gelangte zu viel Chlor ins Wasser, dass dann ausdampfte.

Das Nervengas Trichloranilin trat im Januar 2003 aus einem lecken Fass der Firma Re-He in Geretsried aus. Das Gift zerstört bei Einatmung oder Hautkontakt die roten Blutkörperchen. Menschen kamen jedoch zum Glück nicht zu Schaden.

Nach einem Betriebsunfall auf dem Penzberger Werkgelände der Roche Diagnostics GmbH wurde im Juli 2004 Großalarm ausgelöst. In einem Tanklager waren etwa 3500 Liter eines Aceton-Wasser-Gemischs ausgeströmt. Die giftige Flüssigkeit verletzte sieben Männer und zwei Frauen, drei von ihnen mussten ins Krankenhaus gebracht werden.

Im August 2008 wurde erneut Chlor freigesetzt, diesmal im Geretsrieder Rathaus. Dabei wurden zwei Personen verletzt, fünf weitere ambulant behandelt. Das Rathaus und die benachbarten Ratsstuben wurden evakuiert. Der Grund: unsachgemäßer Umgang mit Chemikalien.

Nach einem Unfall in dem Geretsrieder Galvanik-Unternehmen Franz Oberflächentechnik wurden im Juni 2008 vier Menschen in Krankenhäuser eingeliefert. Der Verdacht: Sie seien dem hochgiftigen Cyanid ausgesetzt gewesen. Einer von ihnen hatte offenbar tatsächlich Cyanid-Dämpfe eingeatmet.

Zwischen 2009 und 2013 gab es immer wieder Kontaminierungen mit Quecksilber in Schulen im Landkreis, weil Thermometer zerbrochen waren. 2009 war das Gymnasium Geretsried betroffen, im selben Jahr fand man das giftige Schwermetall auch in der Tölzer Realschule. Der Physikraum war offenbar längere Zeit belastet gewesen, ebenso die Toilette für Jungen. 2013 waren Zimmer der Wolfratshauser Realschule betroffen. Wochenlang blieben dort die Physikräume gesperrt.

Zu einer Explosion von Erdgas kam es im August 2012 an einer Erdgas-Tankstelle in Wolfratshausen. Dabei wurde ein 43-jähriger Münchner schwer verletzt. Das Unglück ereignete sich auf dem Gelände der Energie Südbayern (ESB) an der Geltinger Straße, als ein Mitarbeiter des Chemieunternehmens Tunap einen Wagen betanken wollte.

In Erinnerung geblieben ist auch ein Störfall, der im April 2013 den Arzneimittelhersteller Bene PharmChem GmbH wochenlang lahm legte. Damals lief ätzende Chlorsulfonsäure aus, als in der Produktion ein voller Behälter gegen einen leeren ausgetauscht wurde. Eine Gefahr für die Bevölkerung bestand seinerzeit nicht, die Flüssigkeit sei aus dem Sicherheitsbereich nicht hinausgelangt, teilte die Polizei seinerzeit nicht. Verletzt wurde bei dem Vorfall glücklicherweise niemand.

Im Kochler Erlebnisbad Trimini kam es im Mai 2013 zu einem Unfall mit Chlor. Fünf Badegäste erlitten Verletzungen. Ebenfalls im Mai 2013 musste das Tölzer Hallenbad geräumt werden, weil Chloralarm ausgelöst worden war. Menschen kamen dabei nicht zu Schaden.

© SZ vom 25.10.2016 / ihr

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