Bad Tölz ist ein beliebtes Ziel für Senioren aus ganz Deutschland, die betucht sind und ihr Leben in der Rente noch ein wenig genießen möchten. Vor allem im Kurviertel haben sich nicht wenige von ihnen niedergelassen. Damit steigt der Pflegebedarf in der Stadt, die mit einem Altersdurchschnitt von 44,7 bis 46 Jahren (Stand 2024) leicht über dem bayerischen Durchschnitt liegt. Das Problem: Krankenschwestern und Altenpfleger können sich die kostspieligen Mieten in Bad Tölz – anders als die zugezogenen Senioren – oftmals nicht leisten. Da kommt ein geplantes Wohnheim für Pflegepersonal eigentlich wie gerufen. Die Stadträte im Bauausschuss lehnten ein solches Vorhaben dennoch ab. Allerdings nur vorerst.
Der Neubau soll in der Ludwigstraße entstehen, Hausnummer 31, schräg gegenüber der Tankstelle. Ein Bauwerber möchte dort ein Haus mit 22 Einzelappartements und Gemeinschaftsräumen errichten – „für Schwestern/Pflegepersonal, Arbeitnehmer, Studierende, u.ä.“, wie es im Vorbescheidsantrag heißt. Für das Grundstück gilt der Rahmenplan für die städtebauliche Entwicklung im Badeteil, der Tourismus, Gewerbe, Handel und Gesundheit den Vorrang gibt. Wohnungen für Krankenschwestern und Pflegekräfte stünden damit im Einklang, sagte Stadtbaumeister Florian Ernst. Quartiere für andere Arbeitnehmer oder Studenten dagegen nicht.

Ein weiteres Problem sind für die Stadt die zwei Zufahrten. Beide sind erheblich breiter als die erlaubten sechs Meter, überdies ist nur eine zulässig. Außerdem sollen die zehn oberirdischen Stellplätze zur Ludwigstraße und zur Stefanie-von-Strechine-Straße hin für Senkrechtparker angelegt werden, gestattet sind satzungsgemäß bloß zwei. Zwingende Gründe für eine Ausnahme lägen in beiden Fällen nicht vor, so Ernst.
„Für Pflegepersonal stehen alle Türen offen“, sagte Karsten Bauer (CSU). Normales Wohnen sei hingegen nicht erwünscht. Dies müsse sichergestellt sein. Auch Matthias Winter (CSU) bezeichnete es als „toll, dass wir ein Wohnheim bekommen“. Seiner Ansicht nach könnte man es auch für Studierende öffnen, die aus München kommen. Das Problem mit den Senkrechtparkern vermochte Richard Hoch (Grüne) nicht recht nachzuvollziehen. Solche Parkplätze gebe es auch an der Schützenstraße gegenüber der Asklepios-Klinik, sagte er. Diese Anordnung von Stellflächen sei schlechter für Fußgänger und fürs Schneeräumen, erklärte Bürgermeister Ingo Mehner (CSU).
Mit dem einstimmigen Nein zum Vorbescheid ist das geplante Wohnheim nicht vom Tisch
Dorothea Bigos (Grüne) verwies darauf, dass das Grundstück nach dem Neubau fast völlig versiegelt sei und „kaum noch Grün“ habe. Sie sorgte sich um die Versickerung, respektive Entwässerung. In diesem Gebiet des Kurviertels sei es so, „dass nicht wirklich was versickert“, sagte Bauamtsleiter Fürstberger. „Die Entwässerung muss geprüft werden, wir werden sehen, was wir in dieser Richtung bewerten können.“
Mit dem einstimmigen Nein zum Vorbescheid im Bauausschuss ist das geplante Wohnheim nicht vom Tisch. „Es hatte keine Vorbesprechungen gegeben, wir haben dann Kontakt aufgenommen, damit der Bauwerber den Antrag erst einmal zurückzieht“, berichtete Ernst. Nun habe er allerdings schon signalisiert, dass er vor einem neuen Antrag zur Besprechung ins städtische Bauamt kommen wolle. „Es wäre sinnvoll gewesen, wenn er es gleich getan hätte.“

