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Tölzer Knabenchor:"Wir sind eine wichtige Marke für Bad Tölz"

Der Knabenchor etabliert sein Festival: Diesmal kommen Gastchöre aus Österreich und der Schweiz. Wenn der Erfolg anhält, sollen künftig weltweit renommierte Ensembles auftreten

Von Klaus Schieder, Bad Tölz

Es ist noch nicht lange her, als der Tölzer Knabenchor jeden Monat im Kurhaus auftrat. Die Sitzplätze waren eher spärlich besetzt, das Publikum bestand vor allem aus Touristen fortgeschrittenen Alters. Einheimische ließen sich kaum einmal blicken. Um wieder mehr Zuhörer und vor allem Tölzer anzusprechen, setzten sich Chormanager Anselm Sibig und die stellvertretende Kurdirektorin Susanne Frey-Allgaier vor zwei Jahren zusammen und kamen auf die Idee, ein Knabenchorfestival zu veranstalten. Die Premiere im vergangenen Jahr war ein voller Erfolg, weshalb es heuer zu einer Neuauflage kommt. Neben den Tölzer Knaben gastieren von 15. bis 17. Mai der Zürcher Knabenchor und die Wiltener Sängerknaben aus Innsbruck in der Kurstadt.

"Wir hatten uns gefragt, warum kommen zu den Tölzer Konzerten so wenige Besucher, speziell so wenige Einheimische", erzählt Sibig. Die Vermutung, dass im Kurhaus eben nur die Jüngsten aus den beiden Basischören des berühmten Ensembles zu hören waren, weist Clemens Haudum zurück. "Das waren keine Nachwuchskonzerte, der Chor drei ist dort nie aufgetreten", sagt der Oberösterreicher und einer der beiden künstlerischen Leiter des Chors. Diese Auftritte, die inzwischen auf etwa die Hälfte reduziert wurden, hätten zwar auch dazu gedient, jüngeren Knaben eine Bühne zu geben, doch habe durchaus auch der Konzertchor das Programm bestritten.

Wenn der Tölzer Knabenchor einlädt, kommen Gäste aus dem Ausland gern zu einem Festival in die Kurstadt.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Idee für das Festival entstand der stellvertretenden Kurdirektorin zufolge nicht aus einem Geistesblitz heraus: "Sie hat schon länger geschlummert, sowohl beim Knabenchor als auch bei uns", sagt Frey-Allgaier. Man habe allerdings nicht noch ein Bach- oder ein Mendelssohn-Fest haben wollen, nicht noch ein Kinderchortreffen oder ein anderes "08/15-Festival", betont Sibig. Neu sei hingegen, eine kleine Konzertreihe ausschließlich mit Knabenchören zu gestalten. Und überhaupt: "Wir sind der Tölzer Knabenchor, wir sind eine wichtige Marke für Bad Tölz."

Zwei Konzerte, rund 800 Besucher - die Erstauflage 2014 mit den Wiener Sängerknaben und den Augsburger Domsingknaben war für den Tölzer Chormanager ein "großer Auftakt" und ein "Riesenerfolg". Daran will man in diesem Jahr anknüpfen. Bleibt der Publikumsandrang so hoch, dann denkt Haudum daran, auch einmal Knabenchöre aus dem Ausland einzuladen. Das können renommierte Ensembles aus England sein, aus Russland oder aus den USA. Haudum richtet seinen Blick auch nach Südafrika, wo es ebenfalls überraschend gute Knabenchöre gebe. Vorläufig seien dies nur Visionen. Etabliere sich das Tölzer Festival jedoch, sei es "auf viele Jahre hin ausbaufähig". Sibig äußert sich vorsichtig. Dies sei eine Frage der Finanzierung, "das muss Bad Tölz stemmen", sagt der Chormanager.

Matinée und Gala

Das Knabenchorfestival in Bad Tölz findet heuer zum zweiten Mal statt. Der Tölzer Knabenchor hat diesmal die Zürcher Sängerknaben und die Wiltener Sängerknaben aus Innsbruck eingeladen. Das Eröffnungskonzert mit alpenländischen Volksliedern geht am Freitag, 15. Mai, 19.30 Uhr, im Kurhaus über die Bühne. Eine Matinée mit geistlichen Werken folgt am Samstag, 16. Mai, 11 Uhr, in der Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt. Abends gibt es im Kurhaus ein großes Galakonzert, das um 19.30 Uhr beginnt. Außerdem gestalten die drei Chöre die Gottesdienste in der Stadtpfarrkirche und in der evangelischen Johanneskirche am Sonntag, 17. Mai, mit. Dabei ist der Eintritt frei. Ansonsten gibt es Eintrittskarten in der Tölzer Tourist-Information, Telefon 08041/78 67-0 oder im Internet (www.bad-teolz.de). sci

Wichtig ist beiden, dass sich die eingeladenen Chöre musikalisch ungefähr auf dem gleichen Niveau bewegen wie die Tölzer Knaben. Schon im Herbst vorigen Jahres bekam Sibig die Zusage der Zürcher Sängerknaben, dem mehr als 100 Jungen angehören. Sie arbeiteten bereits mit Dirigenten wie Herbert von Karajan, Nikolaus Harnoncourt und Christoph Eschenbach zusammen, unternahmen Tourneen nach China und den USA. Die Geschichte der Wiltener Sängerknaben geht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Ihre Spezialität sind Volkslieder und Werke von Komponisten aus Tirol. Leiter Johannes Stecher und Gerhard Schmidt-Gaden, der Gründer des Tölzer Knabenchors, kennen sich schon lange.

Bayern, Österreich und die Schweiz - mit Blick auf die Herkunftsländer der drei Vokalensembles lag der Gedanke nahe, das Eröffnungskonzert am Freitag, 15. Mai, mit alpenländischen Volksliedern zu bestreiten. Für das Galakonzert am Samstag, 16. Mai, studieren die Tölzer Knaben Werke aus dem Barock und der Romantik ein. Was die Gäste aus Innsbruck und Zürich bieten werden, stehe noch nicht fest, sagt Sibig. Sicher ist, dass alle drei Chöre am Ende gemeinsam einen Kanon und das "Ave verum" von Mozart singen werden. Frey-Allgaier hält sich aus der Programmgestaltung heraus: "Da verlasse ich mich immer auf den Tölzer Knabenchor."

© SZ vom 13.02.2015
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