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Bad Tölz:Unzufrieden im Badeteil

Die Tölzer diskutieren bei einer CSU-Veranstaltung über die Zukunft des Alpamare und die Architektur im Kurviertel. Viele wünschen sich Gebäude im oberbayerischen Stil - und eine weniger dichte Bebauung.

Von Suse Bucher-Pinell

Der Stadtrat wird am 25. Februar darüber entscheiden, ob und unter welchen Bedingungen sich die Stadt am Umbau des Alpamare zu einem Spa beteiligt. Entschieden wird, ob die Stadt Teile des Areals kauft und einige Gebäude abreißt und sie neu baut oder ob sie auf das Angebot von Jod-AG-Chef Anton Hoefter eingeht, der einen Teilabriss strikt ablehnt und das in die Jahre gekommene Spaßbad bei laufendem Betrieb umbauen will.

Wie die Abstimmung ausgehen wird, ist laut Bürgermeister Josef Janker (CSU) offen. Doch weit mehr als an der Weichenstellung fürs Alpamare bissen sich einige der 50 Zuhörer beim Infoabend der CSU zur Zukunft des Kurviertels am Freitagabend in der Alten Schießstätte an der immer dichter werdenden Bebauung und an einzelnen Neubauten fest. Stein des Anstoßes sind immer wieder die Fontavia-Villen im Herderpark, 25 Einheiten für seniorengerechtes Wohnen, die im Jahr 2010 für ihr Konzept und ihre Architektur ausgezeichnet wurden. Bei Nachbarn und vielen Tölzern stoßen sie dagegen auf Ablehnung und gelten als Beispiel einer nicht regionsspezifischen Bebauung. Als "eiskalter Bau" bezeichnete sie eine Zuhörerin. Ebenso die neuen Häuser auf dem ehemaligen Minigolfplatz, auch deren Architektur ist vielen zu wenig oberbayerisch. Einige hätten gerne mehr Leben im Kurviertel, ein Café für Mütter und Kinder etwa. Hotelier Thomas Eberl betonte dagegen, seine Gäste suchten vor allem Ruhe. Auch ihn stört eine zunehmende Verkehrsbelastung. Willibald Raab sprach sogar von "Extremverkehr" und, was das Bauen betrifft, von einer "Verdichtung wie in München-Neuperlach". Der Stadtrat sei nicht gezwungen, Projekten immer nur zustimmen, er solle auch mal etwas ablehnen.

Janker verwies auf das Verkehrskonzept, das im Auftrag der Stadt derzeit erarbeitet werde. Demnächst seien drei Workshops geplant, in denen nach Möglichkeiten gesucht werde, den Individualverkehr generell zu reduzieren, die Verkehrsbelastung in einzelnen Stadtteilen zu senken und Elektromobilität zu nutzen. "Möglicherweise muss der Stadtbus künftiger häufiger fahren, vielleicht auch mit kleineren Bussen", sagte er. Man müsse auch durchrechnen, ob die Benutzung eventuell kostenlos angeboten werde könne, damit mehr Leute Bus fahren.

Raab forderte die Stadt auch auf, sich stärker in die Gestaltung der Gebäude einzumischen, was Bürgermeister Janker vehement ablehnte. "Wir machen keine Ortsgestaltungssatzung und schreiben nicht jedem Bürger jeden Mist vor", konterte er. Wilhelm Wesselmann warnte davor, dass Tölz jahrelang zur Großbaustelle werde, wenn das Alpamare saniert und neue Hotels gebaut würden. Janker hatte zuvor die Vision der "Neuen Tölzer Hotelkultur und Renaissance des Bäderviertels" umrissen, die Tölz für die Zukunft fit machen und neue Gäste in den Bereichen Gesundheit, Wellness und Tagungen anziehen soll.

Janker verteidigte auch die Umwandlung von ehemaligen Kursanatorien in Wohnungen. "Ich will nicht auf Bauruinen schauen, wir müssen einen Konsens finden", sagte er. Das städtebauliche Rahmenkonzept aus dem Jahr 2005 schreibt vor, dass 80 Prozent der neuen Wohnungen mindestens 100 Quadratmeter groß sein müssen. Über eine Veränderung dieser Stellschraube werde aber bereits diskutiert.

Eine Besucherin hatte bemängelt, dass sich bei den geltenden Quadratmeterpreisen kaum eine Familie eine so große Wohnung kaufen könne. Stadtrat Anton Mayer (CSU) lenkte den Blick zum Schluss noch einmal aufs Alpamare. Ihm ist eine Entscheidung im Februar zu früh. "Es ist ein ungünstiger Zeitpunkt", sagte er. Er will, dass der Stadtrat, der am 16. März gewählt wird, darüber bestimmt. "Wir sollten abwarten, welche Visionen der hat."

© SZ vom 17.02.2014
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