Treppen sind alltägliche Herausforderungen, die im Alter zum Problem werden können. Denn mit den Jahren nimmt die Muskelkraft ab. Kommen weitere Beeinträchtigungen hinzu, sind Senioren gezwungen, ihr Zuhause aufgeben zu müssen. Mit 76 Jahren ist Richard Wittmann der älteste Bewohner des Prinzregent-Luitpold-Wohnheims der Lebenshilfe in Bad Tölz. Damit er in der Einrichtung für Menschen mit Behinderungen auf Dauer bleiben kann, muss der Aufzug erneuert werden. Eine Spende durch die Stiftung „SZ Gute Werke“ soll helfen, die Arbeiten zu bezahlen.
Vier Wohngruppen sind in dem zweigeschossigen Gebäude (plus Untergeschoss) auf dem Areal der Lebenshilfe an der Bairawieser Straße untergebracht. Der vorhandene Aufzug endet im ersten Stock. Was für Richard Wittmann ein großes Handicap bedeutet. Nach einem Treppensturz mit anschließender OP und langwieriger Reha konnte der 76-Jährige wieder in seine vertraute Umgebung zurückkehren. Doch seitdem ist er auf einen Rollator angewiesen. Das Hilfsgerät muss er im ersten Obergeschoss zurücklassen und über die Treppe in den zweiten Stock zu seinem Zimmer gehen. Und umgekehrt.
„Wir möchten unseren Bewohnern ermöglichen, solange es geht, im Wohnheim zu bleiben“, erklärt Pia Sauter, Leiterin Ambulant unterstützes Wohnen. Viele Bewohner seien inzwischen im Rentenalter. Für die geistig Behinderten sei es wichtig, in ihrem vertrauten Umfeld bleiben zu können. Die Lebenshilfe sei laut ihrer Satzung zwar keine Pflegeeinrichtung wie ein Seniorenheim, doch „so lange wir unseren Bewohnern pädagogisch beistehen und helfen können, sind sie räumlich bei uns gut aufgehoben“, betont Sauter.
Die Erneuerung des Aufzugs im Wohnheim sei ein Sicherheitsfaktor, sagt auch Benno Brehm, Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH. Nicht nur, dass der alte Lift aus dem Jahr 1986 inzwischen sehr störanfällig sei und Ersatzteile nur noch schwer zu beschaffen seien, eine neue Anlage würde das komplette Haus barrierefrei werden lassen. „Das ist nicht nur Komfort, sondern echte Freiheit“, sagt Brehm.

Da mehrere Arbeiten im Prinzregent-Luitpold-Wohnheim anstehen, sieht sich die Lebenshilfe mit hohen Investitionen konfrontiert. Eine Modernisierung ist notwendig. Allein der neue Aufzug wird laut günstigstem Angebot etwa 65 000 Euro kosten. Die Summe in selber Höhe wird nach Schätzung eines Architekten der Umbau verschlingen. Unter anderem muss das Dach für Abbrucharbeiten geöffnet werden. „Wir rechnen so mit 130 000 Euro allein für den Aufzug“, sagt Brehm. „Jetzt müssen wir die Kohle ranschaffen.“ Staatliche Förderungen würden spärlich fließen.

In dem bestehenden Schacht, führt der Geschäftsleiter weiter aus, könne ein breiterer Lift eingebaut werden. So könnten künftig auch Bewohner im Rollstuhl den Aufzug nutzen. Ein Treppenlift sei daher keine Alternative. „Wir müssen bauen.“
30 Jahre lebt Richard Wittman bereits im Wohnheim der Lebenshilfe. Weg möchte er von dort nicht. Wenn nur das Problem mit der Treppe nicht wäre. Die sei einfach unpraktisch, sagt er. Nicht nur für ihn, sondern auch für die anderen. „Das ist nicht mehr lustig“, betont der 76-Jährige.
Die Lebenshilfe für Menschen mit Behinderungen wurde 1970 gegründet. Sie bietet etwa 600 Menschen aller Altersstufen eine Vielzahl an Angeboten (Kindergarten, Schule, Wohnheime und mehr) an. Circa 230 Beschäftigte arbeiten in den verschiedenen Einrichtungen der Lebenshilfe im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.
So können Sie spenden
Wer helfen will, wird um ein Geldgeschenk gebeten, Sachspenden können leider nicht entgegengenommen werden. Bareinzahlungen sind im SZ Servicepunkt, im Kaufhaus Ludwig Beck, Eingang Dienerstraße, 1.OG., Marienplatz 11, möglich. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr. Sicher online spenden können Leserinnen und Leser im Internet unter www.sz-gute-werke.de.


