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Kommentar zur Landratswahl:Ein Experiment wird zur Klatsche

Speeddating mit den Landratskandidaten 2020

Am Ende behielt der amtierende Landrat Josef Niedermaier (rechts) die Oberhand. Sein Herausforderer Anton Demmel (links) bekam 37 Prozent der Stimmen.

Herausforderer Anton Demmel hat zu wenig geboten, um jene zu überzeugen, die nicht gewohnheitsmäßig das Kreuz bei der CSU machen. Daraus muss die Volkspartei ihre Lehren ziehen.

Schon klar, Kommentare sollten eigentlich nicht mit einem Zitat beginnen. Aber angesichts dieses mehr als deutlichen Ergebnisses der Landratswahl kann man nicht anders, als an das vielleicht berühmteste Plakat der westdeutschen Nachkriegspolitik zu denken: "Keine Experimente!" lautete der Slogan der CDU 1957, der dazu aufrief, der bestehenden Politik treu zu bleiben. Gerade in Krisenzeiten halten Bürger ja eher an Bewährtem fest, als etwas Neues zu wagen.

Dass Josef Niedermaier so deutlich bestätigt worden ist, während ausgerechnet die CDU-Schwester CSU Opfer der "Keine-Experimente"-Stimmung wurde, ist ein Kuriosum am Rande. Doch den Erdrutschsieg Niedermaiers der aktuellen Corona-Krisenlage zuzuschreiben, wäre zu kurz gesprungen. Die Deutlichkeit der Zahlen belegen, dass das Experiment Demmel zu wenig geboten hat, um jene zu überzeugen, die nicht gewohnheitsmäßig das Kreuz bei der CSU machen. Die Volkspartei muss nun ihre Lehren ziehen und langfristig einen Kandidaten für die Mitte der Gesellschaft aufbauen, will sie in sechs Jahren etwas reißen.

© SZ vom 30.03.2020
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