Seit einem Monat ist das Museum des „Bullen von Tölz“ geschlossen. Ende vorigen Jahres hat das Glashaus Seidl am Isarkai zugemacht, damit ist auch die Schau über die erfolgreiche TV-Serie im Obergeschoss nicht mehr zu besichtigen. Peter Syr, Grafikdesigner und Ausstellungsmacher, wünscht sich eine Wiedereröffnung an einem anderen Ort, ebenso Schauspieler Ottfried Fischer, der in der Hauptrolle des Benno Berghammer zu sehen war. Klar ist jetzt allerdings, dass die Stadt Bad Tölz das private Museum nicht übernehmen wird. „Es gibt dort wenig Originale, viele Schautafeln, und es wäre weit weg von Kostenneutralität“, sagte Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) im Stadtrat.
Willi Streicher von der SPD befand zwar, dass die TV-Krimireihe, die von 1996 bis 2009 ausgestrahlt wurde, „nicht mehr der letzte Schrei“ sei. „Allerdings ist sie immer noch eine nette Geschichte für die Stadt“, sagte er. Deshalb stelle sich für ihn die Frage, ob sich mit dem Museum nicht etwas machen lasse. Vielleicht könne sich die Stadt einige Teile der Ausstellung sichern, „im Idealfall kostenfrei“. Seinen Vorschlag wollte Streicher jedoch nicht als Antrag verstanden wissen, dass die Kommune das Museum nun übernehmen soll.
Schon Anfang Dezember war Brita Hohenreiter im Seidl-Gebäude, um über die Zukunft der Exponate zu sprechen. Die TV-Serie war schließlich „ein großes Glück für Bad Tölz“, wie die Kur- und Tourismusdirektorin sagte. „Das ist wie ein Sechser im Lotto, und dass der Name der Stadt im Titel der Fernsehserie steht, gibt es nicht oft.“ Allerdings sei der Bekanntheitsgrad des „Bullen von Tölz“ nicht mit der touristischen Nachfrage gleichzusetzen, sagte Hohenreiter. Die Gäste kämen, anders als früher, nicht mehr alleine wegen der Krimireihe nach Bad Tölz: „Für junge Gäste spielt sie gar keine Rolle mehr als touristisches Motiv.“

Eine Übernahme wäre für die Stadt laut Hohenreiter mit etlichen Schwierigkeiten verknüpft. Erstens: „Es gibt viele Infotafeln und Hörstationen, aber wenige Originalteile wie etwa den Regiestuhl.“ Die Schau auf rund 120 Quadratmetern ist vor allem von Fotografien geprägt, von den Darstellern, von Szenen der Dreharbeiten. Den Umgang mit den Bildrechten bezeichnete die Kurdirektorin als ziemlich komplex.

Mit dem Fotografen wäre zu klären, unter welchem Modus er an einem künftigen Museum zu beteiligen sei, sagte Hohenreiter. In diesem Zusammenhang erinnerte sie daran, dass die Stadt vor Jahren schon einmal einen Prozess wegen Bildrechten verloren hat. Für eine neue Ausstellung müsse man wegen des Rechts am eigenen Bild auch die Zustimmung der abgelichteten Personen einholen, außerdem auch das Plazet des Fernsehsenders SAT1, sagte Hohenreiter. „Das muss sauber abgewickelt werden, dazu muss man einen Anwalt einschalten.“

Ein zweites Problem: wohin mit den Exponaten? Das Tölzer Stadtmuseum kommt für Hohenreiter nicht infrage. „Das ist komplett belegt.“ Zehn Jahre hat Leiterin Elisabeth Hinterstocker an der Umgestaltung und Neukonzeption des Hauses gearbeitet, das im Sommer 2021 wiedereröffnet worden ist. Die Räume seien also „erst vor Kurzem mit Mühe und viel Geld umgebaut worden“, sagte die Kurdirektorin. Für den Bullen von Tölz nun wieder Zimmer aus- und umzuräumen, lehnt sie ab. Zudem müsste dafür auch das Konzept neu angepasst werden. Und wenn es für die bekannte TV-Serie nur ein kleines Eck gäbe? „Man kann eine Ausstellung auch nicht wahllos verkleinern, da ginge der roten Faden verloren“, sagt Hohenreiter.
Für Bürgermeister Mehner ist der touristische Effekt der TV-Serie „nahezu bei null“
Einen alternativen Ort in der Nähe des Stadtmuseums für das Bulle-von-Tölz-Museum sieht Hohenreiter ebenfalls nicht. Dort gibt es nur den leer stehenden Ratskeller, der sich im Besitz der Stadt befindet. „Ansonsten ist keine Immobilie in der Nähe“, sagte sie. Aber die ehemalige Gaststätte müsste man zunächst einmal umbauen. Überdies sei für eine solche Dependance auch neues Personal nötig.
Für Bürgermeister Mehner spielt der „Bulle von Tölz“ keine große Rolle mehr. Der touristische Effekt der TV-Serie sei „nahezu bei null“, sagte er. Außerdem verwies er darauf, dass die Stadt mit ihrem Marketing-Prozess in den vergangenen Jahren eine zukunftsorientierte Richtung eingeschlagen habe. „Wir sind eine moderne Stadt, die in der Gegenwart ankommt.“

