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Bad Tölz:Real-Pflegeheim gibt auf

Nach der Teilschließung von Amts wegen macht Torhorst auch die Demenzabteilung zu

Von Klaus Schieder, Bad Tölz

Das Pflegeheim des Rehazentrums Isarwinkel in Bad Tölz wird komplett geschlossen. Nachdem der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) und die Heimaufsicht des Landratsamts (FQA) bei elf Kontrollen immer wieder erhebliche Mängel festgestellt hatten, verfügte das Landratsamt bereits im September die teilweise Schließung. Dies betraf 26 Plätze, übrig blieb die Abteilung mit 17 demenzkranken Bewohnern. Sie sei zu klein, um sie weiterführen zu können, begründet Real-Gesellschafter Arnold Torhorst das endgültige Aus für das Pflegeheim zum 1.

Dezember. Betreiber ist die Gemeinnützige Rehabilitations-Gemeinschaft GmbH (GRG). Sie gehört zum Real-Verbund, der sich um die Betreuung und Rehabilitation psychisch kranker Menschen kümmert. Für den Verbund um Gesellschafter Torhorst ist das Pflegeheim nur ein Teil seines Konzepts, das die Pfeiler Rehabilitation, Arbeit und Leben umfasst. In das Segment "Leben" fällt auch das Netzwerk für Pflege, zu dem neben dem Heim in Tölz das schon Ende Mai dichtgemachte Seniorenheim Alpenhof in Bad Heilbrunn zählte. Auch dort hatte es eklatante Pflegemängel gegeben.

Unbegleitete Minderjährige

Im Rehazentrum Isarwinkel in Bad Tölz könnten von 1. Dezember an zwei Gruppen mit jeweils zehn unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen aufgenommen werden. Real-Sprecher Arnold Torhorst sagt, dies passe räumlich wie inhaltlich in das Konzept, da die Real ohnehin die Rehabilitation junger Menschen ausbauen wolle. Vom Jugendamt gebe es ein positives Signal. Aktuell leben nach Auskunft des Landratsamts 82 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge(UMF) im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen in mehreren Einrichtungen. Dies sind in Bad Tölz das Sozialpädagogische Jugendhaus (33 Personen), die Caritas (drei) und Real Isarwinkel (elf); in Wolfratshausen und Eurasburg das Inselhaus (24), in Kochel ebenfalls das Sozialpädagogische Jugendhaus (sieben); in Königsdorf die Jugendsiedlung Hochland (drei), in Benediktbeuern eine "sonderpädagogische Pflegefamilie".

Diese Familie - die Erzieherin Christine Schwarm und der Sozialpädagoge Rudi Mühlhans - war die erste im Landkreis, die ein Flüchtlingskind aufgenommen hat (SZ vom 14. Oktober: "Zuflucht mit Familienanschluss"). Inzwischen haben sich nach Auskunft des Jugendamts sieben bis acht Personen beziehungsweise Familien gemeldet, die ein Interesse signalisiert haben.

"Es haben Informations- und Überprüfungsgespräche vom Fachdienst Pflegekinderdienst stattgefunden", erklärt Jugendamtsleiter Ulrich Reiner. Danach seien nur ein bis zwei Familien als prinzipiell geeignet eingeschätzt worden. "Mit Ausnahme der sonderpädagogischen Pflegefamilie in Benediktbeuern leben nach unserem Kenntnisstand keine weiteren unbegleiteten Minderjährigen in Pflegefamilien. Für das Jugendamt ist dies jedoch vorstellbar", sagt Reiner weiter.

FAM

Die gravierenden Probleme erklärt Torhorst damit, dass es "wahnsinnig schwer" sei, "verantwortliches Führungspersonal zu finden". Erst zu Jahresbeginn hatte er Carl-Heinz Schütte als Interimsmanager und alleinigen GRG-Geschäftsführer geholt. Seine Aufgaben hat Torhorst jetzt wieder selbst übernommen. Als Vorbild sieht er Dieter Käufer an, der das AWO-Seniorenzentrum in Wolfratshausen führt und "mit Recht überall belobigt" werde. Er habe einen solch hochqualifizierten Einrichtungsleiter nicht gefunden, sagt Torhorst.

An der Heimaufsicht des Landratsamts mag er nicht herumdeuteln. Er wolle klar sagen, dass er diese explizit "von der Behördenschelte" ausnehme: "Wir sind von dort unterstützt worden." Sein Unmut richtet sich gegen die Arbeitsgemeinschaft der Pflegekassenverbände in Bayern, den Auftraggeber für den MDK. "Die Kritik ist, dass wir zu Tode geprüft worden sind."

2,5 Millionen Euro hatte der Real-Verbund im Vorjahr in die Sanierung seiner Einrichtungen an der Krankenhausstraße gesteckt. Dazu gehörte der Altbau mit dem Pflegeheim. Die Zukunft des Real-Verbunds sieht Torhorst nicht gefährdet. Die freien Räume werde man nutzen, um die Rehabilitation junger Menschen mit psychischen Erkrankungen auszubauen, auch räumlich. Zudem bietet er einen Teil der Zimmer für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge an.

Das Netzwerk für Pflege sei ohnehin nur ein kleiner Teil des Unternehmenskonstrukts, sagt Arnold Torhorst.

(Foto: Wolfsbauer)
© SZ vom 06.11.2015
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