Das Projekt, einen Abenteuer- und Naturspielplatz am Girlitzer Weiher in Bad Tölz zu errichten, ist geplatzt. Gegen die Anlage am Rande der Karwendelsiedlung gibt es massiven Widerstand von Nachbarn, außerdem befürchtet die Stadt, dass der Betrieb rechtliche Probleme aufwirft. Die könnten dazu führen, „dass wir später einen gebauten Spielplatz nicht oder nur eingeschränkt nutzen können“, sagte Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) im Bau- und Stadtentwicklungsausschuss des Stadtrats. Stattdessen sollen nun knapp 300 000 Euro in die Ausstattung bestehender Kinderspielplätze fließen.
Im Masterplan „Bespielbare Stadt“ unter der Federführung des kommunalen Sozialplaners Franz Späth nahm das Vorhaben am Girlitzer Weiher eine gewichtige Rolle ein. Unter anderem fand ein Workshop statt, bei dem Kinder und Jugendliche ihre Ideen für die Spielplatzgestaltung einbringen konnten. Im Zuge ihres Vorbescheidsantrags, den sie an das Landratsamt stellte, hat die Stadt auch versucht, die Zustimmung der Nachbarn zu bekommen. Ohne Erfolg. Nur zwei von 20 gaben ihre Unterschrift für den Abenteuerspielplatz. Diese Ablehnung war für die Stadt jedoch nicht der alleinige Grund, das Projekt vom Tisch zu nehmen. „Wenn wir nur dort Spielplätze bauen würden, wo kein Anlieger etwas dagegen hat, würden wir vermutlich nie etwas bauen“, stellte Mehner klar.

Es gibt noch andere Probleme. Die Anlage am Girlitzer Weiher ist für Mädchen und Jungen bis zu 13 Jahren gedacht und fällt deshalb unter das sogenannte „Kinderspielplatzprivileg“. Eine schalltechnische Untersuchung ist dafür nicht nötig, Kinder bis zu diesem Alter dürfen laut sein. Anders sieht es allerdings aus, wenn sich dort auch Jugendliche aufhalten, die 14 Jahre und älter sind. Dann entfällt das Privileg. Entsprechende Kontrollen hält die Stadt aber für realitätsfern. Wegen des Widerstands der Nachbarn rechnet sie damit, dass diese, wenn nicht schon gegen die Baugenehmigung, so doch später gegen den Betrieb Klage einreichen – und der Abenteuerspielplatz am Ende kaum genutzt werden kann.
Artenschutzprüfung und ein eingezäunter Weiher
Außerdem sei zu erwarten, dass „auch das Parken ein Riesenthema wird“, sagte Bauamtsleiter Christian Fürstberger. Stellplätze seien nur rund 200 Meter entfernt vom Spielplatz möglich. Der Girlitzer Weiher müsste überdies aus Sicherheitsgründen großteils eingezäunt werden. Und vom Landratsamt werde auch eine Artenschutzprüfung verlangt, die weiteren finanziellen Aufwand erfordere. Auf Nachfrage von Moritz Saumweber (Grüne), wie teuer der Abenteuerspielplatz käme, machte Fürstberger keine genauen Angaben. Die Gesamtkosten seien aber im mittleren sechsstelligen Bereich angesiedelt, sagte er.

Die Stadt will nun in bestehende Spielplätze investieren. Wie Bürgermeister Mehner ausführte, soll eine inklusive Kletterarena an der Albert-Schäffenacker-Straße für circa 73 000 Euro aufgestellt werden. Am Schloßplatz ist an eine neue Stehwippe mit Kletterfunktion für rund 26 000 Euro gedacht. Der Spielplatz an der General-Patton-Straße wird für 63 000 Euro verlegt. An der Isarpromenade soll ein sieben Meter hoher Kletterturm mit geschlossener Rutsche den abgebauten Kletterfelsen ersetzen. Kostenpunkt: gut 140 000 Euro. Dafür müssten im Haushalt zusätzlich 45 000 Euro bereitgestellt werden.

Im Bauausschuss gab es keine Einwände. „Wir müssen schauen, dass wir allen Altersgruppen gerecht werden“, sagte René Mühlberger (CSU). Ein Plädoyer für die behindertengerechte Gestaltung der Spielplätze hielt Karsten Bauer (CSU). Dies umfasse Spielgeräte und Zufahrtswege, nicht nur für Rollstuhlfahrer, sondern auch für Sehbehinderte. „Da ist schon viel passiert, da muss noch viel passieren“, sagte er. Dies unterstrich auch Zweiter Bürgermeister Michael Lindmair (FWG). Allerdings: „Auch wenn wir Aufwand betreiben und jedem Spielplatz mehr Attraktivität geben, kann das kein Ersatz für den Abenteuerspielplatz sein.“
Michael Ernst (SPD) regte an, als neuen Standort eine Fläche am Maxlweiher zu prüfen, wo die Stadt vor knapp zwei Jahren rund sieben Hektar Grund ersteigert hat. Mehner äußerte sich zurückhaltend. Es sei „nicht ganz leicht, jetzt etwas hineinzupacken, wo man einmal etwas entwickeln will“, sagt der Bürgermeister.

