Bad Tölz Offene Türen

Patrizia Zewe und der Kunstverein Tölzer Land suchen den Austausch - nicht nur bei der aktuellen Ausstellung "Das kleine Format für Kurzentschlossene"

Von Petra Schneider, Bad Tölz

Wer zurzeit durch die Marktstraße flaniert, kann sich nicht nur an Kerzen, Schafwollsocken und Glühwein erfreuen, sondern auch an Kunst. Gleich an zwei Standorten laufen Verkaufsausstellungen. Im Tölzer Stadtmuseum ist "Das Kleine Format für Kunstentschlossene" zu sehen: Zum achten Mal präsentieren Mitglieder des Kunstvereins Tölzer Land aktuelle Arbeiten, heuer unter dem Titel "Reflexion". Ein paar Meter weiter kann man im Kunstsalon in der "art-charity" Bilder für 99 Euro kaufen und so ein Integrationsprojekt in Tölz unterstützen. Einige Künstler zeigen ihre Werke in beiden Ausstellungen, die unter der Federführung von Patrizia Zewe stehen. Sie ist Chefin im Kunstsalon und Vorsitzende des Kunstvereins.

Dass sich die Projekte überschneiden, sei durchaus gewollt. Von Konkurrenz könne keine Rede sein, betont Zewe. "Das befruchtet sich doch gegenseitig." Dass es seit Kurzem eine Fotogalerie in der Säggasse gegenüber dem ehemaligen Einrichtungshaus Renner gibt, freut Zewe. "Das verstärkt die Wirkung von Tölz als Kunst- und Kulturstadt." Die Galerie des Tölzer Fotografen Robert Sentef wird am 21. Dezember von 14 Uhr an feierlich eröffnet. Viele Kunstinteressierte kämen inzwischen von auswärts und könnten dann mehrere Ausstellungen in der Stadt besuchen.

Zewe hält es für wichtig, dass Kunst- und Kulturschaffende an einem Strang ziehen. Aus diesem Grund soll auch die "Tölzkunst 2" an der Isarpromenade im kommenden Jahr eine Symbiose mit dem Summer Village eingehen: Der Kunstmarkt findet am 26. Juli gleichzeitig mit dem Festival am Moraltpark statt. "Dann können Besucher einen Kulturspaziergang entlang der Isar bis zum Moraltpark machen." Zewe hat den Eindruck, dass sich das Tölzer Publikum zunehmend von Kunst begeistern lässt: Bei der Vernissage zur "art-99-charity" seien viele Einheimische in den Kunstsalon gekommen, zwölf Bilder sind bereits verkauft.

Auch an einigen Arbeiten im Stadtmuseum klebt ein roter Punkt. 24 Mitglieder des Kunstvereins stellen heuer aus - Fotografie, Malerei, Mischtechniken, Skulpturen. Die Preise bewegen sich zwischen 65 und 3000 Euro. Die meisten Exponate erfüllen die Vorgabe des Kunstvereins nach Formaten von maximal 40 mal 40 Zentimetern. So soll es Käufern ermöglicht werden, die Bilder gleich mit nach Hause zu nehmen. Es gebe aber Überlegungen, diese Regel aufzuheben, sagt Zewe. Denn die neuen Ausstellungsräume seien von der Marktstraße aus einsehbar. Wenn Käufer ihre Bilder gleich mitnähmen, entstünden Lücken, die dem Gesamteindruck schadeten. Das sei auch nicht im Sinne von Museumsleiterin Elisabeth Hinterstocker, die neuerdings mit dem Vorstand des Kunstvereins die Werke juriert. Zewe findet es gut, dass Hinterstocker sich einbringt, auch wenn nicht alle Mitglieder das so sähen. "Wenn Kunst im öffentlichen Raum eines Stadtmuseums gezeigt wird, darf und soll die Hausherrin mitreden."

"Reflexion" heißt das Thema der aktuellen Mitglieder-Ausstellung: Jeannine Rücker zeigt "Wunder der Natur".

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Ausstellung wirkt modern und gibt den unterschiedlichen Werken genügend Raum. Abstrakte Malerei und viele Fotoarbeiten sind darunter, wie etwa die "Wasserreflexionen" von Eberhard Heller: Wellen, gelb-grau-braun, die wie gefaltetes Gestein wirken. Kleine Skulpturen mit weichen, runden Formen von Claudia Schneider. Holzarbeiten von Jürn Ehlers, die zugleich filigran und kraftvoll wirken. Eine vielschichtige Arbeit von Zamp Wimmer mit Engelwesen, Ornamenten und geometrischen Linien. Oder die dreidimensionalen Assemblagen aus Pappe, Acryl und Kunststoff von Horst Hermenau: Aufgebrochene Gesichter, in denen sich Merkmale vervielfältigen und die Schichten einer brüchigen Identität offenlegen.

"Das kleine Format", Galerie im Stadtmuseum, Marktstraße 48, Bad Tölz; bis 14. Dezember, 10 bis 17 Uhr. "art-99-charity", Kunstsalon, Marktstraße 6, bis 21. Dezember, Donnerstag bis Samstag, 14 bis 18 Uhr

Horst Hermenau zeigt im Tölzer Kunstverein ein "Mehrschichtiges Mädchen",

(Foto: Harry Wolfsbauer)