Verkehr und InfrastrukturBau der Tölzer Nordspange beginnt

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Der erste von zwei Kreisverkehren der Tölzer Nordumfahrung entsteht an der Sachsenkamer Straße.
Der erste von zwei Kreisverkehren der Tölzer Nordumfahrung entsteht an der Sachsenkamer Straße. Lars Consult/Staatliches Bauamt Weilheim
  • Das Staatliche Bauamt Weilheim hat mit dem Bau der 2,7 Kilometer langen Nordumfahrung in Bad Tölz begonnen, die bis 2030 fertiggestellt werden soll.
  • Die Gesamtkosten für die Nordspange mit zwei Kreisverkehren belaufen sich auf rund 60 Millionen Euro und werden von Bund, Freistaat Bayern und EU-Fördermitteln finanziert.
  • Die neue Umgehungsstraße soll die stark belastete B472 entlasten, über die täglich bis zu 35.000 Fahrzeuge fahren.
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Das Staatliche Bauamt Weilheim hat mit dem Bau der Nordumfahrung in Bad Tölz begonnen. Die 2,7 Kilometer lange Strecke mit zwei Kreisverkehren soll bis 2030 fertiggestellt sein und rund 60 Millionen Euro kosten.

Von Klaus Schieder, Bad Tölz

Die Kinder hatten ihren Spaß. Als neben dem Awo-Hort Regenbogenland im Lettenholz ein großer Bagger auftauchte, liefen alle an den Zaun und schauten hinüber zum benachbarten Rollfeld des Segelflugplatzes Greiling. Das war doch mal spannend. Dann kam sogar ein zweiter Bagger. Und plötzlich schwebte vom Himmel auch noch ein Hubschrauber herab. „Da brauchten die Kindergärtnerinnen mit den Kindern nichts mehr machen“, sagt Raphael Zuber, Abteilungsleiter vom Staatlichen Bauamt Weilheim. So hat ein Großprojekt begonnen, auf das Bad Tölz schon seit mehr als drei Jahrzehnten wartet: der Bau der Nordumfahrung.

Die sogenannte Nordspange soll bis Ende 2030 fertiggestellt sein.  Die neue Strecke ist insgesamt 2,7 Kilometer lang und führt von der Einmündung der Sachsenkamer Straße in die Bundesstraße 472 nach Norden, vorbei an Häusern der Lettenholz-Siedlung. Dann schwenkt sie nach Osten, kreuzt oberhalb der Firma SAM die Bundesstraße 13 und verläuft weiter über den Segelflugplatz hinab zum Abzweig nach Greiling auf der B 472.

Auf dieser Route sind zwei große Kreisverkehre vorgesehen: Der eine wird auf Höhe Sachsenkamer Straße errichtet, der andere an der B13. Die Nordspange wird an diesen Stellen gewissermaßen tiefergelegt und führt unter den Kreiseln hindurch. Die Kosten für die Gesamtmaßnahme belaufen sich auf rund 60 Millionen Euro. Finanziert wird dies vom Bund, dem Freistaat Bayern und mit EU-Fördermitteln. Vor zwei Jahren lag die Summe noch bei 47,8 Millionen. Aber der Ukraine-Krieg, Lieferengpässe, gestiegene Baupreise und geologische Erkundungen hätten die Kosten in die Höhe getrieben, sagt Zuber.

Der erste Bauabschnitt der Nordumfahrung führt von Greiling bis zur Allgaustraße (unterhalb des Naturfreibads), der zweite von dort bis zur B472 unterhalb des Maxlweihers.
Der erste Bauabschnitt der Nordumfahrung führt von Greiling bis zur Allgaustraße (unterhalb des Naturfreibads), der zweite von dort bis zur B472 unterhalb des Maxlweihers. Staatliches Bauamt Weilheim

Die fünfjährigen Bauarbeiten hat das Bauamt in zwei Abschnitte eingeteilt: das „Baulos Ost“ und das „Baulos West“. Bis Anfang 2028 soll der Ost-Teil gebaut sein, der sich von der B472 an der Abzweigung nach Greiling bis zur Allgaustraße in Bad Tölz erstreckt. Der West-Abschnitt – von der Allgaustraße bis zur B472 unterhalb des Bergwachtzentrums – folgt dann bis 2030. Diese Reihenfolge begründet Zuber damit, dass man mit den Planungen für das „Baulos-Ost“ weiter sei als beim Knotenpunkt Sachsenkamer Straße.

Der Bau der Nordspange beginnt mit dem Erdaushub oberhalb der Bundesstraße 472 gegenüber der Abfahrt nach Greiling.
Der Bau der Nordspange beginnt mit dem Erdaushub oberhalb der Bundesstraße 472 gegenüber der Abfahrt nach Greiling. Harry Wolfsbauer

Vom Bau dürften die Verkehrsteilnehmer zunächst eher wenig mitbekommen. Die einzige Ausnahme: An der B472 wird an der Einmündung Greiling nach Süden hin eine provisorische Umfahrung angelegt.  Auf dem Hügel, hinter dem der Flugplatz liegt, sind auf der anderen Seite der Bundesstraße bereits große Erdhaufen aufgeschüttet, die Trasse der Nordspange ist am Rollfeld auch schon in ihrer Breite erkennbar. Von dort verläuft die neue Umgehungsstraße über freies Feld, bis sie auf die B13 nach Holzkirchen trifft. An diesem Knotenpunkt soll die Bundesstraße provisorisch nach Osten verlegt werden, um das Baugebiet für den zweiten Kreisverkehr herum. Die Allgaustraße, die derzeit von der B13 zur Eichmühlstraße führt, wird im Zuge der Nordumfahrung verlegt. Die neue Route ist nördlich der Firma SAM geplant.

Die Einmündung der Sachsenkamer Straße in die B472. Täglich rollen bis zu 35 000 Fahrzeuge über die Bundesstraße.
Die Einmündung der Sachsenkamer Straße in die B472. Täglich rollen bis zu 35 000 Fahrzeuge über die Bundesstraße. Harry Wolfsbauer

Komplizierter wird es im Baulos West. Auch für die Autofahrer. Um den ersten Kreisverkehr zu errichten, muss die B472 in einem engen Bogen nach rechts zum Skaterpark und zur DAV-Kletterhalle hin verlegt werden. Das könnte zu noch mehr Staus auf der Flinthöhe führen. „Wir müssen die Ampelanlagen neu einrichten“, sagt der Abteilungsleiter Großprojekte im Bauamt. „Neu ist schwierig, und schwierig führt zu Staus.“ Im Notfall müsse man die Ampeln „vor Ort ausjustieren“. Die Geh- und Radwegverbindungen in die Innenstadt will das Bauamt beim Bau des ersten Kreisels und auch sonst tunlichst aufrechterhalten. Für Radfahrer und Fußgänger gebe es eine provisorische Brücke, so Zuber. Auch das Abbiegen zur Sachsenkamer Straße soll für die Verkehrsteilnehmer möglich sein.

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Ein Problem beim Straßenbau ist meist der Baustellenverkehr. Und bei der Nordspange muss eine immense Menge an Erdreich transportiert werden. Zuber rechnet vor: Insgesamt fielen etwa 250 000 Kubikmeter Bodenmaterial an; davon wolle man 160 000 gleich für den Bau der Nordspange wiederverwenden, beispielsweise für Dämme am Straßenrand; 65 000 Kubikmeter würden für die Verfüllung von Gruben oder als Asphalt-Beimengung hergenommen. Und 5000 Kubikmeter müsse man beseitigen, also wegfahren. „Es fällt viel an, aber wir werden viel wieder verbauen“, resümiert Zuber. „Wir wollen den Verkehr nicht unnötig belasten.“ Außerdem sei eine kleine Baustraße an der B472 geplant, damit die Lastwagen nicht durch die Flinthöhe kurven müssen.

Raphael Zuber vom Staatlichen Bauamt Weilheim ist als Abteilungsleiter Großprojekte für die Tölzer Nordumfahrung zuständig.
Raphael Zuber vom Staatlichen Bauamt Weilheim ist als Abteilungsleiter Großprojekte für die Tölzer Nordumfahrung zuständig. Harry Wolfsbauer

Durch dieses Tölzer Stadtviertel fahren täglich bis zu 35 000 Fahrzeuge. Eine ungewöhnlich hohe Zahl für eine normale Bundesstraße. „Der durchschnittliche Verkehr beträgt zwischen 16 000 und 20 000 Fahrzeugen“, sagt Zuber. Die neue Umfahrung ist zwischen den beiden Kreisverkehren im Grunde vierspurig, weil die Einfädelspuren bis zur Ausfahrt am nächsten Kreisel durchgezogen sind. Die Kreuzungen an den beiden Rondellen sind höhenfrei: oben der Kreisverkehr, sechs Meter tief darunter die Umgehungsstraße, verbunden durch Rampen. „Man kann unten mit 80 oder 100 Stundenkilometern fahren“, so Zuber.

„Wer irgendwie ein Problem mit der Baumaßnahme hat, soll einfach vorbeikommen.“

Nahe an der Nordspange liegen vier Wohnblöcke am Lettenholz und der Kinderhort Regenbogenland. Um Anwohner vor dem Verkehrslärm zu schützen, sind Schallschutzwände von 1,5 bis zu sechs Metern Höhe vorgesehen. Auch am Kinderhort Regenbogenland soll es einen Lärmschutzwall geben. „Überall dort, wo es maßgebliche Bebauung gibt“, sagt der Abteilungsleiter. Auf der gesamten Strecke der Nordumfahrung sind neun Ingenieurbauwerke geplant, von Brücken über Bohrpfeiler und Stützwände bis eben zum Lärmschutz.

Ihr Hauptquartier haben das Bauamt und ein externes Büro zur Projektleitung in einem grün-beigen Containerbau aufgeschlagen, der zwischen dem Awo-Kinderhort, dem Flugplatz Greiling und dem Solarpark der Gemeinde Greiling liegt. „Wer irgendwie ein Problem mit der Baumaßnahme hat, soll einfach vorbeikommen“, sagt Zuber. Klagen gab bislang kaum. „Es ist nichts Großartiges an uns herangetragen worden.“ Aber der Bau der Nordspange hat auch gerade erst angefangen.

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