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Bad Tölz:Ab aufs Mountainbike

Rund 250 Stunden Arbeit haben Jugendliche und ihre Väter in den zugewucherten Dirtpark auf der Flinthöhe gesteckt.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Eine Elterninitiative hat den alten Dirtpark auf der Flinthöhe hergerichtet.

Von Petra Schneider

Auf der Tölzer Flinthöhe gegenüber der Kletterhalle gibt es ein neues Revier: eine Landschaft aus gepressten Sandhügeln und Kratern, auf der sich Mountainbikefahrer tummeln. Pumptrack nennt sich die Buckelpiste, die eine Gruppe von Vätern und Jugendlichen ehrenamtlich und weitgehend in Eigeninitiative gebaut hat. Entstanden ist der Rundkurs auf dem Areal des früheren Dirtparks, der immer mehr zugewuchert ist und kaum mehr genutzt wurde.

Auf dem neuen Pumptrack war bei der offiziellen Eröffnung am vergangenen Mittwoch jede Menge los: Kinder, Jugendliche und Eltern, die zuschauen oder selbst in die Pedale treten. Der zehnjährige Luis stülpt sich die Handschuhe über, rückt seinen Fahrradhelm zurecht und schiebt sein Mountainbike den Hügel hinauf zum Startpunkt. Den Sattel hat er tief gestellt, damit er beim Fahren auf den Pedalen stehen kann. Dann geht die wilde Fahrt los, über Wellen und Hügel, auf denen sein Rad manchmal abhebt, hinein in die Kurven. Ganz zufrieden ist er nach der Runde nicht. Die Whipline habe nicht so richtig funktioniert, sagt der Zehnjährige. Whipline? Das sei ein Sprung, bei dem das Fahrrad in der Luft quer zur Fahrtrichtung gestellt werde, erklärt sein Vater. "Ich arbeite grade dran, dass ich hinten schön reinkomme", sagt Luis. Also gleich noch mal rauf und los.

In die Quere kommen sich die Biker nicht, denn anders als der frühere Dirtpark ist der neue Pumptrack ein Rundkurs ohne Kreuzungspunkte. Auch die Steilkurven könne man jetzt viel besser fahren, findet Luis. Mitmachen kann jeder, der Radfahren kann, die Jüngsten sind um die fünf, auch Erwachsene sind erlaubt. Bei Regen sollte der Pumptrack aber nicht befahren werden, weil man die nassen Sandhügel dann "schon ein bisschen kaputt machen würde", sagt Bernd Gassl von der Tölzer Jugendförderung, der mit den 30 Freiwilligen die Strecke gebaut hat. Die Initiative dafür ging von Thomas Holz aus, einem Vater. "In Windeseile" habe sich eine Gruppe zusammengefunden, die in knapp sechs Wochen und nach rund 250 Stunden ehrenamtlicher Arbeit die Hügellandschaft gebaut hat. Für kleines Geld, denn die Stadt habe lediglich einen "niedrigen vierstelligen Betrag" investieren müssen, sagt Holz.

Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) bedankte sich überschwänglich bei der Gruppe, die für die Stadt etwas "wahnsinnig Tolles" geschaffen habe. Der Pumptrack sei freilich kein "Partyplatz", betont Mehner. Hier, wie am benachbarten Skatepark, wo ebenfalls viel Betrieb ist, müssten die Corona-Abstandsregeln eingehalten werden. Wenn die Jugendherberge wieder öffnen dürfe, sei der neu gestaltete Dirtpark eine weitere Attraktion am Sportpark auf der Flinthöhe, freut sich der Sportbeauftragte der Stadt, Karsten Bauer (CSU).

Der neue Mountainbike-Rundkurs ist Teil des Masterplans "Bespielbare Stadt", der am Dienstag im Stadtrat auf den Weg gebracht werden soll. Er umfasst nicht nur Spielplätze, sondern auch Parks und städtische Flächen, die für alle Altersgruppen bespielbar gemacht werden sollen. Dass ein Pumptrack nicht einfach nur willkürlich angeordnete Sandbuckel sind, wird bei den Erläuterungen des Bauteams schnell klar: Die Abstände der Hügel wurden in einem Plan genau festgelegt. Deren Form folge einer "sanften Sinuskurve", sagt Gassl. Auch die Radien müssten stimmen. Das Ziel sei, durch Hochdrücken des Körpers, dem Pumping, soviel Geschwindigkeit aufzubauen, dass man den Kurs durchfahren könne, ohne zu treten. "Über die Wellen drüber fließen", sagt Gassl dazu, der selbst begeisterter Mountainbiker ist.

Das neue Angebot, das von Anfang an super angenommen worden sei, ist nicht von Dauer. Denn wenn mit dem Bau der Nordumfahrung begonnen wird, will das Staatliche Bauamt Weilheim die Fläche für die Baustelleninfrastruktur nutzen. Wann das genau ist, sei noch unklar, sagt Mehner. Voraussichtlich kommenden Sommer sollen die Arbeiten beginnen. Dann müssen die Hügel weg. Sie sollen verlegt und dann asphaltiert werden, was in der Community als neuer Maßstab gilt, weil die Reifen auf Asphalt besser haften und die Strecke dann leichter instand zu halten ist. Einen neuen Standort habe er schon "auf dem Schirm", sagt Mehner. Verraten will er ihn nicht, weil darüber zuerst der Stadtrat beraten müsse.

© SZ vom 03.05.2021
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