Der große Wall, der für den Bau der Nordspange aufgetürmt wurde, ist nahe an die Grundschule am Lettenholz herangerückt. Kürzlich war dort ein Autokran im Einsatz, allerdings nicht für die neue Umgehungsstraße: Seine Aufgabe war es, die tonnenschweren Teile von zwölf Modulen eines Interimsbaus auf das Fundament zu heben, das auf einem Teilbereich des Pausengartens vorbereitet war. Dort entstehen auf knapp 260 Quadratmetern zwei Gruppenräume, Sanitäranlagen, ein Speisesaal samt Ausgabenküche, ein Büro für das Personal sowie eine überdachte Terrasse. In dem Modulbau, der für eine Nutzung von zehn bis 15 Jahren ausgelegt ist, soll künftig die Ganztagsbetreuung der Kinder stattfinden.
Die Stadt hat sich für eine Übergangslösung entschieden, weil die Räumlichkeiten für die Mittagsbetreuung an der Grundschule am Lettenholz bereits seit Jahren beengt sind. Mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung, der eine tägliche Betreuung von acht Stunden umfasst, stufenweise eingeführt wird und ab September mit den Erstklässlern startet, wird sich der Bedarf noch erhöhen. Vor dem Hintergrund, dass das Schulgebäude, Baujahr 1958, „mittelfristig“ aber ohnehin „nach einem noch zu erstellenden Gesamtkonzept erneuert werden muss“, wie die Pressestelle der Stadt mitteilt, habe sich der Stadtrat für eine Interimslösung in Modulbauweise entschieden.
Die Stadt Bad Tölz, die als Sachaufwandsträgerin für ihre Grund- und Mittelschulen zuständig ist, investiert 1,1 Millionen Euro in den Bau. Dazu kommen Kosten für die Innenausstattung, für die es bis zu 70 Prozent staatliche Förderung gibt. Mittel für Tiefbauarbeiten, Haustechnik und die Freianlagen kommen noch dazu. Die Arbeiten an Dachstuhl und Innenausbau werden voraussichtlich bis Ende August abgeschlossen, zum Beginn des neuen Schuljahres dann auch die Fassade und die Außenanlagen.
Mit dem Interimsbau an der Lettenholzschule kommt die Stadt ihrer rechtlichen Verpflichtung nach, die baulichen Voraussetzungen für die Ganztagsbetreuung zu schaffen. An der Jahn-Grundschule und an der Südschule reichten die Kapazitäten dagegen aus, erklärt die Stadt. Bärbel Weixner, Schulleiterin der Lettenholzschule, ist froh über die neuen Räume. Zwölf Kindern habe man im zu Ende gehenden Schuljahr aus Platzgründen bei der Mittagsbetreuung absagen müssen, erzählt sie. Und der Bedarf steige: Für das kommende Schuljahr hätten sich die Anmeldungen in etwa verdoppelt. 65 Schülerinnen und Schüler aus allen vier Jahrgangsstufen, also gut ein Drittel, wollten die Ganztagsbetreuung besuchen.

Im Zuge des Rechtsanspruchs stelle die Lettenholzschule zum neuen Schuljahr von der Mittagsbetreuung auf den offenen Ganztag um, sagt Weixner. An allen drei Grundschulen in Bad Tölz werde der Rechtsanspruch im Rahmen der offenen Ganztagsschule (OGTS) erfüllt, erklärt auch die Stadt, also mit Unterricht am Vormittag und einer optionalen Betreuung am Nachmittag. Die Verantwortung für die Umsetzung liegt bei den Schulen, die Kooperationsverträge mit einem Träger schließen; im Fall der Lettenholzschule ist das der AWO-Kreisverband, an der Südschule die Diakonie Oberland. Bei der Jahnschule übernimmt der Trägerverein des Förderzentrums Bad Tölz die Betreuung. Die Stadt muss hierzu einen Mitfinanzierungsanteil an den Freistaat leisten.

