Der Mann ist am Boden. Wie ein Häufchen Elend sitzt er in einer Unterführung, der Kopf ist ihm auf die Brust gesunken. Dann schleppt er sich durch nasse Straßen, trinkt Bier auf der Parkbank. Dass er da eigentlich nicht hingehört, zeigen Rückblenden: Er hatte eine Frau und eine Tochter, einen Job, eine Wohnung. Alles vorbei. Oder doch nicht? "As brochana Herz" heißt der Song der Monaco Compa ny, den die in Schwarz-Weiß gefilmten Sequenzen illustrieren. Jürgen Tonkel spielt auf eindringliche Weise den Familienvater, der in die Obdachlosigkeit abgleitet. Für Kamera und Regie zeichnet der Tölzer Markus Kleinhans verantwortlich.
Zum Gespräch, bei dem es nicht nur um sein neuestes Video gehen soll, hat Kleinhans nach Wackersberg eingeladen. Er will von seinem "Lieblingshobby" erzählen, doch warnt er: "Wenn es ums Filmemachen geht, schweif ich immer ab." Das Haus, in dem er häufiger Besprechungen abhält, gehört seinem Sohn. Der sei Profiskater und habe sein Hobby zum Beruf gemacht. "Da muss ich noch hin", sagt Kleinhans. Der 51-Jährige arbeitet hauptberuflich im Marketing eines Großhändlers für Kfz-Zubehör. 2004 hat er mit seinem "Spezi" Edgar Kraus die Filmproduktionsfirma MEKK-Movie gegründet. Kraus starb 2006. Doch im Firmennamen stehen noch immer seine Initialen EK, eingerahmt von M und K für Markus Kleinhans.
Sie hätten damals als "klassische Quereinsteiger" angefangen, erzählt Kleinhans. Mit einem Musikvideo über die Band Milestones bewarben sie sich beim Amateurfilmpreis Camgaroo-Award - und gewannen auf Anhieb einen ersten Preis. Nach diesem Erfolg sei schnell klar gewesen, dass der nächste Schritt ein Spielfilm sein musste. "Das wollten wir in der Schulzeit schon machen." Auch dieses Projekt glückte - mit viel ehrenamtlicher Hilfe und wenig Geld. Nach mehr als drei Jahren Arbeitszeit lief der Spielfilm "Tödliche Verbindungen" im Kino und im BR-Fernsehen. Er beruhte auf einem wahren Kriminalfall, der als Tölzer "Tamponmord" Schlagzeilen machte. Im Film ermitteln die Kommissare Walter Degenhardt und Rio Hartmann in diesem ungewöhnlichen Fall, dessen zentrales Beweisstück ein mit Zyankali vergiftetes Tampon war.
Gleich mit einem Spielfilm ins Filmgeschäft einzusteigen sei eine ungewöhnliche Herangehensweise, sagt Kleinhans heute. Mittlerweile übernimmt er hauptsächlich kleinere Auftragswerke. Vor ein paar Tagen war er im Auftrag der Geretsrieder Einzelhändler im Einsatz, die mit einem Werbefilm der gewaltigen Online-Konkurrenz die Stirn bieten wollen. Neben Commercials und Kinowerbung produziert Kleinhans noch immer Musikvideos. In Bad Tölz und Umgebung habe er sich mit seinem typischen Stil einen gewissen Ruf erarbeitet, sagt er und greift zu seinem Smartphone. Unter den Videos, die er zeigt, ist ein Kinospot für das Tölzer "Jailhouse", der mit "Star Wars"-Zitaten spielt. Neben einem Bier, dass sich mit Hilfe "der Macht" von selbst zu bewegen scheint, ist Inhaber Peter Frech zu sehen - eingefroren in Karbonit.
"Wo die Leidenschaft ist, kompensiert man Defizite", sagt Kleinhans, der sich immer wieder Hilfe mit ins MEKK-Boot holt. "Filmemachen ist immer ein Netzwerk", sagt er. So sei MEKK-Movie auch in freundschaftlichen Kontakt mit der Crew der Erfolgsserie "Der Bulle von Tölz" gekommen. Die Profischauspieler Katerina Abt und Jürgen Tonkel spielten 2012 sogar in Kleinhans' zweitem Spielfilm "Pension Freiheit" mit. Die Idee, eine Abschlussfolge des "Bullen von Tölz" zu drehen, sei leider an "gruppeninternen Schwierigkeiten" gescheitert.
Auch seine Familie hat Kleinhans mit seiner "größten Leidenschaft" angesteckt. Sein Sohn produziert mittlerweile selbst Filme. Seine achtjährige Tochter ist im aktuellen Musikvideo "As brochane Herz" zu sehen. Sie spielt die Tochter des abgestürzten Familienvaters.
Das Musikvideo der Monaco Company ist das Herzstück eines Benefizprojekts zugunsten der Münchner Obdachlosenhilfe. Wer sich den Song herunterlädt oder sich ein T-Shirt mit Motiven der Benefizaktion kauft, unterstützt damit das Münchner Magazin Biss (Bürger in sozialen Schwierigkeiten). Seit 1993 hilft das Zeitungsprojekt Obdachlosen, zurück ins soziale Leben zu finden. Wer wissen will, wie das im Idealfall aussieht, sollte sich Kleinhans' Video anschauen.
