Die Corona-Pandemie hat den Tourismus auch in Bad Tölz schwer getroffen. Auf rund neun Millionen Euro taxiert Bernhard Harrer von der dwif-Consulting GmbH für Tourismusberatung die finanziellen Einbußen, die in der Kurstadt alleine durch den Lockdown im März und im April entstanden sind. Durch Corona seien Tagesbesucher ebenso ausgeblieben wie Übernachtungsgäste, sagte er in der jüngsten Sitzung des Stadtrats im Kurhaus. Insgesamt liege der Bruttoumsatz durch Touristen in Tölz bei rund 90 Millionen Euro pro Jahr. Daran knüpfte Harrer eine aufmunternde Botschaft: "Bad Tölz ist ein toller Ort für Tourismus. Das sollte auch jeder Einwohner spüren."
Ungefähr alle fünf Jahre lässt das städtische Referat für Tourismus und Kultur von den Münchner Tourismusberatern prüfen, wie es um den Fremdenverkehr als Wirtschaftsfaktor in der Kurstadt bestellt ist. Für die neue Studie wurden die Zahlen von 2019 aufgearbeitet, wie Harrer erklärte. Zudem habe man etwa 15 000 bis 16 000 Interviews mit Tagesgästen geführt. Im Vorjahr gab es etwa zwei Millionen Tagesreisen in Tölz - "das sind sechs Mal mehr als die statistisch erfassten Übernachtungen". Davon hat die frühere Kurstadt noch um die 360 000 pro Jahr. Die Tagesgäste seien mithin ein wichtiges Segment im Fremdenverkehr, sagte Harrer. "Sie können die Einrichtungen in der Stadt ganzjährig gut auslasten."
Was die Übernachtungen betrifft, so entfallen den Tourismusberatern zufolge etwa ein Drittel auf Reha-Kliniken, ein weiteres Viertel auf Hotels. Hinzu kämen noch etwa 172 000 Übernachtungen in Privatunterkünften, also bei Freunden, Verwandten oder Bekannten. Damit seien die Einheimischen selbst "wichtige Multiplikatoren im Bereich Empfehlungsmarketing", sagte Harrer. Anders ausgedrückt: Jeder Tölzer sei gefragt, wenn es um Tourismus geht. Der Studie zufolge geben Gäste, die privat unterkommen, im Schnitt rund 84 Euro pro Tag in der Stadt aus. Bei Besuchern, die mit dem Wohnmobil kommen, sind es etwa 50 Euro, bei Tagestouristen noch circa 20 Euro. Aber, fügte Harrer hinzu: "Jeder Gast ist ein guter Gast, auch wenn er kein Geld ausgibt."
Vom Umsatz aus dem Tourismus profitieren die Hotellerie und die Gastronomie zu 50 Prozent. Den Anteil für den Einzelhandel und die Dienstleistungsbetriebe bezifferte Harrer auf jeweils 25 Prozent. Wobei für die Tölzer Geschäfte vor allem die Tagesgäste wichtig sind. Ihr Anteil beträgt dort nicht weniger als 40 Prozent, wie Harrer mitteilte. Aber es gibt noch mehr Profiteure: Freizeiteinrichtungen, Banken, Sparkassen, Werbeagenturen, Versicherungen, Energieversorger oder auch Handwerker. "Der Tourismus ist eine klassische Querschnittsbrache", sagte Harrer. Die Unternehmen in der Kurstadt investierten etwa 50 Millionen pro Jahr, dies seien "Vorleistungen, ohne die sie den Betrieb nicht aufrecht erhalten können". Davon fließen etwa 15 Millionen in Löhne. Circa 1300 Beschäftige arbeiten in Bad Tölz direkt im Tourismus. "Aber es gibt viele mehr, die davon abhängig sind, das ist eine deutlich höhere Größenordnung".
Nachdrücklich rief Harrer die Protagonisten dazu auf, an einer Willkommenskultur zu arbeiten. "Kreativität ist wichtiger als Wissen", betonte er. Leute, die anpackten, seien besser als Helikopter-Manager, die über allem schwebten, ab und zu herunter kämen und viel Staub aufwirbelten, ehe sie wieder fort seien. Notwendig seien vor allem qualitative und auch bauliche Veränderungen. "Prototypen aus den 1960er-Jahren haben definitiv ausgedient." Denn es reiche nicht mehr aus, den Gast zufriedenzustellen. "Man muss ihn überzeugen, man muss ihn begeistern."
Der Stadt gab Harrer noch eine ganze Reihe von Empfehlungen mit auf den Weg: neue und kreative Angebote, konsequente Zielgruppen-Orientierung, professionelle Betriebsförderung, gezielte Marktforschung, Kooperation mit Leistungsträgern und eine angemessene Preispolitik waren seine Tipps.
