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Tölzer Bürgermeisterkandidat:Im Gespräch mit 18 000 Menschen

Ingo Mehner

Der promovierte Jurist Ingo Mehner (41) ist verheiratet, Vater zweier Kinder und kommt aus einer bekannten Lokalpolitikerfamilie.

(Foto: Manfred_Neubauer)

CSU-Bürgermeisterkandidat Ingo Mehner hat früh mit dem Wahlkampf begonnen. Das gibt ihm nach seiner Ansicht genug Zeit, um mit der Tölzer Bevölkerung zu diskutieren und ihre Ideen aufzugreifen.

Als Ingo Mehner aus Bosnien zurückkehrte, sah er Bad Tölz mit anderen Augen. Nach seinem viermonatigen Bundeswehreinsatz in dem vom Jugoslawienkrieg geschundenen Land fiel ihm manches an seiner Geburtsstadt auf, als wäre es ihm neu. "Ich habe zum ersten Mal die Lüftlmalereien wahrgenommen", sagt er. Im Kontrast dazu hatte er noch die zerschossenen Gebäude in Bosnien im Kopf. Das war 1999. Auch sonst ist Mehner, der sich für die CSU um das Bürgermeisteramt in Tölz bewirbt, in der Welt herumgekommen, wenn auch nicht mehr als Soldat. Als Student war er in Brüssel, als angehender Jurist in Montreal, als Tölzer zehn Mal in der Partnerstadt Vichy. Die Heimat und die Weltoffenheit - beides ist für ihn gleichrangig. "Das Weiten des eigenen Horizonts hat noch niemandem geschadet", sagt er. Für immer in die Ferne zu ziehen, kam für ihn jedoch nicht in Frage. "Es war für mich immer klar, dass es Tölz sein muss."

Seit einigen Wochen betreibt er in der Kurstadt nun schon Wahlkampf, obwohl die Kommunalwahlen erst in acht Monaten stattfinden. Er trifft sich mit Bürgerinnen und Bürger zu Debatten in den Stadtteilen, geht von Haustür zu Haustür, um sich vorzustellen, will die Homepage der Tölzer CSU in eine Kommunikationsplattform ummodeln, dort auch seine Antworten auf die E-Mail-Fragen von Tölzern an ihn in die Breite tragen. Sein Ziel klingt ehrgeizig: "Es ist der Versuch, mit 18 000 Menschen ins Gespräch zu kommen", sagt der 41-Jährige. Für ihn reicht es nicht aus, in Parteiversammlungen auf die Wähler zu warten, ihre Ansichten bloß vom Arbeitsplatz, aus dem familiären Umfeld, vom Sportverein her zu kennen. Unter 18 000 Menschen gebe es genug Ideen, die es für einen Bürgermeister aufzugreifen gelte - und dies nicht bloß vor dem Wahltag im März 2020, sagt Mehner. Deshalb hat er seine Kampagne auch unter das Motto gestellt: "Gemeinsam Tölz gestalten".

Der promovierte Jurist, verheiratet, zwei Kinder, kommt aus einer bekannten Lokalpolitikerfamilie und war schon früh für die Christsozialen aktiv. Er war Orts- und Kreisvorsitzender der Jungen Union, sitzt seit 2008 im Stadtrat, war dort seit 2014 stellvertretender Fraktionsvorsitzender, führte bis zu seiner Kandidatur auch den Ortsverband. Zur Politik brachte ihn allerdings ein Grüner. Jerry Melzer war sein Geschichtslehrer am Gymnasium. Mit ihm habe er fast jede Schulstunde wild diskutiert. "Da musste ich gut vorbereitet sein", sagt Mehner. Seit damals empfinde er die Diskussion als "das Spannende an der Politik". Ob ihm seine inzwischen 25 Jahre währende Parteiarbeit bei den anstehenden Bürgermeisterwahl nicht eher zum Nachteil gereicht? Der 41-Jährige befürchtet das nicht: "Es schadet nicht, wenn man weiß, wovon man spricht." Für betriebsblind hält er sich nach elf Jahren Stadtratsarbeit nicht. Es sei ihm "extrem wichtig, dass man sich viele Eindrücke verschafft".

Auch die 24 Stadtratskandidaten spiegelt für ihn "viele Lebenswirklichkeiten" wider. Das war ihm wichtig. Sieben Bewerber sind Frauen. Diese Zahl erscheint zwar immer noch ausbaufähig, ist aber höher als jemals auf einer CSU-Liste für eine Stadtratswahl in Tölz. Bis zu Platz 14 sind Männer und Frauen im Reißverschlussverfahren aufgestellt. Auch sonst war Mehner daran gelegen, eine gute Mischung hinzubekommen, etwa zwischen Jung und Alt. Der Altersschnitt liegt bei eher jungen 44,5 Jahren. Das heiße aber nicht, dass nicht auch ältere Kandidaten dabei sind, betont der Bürgermeisterkandidat: "Auch jemand, der mit 60 Jahren auf unserer Liste steht, hat frisches Denken." Nur zwei Kandidaten, die sich wegen Partikularinteressen nominieren lassen wollten, lehnte er im Vorfeld ab.

In der Lokalpolitik hat sich der 41-Jährige vorgenommen, dass Tölz nicht schleichend zu einer Schlafstadt verkommt. Deshalb will er alles tun, um die Attraktivität seines Geburtsortes zu steigern.Er unterstützt er weiterhin den Plan, ein neues Hotel anzusiedeln, weil damit der Fremdenverkehr als zentraler Wirtschaftszweig, auch für Handel und Handwerk, gestärkt würde. Deshalb will er mit Geschäftsführer Anton Hoefter über die Immobilien der Jod AG im Kurviertel reden, um vielleicht "zu einem gemeinsamen Gestaltungswillen zu finden, der für beide Seiten von Vorteil ist". Im Badeteil will er nicht bloß die bisherige Gretchenfrage "Wohnen oder Hotel" stellen, sondern dort für eine bessere Nahversorgung, für neue Geschäfte, auch für Büros sorgen. Deshalb will er nach und nach einige der alten Wohnblocks an der General-Patton-Straße ersetzen, die eintönige Kasernenarchitektur durch moderne Bauten auflockern. Und die Fahrradwege - gerade mit Blick auf E-Bikes - in Tölz ausbauen. "Wir können nicht auf einen Schlag neben jeden Gehweg einen Fahrradweg setzen, aber wir werden deutlich nachlegen müssen, um die Leute zum Umsteigen zu bewegen." Eines will Mehner allerdings nicht: ein neues Wellness-Spa. Das käme die Stadt viel zu teuer, sagt er. "Ich glaube nicht, dass das ein leuchtendes Leuchtturmprojekt wäre."

Ein gewichtiger Akzent, den der 41-Jährige setzen möchte, ist hingegen wohnortnahes Arbeiten. Natur, Sport, Kultur - mit diesem Dreiklang kann Tölz seiner Ansicht nach für sich werben. Dabei geht es für ihn nicht darum, einen Konzern wie Roche anzusiedeln. Vielmehr schweben ihm IT-Firmen, Werbeagenturen oder auch innovative Maschinenbauer vor. "Wir können ein extrem attraktives Umfeld bieten", sagt er. Schließlich gewinne das Thema "Work-Life-Balance" immer mehr an Bedeutung. "Wir müssen sie ansprechen und schauen, dass wir ihnen Pakete geben, ihnen zum Beispiel ermöglichen, bezahlbare Mitarbeiterwohnungen hinzuzubauen."

Für Mehner zeichnet einen Bürgermeister aus, dass er "die Offenheit hat, Ideen aufzunehmen, und dann den Willen und das Durchsetzungsvermögen besitzt, diese Ideen umzusetzen". Für sich nimmt er in Anspruch, Tölz gut zu kennen und "trotzdem schon etwas Anderes erlebt zu haben". Wie vor 20 Jahren zwischen den zerschossenen Häusern in Bosnien.