Die Tölzer Marktstraße mit ihren lüftlbemalten Häusern ist ein pittoresker Ort, dem Leerstand nicht guttut, weil er sonst zur historischen Kulisse erstarrt. Dass in zwei traditionellen Gastronomiebetrieben, im Starnbräu und im Café Höckh, nun wieder Leben eingekehrt ist, ist deshalb eine gute Nachricht.
Der „Starnbräu“ wurde im Jahr 1591 gegründet, bis 1973 wurde dort Bier gebraut. In den vergangenen Jahren gab es in der Traditionswirtschaft diverse Pächterwechsel. Zuletzt war dort im April 2023 das eher hochpreisige „Steakhouse Jordi“ eröffnet worden, das aber bereits nach wenigen Monaten wieder schloss. Nach fast zweieinhalb Jahren Leerstand hat dort nun am 1. Mai das „Grillhaus Starnbräu“ eröffnet.
Die neuen Wirtsleute sind Vedran und Andrea Kremic, beide stammen aus Bosnien. Vedran hat in seiner Heimat Koch gelernt und arbeitet seit 22 Jahren in dem Beruf, war unter anderem im Vienna Sporthotel in Wien tätig. Vor sieben Jahren ist die Familie mit den beiden Kindern nach Bad Tölz gezogen. Vedran war fünf Jahre lang Küchenchef im Blomberghaus. Seine Frau Andrea ist Pflegefachkraft bei einem Tölzer Pflegedienst. „Wir haben schon länger nach einem Restaurant gesucht“, sagt der 40-Jährige. Mit dem Starnbräu in Bestlage hätten sie den Sprung nun gewagt.
Und weil sie etwas Neues anbieten wollen und ein Grillhaus in Tölz fehlt, findet sich auf der Speisekarte eine klassische Balkan-Küche: „80 Prozent vom Grill“ – Cevapcici, Pljeskavica, mariniertes Hähnchen, Grillplatten. Hauptsächlich Fleisch, auch wenn es natürlich Salate, Suppen und eine vegetarische Platte gibt. Außerdem bietet Kremic ein täglich wechselndes Mittagsgericht mit klassischen alpenländischen Speisen an. Fleischpflanzerl, Käsespätzle, Kaspressknödel oder Kaiserschmarrn. Das Mittagsgericht kostet zwischen 9,90 und 13,90 Euro; insgesamt sind die Preise moderat. Das Bier kommt von der Brauerei Reutberg. Geöffnet ist täglich ab 12 Uhr, unter der Woche bis 21 Uhr, an den Wochenenden eine Stunde länger.

„Wir hatten einen guten Start“, sagt Andrea Kremic. Lob gebe es vor allem für die großen Portionen. An der Einrichtung im Gastraum, der 80 Plätze bietet, hat sich nichts geändert: dunkler Holzboden, schlichte Holzmöbel, grüner Kachelofen, rot-weiß-karierte Tischdecken. In der offenen Show-Küche kann man das Fleisch aus einer Vitrine auswählen und dem Chef bei der Zubereitung zuschauen. Daneben soll noch eine Bar eingebaut werden, erklärt Vedran Kremic.
Geschlossen wird dagegen der hintere Teil, die frühere „Schwemme“, die Toiletten werden in den vorderen Bereich verlegt. Jeweils zwei fest angestellte Kräfte plus Minijobber arbeiten in der Küche und im Service. Weiteres Personal werde gesucht, sagt Andrea Kremic. „Für die Stelle in der Küche melden sich viele“, schwieriger sei es, eine Bedienung zu finden. Solange helfe sie neben ihrem Vollzeitjob und den Kindern aus, ihr Mann arbeite zurzeit durch. „Aber wir freuen uns und sind optimistisch“, sagt die 35-Jährige und strahlt.


Auch das Café Höckh hat eine lange Geschichte: Erste urkundliche Erwähnungen reichen bis in das Jahr 1352 zurück. Johann Jäger, einer der Revolutionäre der Sendlinger Bauernschlacht, wurde 1667 in dem Haus geboren. 1748 richtete Johann Friedrich Höckh eine Wachszieherei und Lebzelterei ein, später befand sich dort ein Weinlokal. Das Café Höckh, inzwischen in der 13. Generation im Familienbesitz, wurde Ende 2025 aus Altersgründen aufgegeben. Nach nur wenigen Monaten weht nun ein frischer Wind durch das Traditionshaus: Am 10. Mai haben Rocco Minutolo und seine Partnerin Maria Barone dort die „Piazza Höckh“ eröffnet, eine „Café Bar Cucina italiana“.
An der Theke beim Eingang, wo früher Kuchen verkauft wurde, gibt es nun Antipasti und Weine, auch das Ambiente strahlt italienisches Flair aus. Die neuen Pächter führten zuletzt das „Bierhäusl“ in Bad Heilbrunn. „Wir wollten etwas Neues probieren“, sagt Barone, „mitten hinein in die Tölzer Altstadt italienisches Lebensgefühl bringen“. Die 38-Jährige stammt aus Sizilien, ihr Mann, der seit über 17 Jahren in der Gastronomie arbeitet, aus Kalabrien. Die beiden haben drei Kinder.
Die Piazza Höckh ist täglich von 9 bis 22 Uhr geöffnet. Es gibt Frühstück mit den typisch italienischen Cornetti, aber auch Weißwürste. Die Speisekarte ist klassisch: Antipasti, Suppen, Salate, Nudeln, Bruschetta. Und Pizza, Pizza, Pizza – das sei die große Leidenschaft ihres Partners, erklärt Barone.

