Bad TölzErst entwässern, dann bauen

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Tölzer Stadtrat will verhindern, dass durch Neubau Keller voll laufen

Von Klaus Schieder, Bad Tölz

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Ein Mehrfamilienhaus mit 15 großen Wohnungen und einer Tiefgarage will ein privater Bauherr in der Tannenbergstraße im Tölzer Kurviertel errichten. Darauf steht derzeit noch das Hotel und Gästehaus Simon, das abgebrochen werden soll. Die Nachbarn sehen dieses Bauprojekt mit großer Sorge. Sie befürchten, dass bei Regen ihre Keller volllaufen, weil das Grundwasser, genauer: das Schichtenwasser, im Erdboden durch das 14,7 Meter breite und ziemlich große Gebäude umdirigiert wird. "Sie haben jede Menge Einwände", teilte Stadtbaumeister Hannes Strunz in der jüngsten Sitzung des städtischen Bauausschusses mit. Die Stadträte teilten die Bedenken der Anwohner. Sie lehnten den Bauantrag ab und forderten erst einmal einen Entwässerungsplan. Zudem soll der vorgesehene Kinderspielplatz, der für ein Mehrfamilienhaus vorgeschrieben ist, nochmals überarbeitet werden.

Vom Bebauungsplan und von der Architektur her hatte Strunz an dem neuen Wohnhaus mit zwei Quergiebeln kaum etwas auszusetzen. Das sei zwar breit, habe aber ein eher flach geneigtes Dach, sagte er. Die Balkone lägen knapp unter dem Vordach und seien daher auch bei Sonne oder Regen noch zu benutzen. Von 28 Stellplätzen würden 21 in der Tiefgarage, der Rest oberirdisch nachgewiesen. Lediglich die Lage des Spielplatzes behagte dem Stadtbaumeister nicht. "Er hat nur zehn Meter Abstand zu den Wohnzimmerfenstern." Geplant sind insgesamt 15 Wohnungen, von denen lediglich zwei weniger als 65 Quadratmeter haben. Damit erfüllt das Vorhaben auch die Richtlinien des Rahmenkonzepts für das Badeteil.

Die Stadträte stießen sich vor allem an der unklaren Entwässerung. Man könne so ein Bauprojekt nicht ruhigen Gewissens befürworten, "wenn andere nasse Keller haben", sagte Margot Kirste (FWG). Den Kinderspielplatz wird ihrer Ansicht nach ohnehin kaum jemand nutzen, denn Wohnungen mit 100 Quadratmetern und mehr könnten sich Familien in Bad Tölz sicher nicht leisten. Strunz erinnerte daran, dass sich der Bauherr eben an das Rahmenkonzept halte: "Kleiner darf er es nicht machen", sagte er.

Wasserschäden befürchtet auch Josef Steigenberger (CSU). Es habe schon Bauprojekte gegeben, durch die hier massive Schäden entstanden seien. Bauamtsleiter Christian Fürstberger erläuterte, dass die Kommune nur für das Oberflächenwasser zuständig sei, also für Schmutz- und Regenwasser. Das Wasserwirtschaftsamt Weilheim fordere, dies nicht mehr auf den Grundstücken versickern zu lassen, sondern rückzuhalten und in den Kanal abzuleiten. Für das Schichtenwasser sei hingegen alleine die Weilheimer Behörde verantwortlich. Ob es in der Tannenbergstraße mit einem Düker (einer unterirdischen Druckleitung) unter der Tiefgarage hindurch geleitet werden könne, müssten Fachleute prüfen. "Das muss technisch so gemacht werden, dass der Bau den Grundwasserstrom nicht unterbricht." Ob denn die städtischen Kanäle überhaupt leistungsfähig genug für so ein Vorhaben seien, wollte Robert Paintinger (CSU) wissen. Solche Fragen würden vom Tiefbauamt immer wieder geprüft, erwiderte der Bauamtschef.

Ein neues Hotel anstelle des Gästehauses Simon sieht Fürstberger an diesem Platz im Kurviertel im Übrigen nicht. Das Areal liegt nicht in einem der vier Sondergebiete, in der die Stadt eine touristische Nutzung vorschreibt. Das Grundstück sei mit etwa 1500 Quadratmetern zwar groß, aber nicht ausreichend, so Fürstberger. Dafür bräuchte man schon mindestens 4000 Quadratmeter.

© SZ vom 29.07.2016 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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