
Peter Syr gibt sich keiner Illusion hin. "Die Kritik wird weitergehen", sagt er lapidar. Er ist der Ideengeber und Gestalter des Bullen-Brunnens am Max-Höfler-Platz, durch den an diesem Sonntag erstmals Wasser fließen wird. Für seinen Entwurf aus Cortenstahl musste sich Syr schon einiges anhören. Für die einen sind die an einen Filmstreifen erinnernden Platten und die lebensgroßen Figuren nicht mehr als eine Rostlaube, sie finden die Komposition grässlich. Andere sähen die 21 000 Euro, welche die Stadt dafür ausgibt, an anderer Stelle besser angelegt. Und wieder andere wundern sich, dass die Serie "Der Bulle von Tölz" mit einem Brunnen gewürdigt wird, Gabriel von Seidl, der Architekt der Marktstraße, oder Thomas Mann, der Tölzer Sommerfrischler, indessen ohne vergleichbare Ehrung bleiben.
Es ist der Werbewert, mit dem Bürgermeister Josef Janker und sein Büromitarbeiter Klaus Pelikan beständig argumentieren. Die 69-teilige Krimi-Serie, die 1996 im deutschen und österreichischen Fernsehen startete und bis heute in Wiederholungen zu sehen ist, habe der Stadt zu einem hohen Bekanntheitsgrad verholfen. Das zeige sich deutlich daran, dass man auf Reisen häufig auf den Bullen angesprochen werde, sobald man sich als Tölzer zu erkennen gebe. Auch Janker hat das schon erlebt. Gleichzeitig kommen nach Tölz ganze Busgesellschaften, um sich auf den Spuren des Bullen zu den verschiedenen Drehorten in der Stadt führen zu lassen. In einem eigens aufgelegten Flyer zum Film können sie die noch einmal Revue passieren lassen. Dennoch sieht "eine Reihe von Leuten leider nicht, wie sehr die Serie ein Werbeträger ist", bedauert Peter Syr.
An der Berechtigung eines Bullen-Brunnens hat er keine Zweifel. Wobei der nicht allein den Hauptdarsteller, dem "Bullen" Benno Berghammer alias Ottfried Fischer gewidmet sei, sondern ausdrücklich der Serie mit allen ihren Schauspielern, von der 2009 verstorbenen Ruth Drexel bis zum Produzenten und dem Fernsehsender. Es ist laut Pelikan übrigens die erste Serie, die solcherart gewürdigt wird.
Zur Einweihung am Sonntag wird denn auch nicht nur Ottfried Fischer an den Ort seiner jahrelangen Ermittlungen zurückkommen, sondern auch seine Filmpartner Katerina Jacob (Hauptkommissarin Sabrina Lorenz) und Gert Anthoff (Baulöwe Toni Rambold). Gefeiert wird von 11 Uhr an bis in den Abend. Rund um den Brunnen gegenüber der Tourist-Information am Max-Höfler-Platz wird ein Biergarten aufgebaut, die offizielle Einweihung ist für 15 Uhr geplant. Dabei wird Ottfried Fischer mit Leo Gmelch und den Heimatlosen auftreten und Kabarett-Geschichten mit Musik verquicken. Der Nachmittag wird ausklingen mit Musik, gespielt von Sepp Wiesmann und seinen Musikanten. Auch Peter Syr wird da sein und sich unter die Feiernden mischen. Künftig wird der Brunnen dann Treffpunkt und Ausgangspunkt für die Film-Führungen durch Tölz sein.