Bad Tölz Die Stärken der Absolventen

320 Berufsschüler erhalten in Bad Tölz ihre Abschlusszeugnisse. Schulleiter Bichler, stellvertretender Landrat Holz und IHK-Gremiums-Vorsitzender Krämmel loben sie für ihre Qualifikationen, die ihnen große Chancen bieten

Von Floriana Hofmann, Bad Tölz

320 junge Menschen aus den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach der staatlichen Berufsschule Bad Tölz haben am Donnerstag, 28. Juli, im Festsaal im Kurhaus in Bad Tölz ihr Abschlusszeugnis überreicht bekommen. 40 von ihnen erreichten einen Notendurchschnitt von 1,5 oder besser. Der stellvertretende Tölzer Landrat Thomas Holz verlieh den Absolventen den Staatspreis der Regierung von Oberbayern, eine Urkunde als "besondere Anerkennung" und eine Sonnenblume. In seiner vorangegangenen Rede wies er auf die großen Chancen der jungen Fachkräfte hin: Sie seien stets gesucht, in vielen Bereichen müssten die Unternehmen sogar um die Absolventen werben, es sei nicht mehr andersherum.

Schulleiter Josef Bichler erinnerte daran, dass die Schüler in den Jahren der Ausbildung qualifizierter und vor allem stärker geworden seien. Die Absolventen zeigten, dass sie "Schwierigkeiten überwinden" könnten, wie schweren Stoff oder auch "die eigene Faulheit". Das sei ein Zeichen persönlicher Stärke, denn, so zitierte er den Philosophen Immanuel Kant, "alle Stärke wird nur durch Hindernisse erkannt, die sie überwältigen kann." Die Absolventen hätten Stärke auch dadurch erlangt, dass sie in ihrer Zeit im Betrieb gelernt hätten, sich unterzuordnen, da "der wahrhaft Starke versteht, sich zur rechten Zeit zu beugen", wie eine asiatische Weisheit sage. Bichler bat die Absolventen darum, dass sie die gewonnene "Stärke einsetzen, um Schwachen zu helfen", etwa Menschen, die nicht gut Deutsch sprechen. Denn wahre Stärke zeige sich im Umgang mit Schwächeren. Er wünschte den jungen Leuten, dass sie, erneut nach Kant, "den Mut haben, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen". Ganz besonders lobte der Schulleiter die Durchsetzungskraft der Absolventen - sie hätten sich "durch die Ausbildung durchgebissen".

Berufsschulleiter Josef Bichler (hintere Reihe re.) ist stolz auf seine Schüler, Zweiter Landrat Thomas Holz (hinten 2.v.r.) überreichte die Urkunden.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die meisten jungen Leute werden von ihren Betrieben übernommen

Eine berufliche Ausbildung zu absolvieren, sei eine "kluge, weise, nachhaltige und vorausschauende Entscheidung" gewesen, sagte Reinhold Krämmel, Vorsitzender des Industrie-und Handelskammer-Gremiums der beiden Landkreise. Dieser Abschluss sei "mindestens gleichrangig zu einem akademischen Abschluss, wenn nicht sogar besser". Eine gute fachliche Ausbildung stelle eine Garantie für beruflichen Erfolg dar, den Absolventen stünden alle denkbaren Möglichkeiten offen, sich beruflich weiterzubilden und sogar bis zur Unternehmensspitze zu kommen.

Krämmel lobte auch das deutsche duale Berufsausbildungssystem, das mit seiner 300 Jahre alten Geschichte in Europa und auf der Welt fast einmalig sei. Anschließend überreichten die Klassenlehrer ihren ehemaligen Schülern die Zeugnisse. Schulleiter Bichler lobte, es sei "für jeden eine große Leistung, das Abschlusszeugnis zu erwerben". Er ermutigte die Absolventen, kräftig zu feiern und hatte noch einen letzten - augenzwinkernden - Ratschlag parat: Die Jugendlichen sollten "so schnell wie möglich das Zeugnis in Sicherheit" bringen, "nicht dass es verloren geht oder schmutzig wird".

Die Besten

Bad Tölz - Die Abschlussnote 1,0 erreichten sieben Absolventen der Tölzer Berufsschule. Dafür erhielten sie bei der Abschlussfeier den Staatspreis der Regierung von Oberbayern. Fünf der Preisträger mit Bestnote kommen aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen: Anton Steinbacher aus Reichersbeuern, Industriemechaniker bei Hawe Hydraulik SE in Sachsenkam, Sebastian Schrills aus Geretsried, Steuerfachangestellter bei der Steuer- und Wirtschaftsberatung Ostner GmbH in Wolfratshausen-Waldram, Ilirida Llolluni aus Bad Tölz, Verkäuferin bei Deichmann Schuhe in der Filiale Penzberg, Maria Gründl aus Eurasburg, Bankkauffrau bei der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen in Bad Tölz und Tim Burger aus Wolfratshausen, Bäcker bei der Bäckerei Burger in Geretsried-Gelting. flho

Die jungen Männer und Frauen erreichten den Abschluss in einem von 17 Berufen aus den Fachbereichen Bautechnik, Elektrotechnik, Ernährung, Gesundheit, Fahrzeugtechnik, Wirtschaft und Verwaltung. Die meisten bleiben nach der Ausbildung in ihrem Betrieb, vor allem in den technischen Berufen, sagte Bichler. Andere setzen ihre Schulzeit auf der Berufsoberschule (BOS) fort oder beginnen eine weitere berufliche Ausbildung. Einige wenige nehmen sich eine Auszeit, etwa zum Reisen.