Preisverleihung Die gute alte Zeit von morgen

Das Tölzer Marionettentheater wird mit dem Pocci-Preis ausgezeichnet. Landrat Niedermaier würdigt das als gute Entscheidung im Sinne des Künstler-Grafen

Von Claudia Koestler, Bad Tölz

Die hölzernen Stars, auf denen sonst aller Augenmerk liegt, mussten an diesem Samstag ein bisschen warten: Denn bevor sich der Vorhang zur Abendvorstellung im Tölzer Marionettentheater öffnete, standen erst einmal jene im Rampenlicht, die sonst im Hintergrund die Fäden ziehen: Die Franz-Graf-von-Pocci-Gesellschaft verlieh nämlich den diesjährigen Pocci-Preis an die Leiter des Marionettentheaters, Karl-Heinz Bille und Albert Maly-Motta.

Ihren inzwischen bekannten Preis übergab die Pocci-Gesellschaft heuer zum neunten Mal, und das in einem besonderen Jahr: Denn die kleine Tölzer Bühne feiert 2014 ihr 100. Gründungsjubiläum. Doch eigentlich, sagte Maly-Motta angesichts der ausverkauften Zuschauerränge, "müsste man den Preis halbieren und auch Ihnen, dem Publikum, verleihen, dafür, dass sie uns unterstützen".

Stolz über die Ehre der Preisverleihung an das besondere Theater zeigte sich auch Landrat Josef Niedermaier, der die launige Laudatio hielt. "Ich werde mich zeitlich aber am Zaum nehmen oder am Faden reißen, um im Bild zu bleiben", erklärte er eingangs. Er wollte allerdings "nicht nur gratulieren, sondern der Pocci-Gesellschaft auch bestätigen, dass sie eine absolut richtige Wahl getroffen hat". Diese sei "vor allem schlüssiger als die Vergabe des diesjährigen Karl-Valentin-Preises", der an den Sänger Heino verliehen wurde.

Michael Köhle (links) überreichte Karl-Heinz Bille und Albert Maly-Motta den Preis und jedem Puppenspieler aus dem Team kleine Kasperl-Figuren.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die Auszeichnung des Marionettentheaters sei eine "Entscheidung ganz im Sinne des Grafen Pocci, der bekannt war für sein karikierendes Wesen", sagte Niedermaier. Als er jedoch den Namen Pocci für die Laudatio googelte, stieß er auf die Meldung, dass Pocci Sieger des Baden-Badener Roulette-Preises geworden sei: "Nanu, wie weit reichen denn die Verbindungen der Münsinger Pocci-Gesellschaft inzwischen?", habe er sich da gefragt, bis er erkannte, dass es sich bei diesem Pocci um ein Rennpferd handelte. "Loriot hätte seine Freude gehabt und Pocci sich prächtig amüsiert", vermutete Niedermaier. Schließlich war Graf Pocci "ein Tausendsassa, ein Universalkünstler, eine Person, mit einem Doppelleben: einerseits hoher Beamter, andererseits Künstler", sagte der Landrat.

Bille und Maly-Motta hingegen waren es, die nach dem Tod Oskar Pauls, als das Schicksal des Theaters auf Messers Schneide stand, die Fäden in die Hand nahmen. "Sie brachten neuen Geist rein, modernisierten Haus und Spielplan und schafften es, neues Publikum zu erschließen, ohne das alte zu verprellen", sagte Niedermaier. Erhalt und Fortbestand dieser Institution sei somit wesentlich ihnen zu verdanken. Und mehr noch: "Mit ihrer Version eines zeitgemäßen Puppentheaters, das sich auch nicht vor dem Einsatz technischer Neuerungen scheute, ist es gelungen, auch die Handy-Generation für am Faden hängende Geschichten zu interessieren", freute sich Niedermaier. Deshalb schloss er seine Worte mit Dank, Stolz und der Bitte: "Machen Sie so weiter, dann trifft ein Zitat von Valentin auf das Theater zu, das lautet: Heute ist die gute alte Zeit von morgen."

Die Pocci-Statue ist ein Werk Otto Süßbauers. In Groß steht sie vor dem Münsinger Rathaus.

(Foto: Manfred Neubauer)

Bille und Maly-Motta freuten sich sehr über den Preis in Form einer verkleinerten Version der Pocci-Statue von Münsing, die der Mooseuracher Bildhauer Otto Süßbauer geschaffen hat. Sie betonten aber, dass sie ihn nicht nur für ihre eigene Arbeit als Leiter des Puppentheaters ansahen ("Wir, die zwei Halb-Leiter"). Sie nahmen den Preis auch an auch als Dank für Generationen von Spielern, die sich ehrenamtlich fürs das Marionettentheater engagiert haben, wie Bille sagte. Genauso stolz wie auf den Preis seien er und Maly-Motta auf das Tölzer Ensemble, das seit 14 Jahren konstant sei. Da traf es sich, dass der Vorsitzende der Pocci-Gesellschaft, Michael Köhle, neben dem Preis auch kleine Glücksbringer verteilte: einen sich verbeugenden Kasperl, aus handgeschmiedeten, vergoldeten Tiroler Hufnägeln, die er im Anschluss an alle, auch die Spieler, vergab.