Bad TölzDer schwere Weg zurück in den Job

Lesezeit: 2 Min.

Servicestelle "Frau & Beruf" zieht erste Bilanz ihrer Beratungsarbeit

Von Andreas Scheurer, Bad Tölz

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Nach einer mehrjährigen Arbeitslosigkeit ist der Weg zurück in den Beruf oftmals mit Hürden vollgestellt: lästige Gänge zur Arbeitsagentur, eine moderne Bewerbung schreiben und die Unsicherheit, was man überhaupt machen möchte. Um bei diesen Fragen zu helfen, gibt es seit November vorigen Jahres in Bad Tölz die Anlaufstelle "Frau & Beruf". In Workshops, Infoveranstaltungen und Beratungen können sich Frauen und auch Männer dort neu orientieren. Nach drei Monaten zieht die neue Servicestelle nun Bilanz.

46 Teilnehmerinnen, 175 Kurzberatungen und sieben Workshops - das seien die Zahlen des Weiterbildungsträgers, wie Projektmanagerin Claudia Harrasser mitteilt. Zusammen mit einer Kollegin leitet die ausgebildete Gymnasiallehrerin die neue Institution in Tölz. Momentan sind ausschließlich Frauen unter den Kursteilnehmern, darunter etwa ein Drittel mit Migrationshintergrund. Das Bildungsniveau sei hoch, sagt Harrasser. Ihren Angaben nach haben 30 bis 40 Prozent der Frauen einen Hochschulabschluss, andere haben zum Teil mehrere Ausbildungen vorzuweisen. Trotz der guten Voraussetzungen falle ihnen der Wiedereinstieg aber schwer, so Harrasser. "Unsere Servicestelle soll sie motivieren, aktivieren und vorbereiten auf Bewerbungen und das Berufsleben."

Neben offenen Beratungsangeboten, Bewerbungs- und Kompetenztraining setzt man bei Frau & Beruf im Besonderen auf die sogenannten "Erfolgsteams" - eine Art Selbsthilfegruppen, die von Harasser moderiert werden. Ein Team befasst sich mit dem allgemeinen Wiedereinstieg in den Beruf; im zweiten sind Frauen, die in der 450 Euro-Job-Falle stecken. Harrasser: "Wir wollen ihnen helfen, wieder in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis zu gelangen."

Unter den regelmäßigen Teilnehmerinnen befindet sich auch die 49-jährige Dagmar Kröpfl. Seit dem Jahr 2000 habe sie bis auf ein Jahr keine feste Stelle mehr gehabt, drei Kinder, darunter Zwillinge, hätten dies einfach nicht möglich gemacht, sagt sie. Bei Frau & Beruf hat die gelernte Rechtsanwalts- und Notargehilfin das Bewerbungs- und ein Kompetenztraining absolviert. "Vor allem aber habe ich wieder Mut gefasst, einen Telefonhörer in die Hand zu nehmen, um einfach beim Arbeitgeber anzurufen", sagt sie. Vor Kurzem hat sie einen Leitfaden für derartige Telefonate erstellt, der nun für alle bei der Servicestelle frei zugänglich ist.

Im Allgemeinen seien die Beratungen kostenlos, versichert die Geschäftsführerin von Frau & Beruf, Christine Nusshart. Kostenpflichtig hingegen ist ein neuer Kurs "European Business Competence Licence", kurz EBC*L, den die Servicestelle ab März dieses Jahres anbietet. Dies sei eine praxisorientierte, betriebswirtschaftliche Weiterbildung für Frauen, also eine Art Crash Kurs in BWL. Beispielsweise geht es darum, eine Bilanz verstehen zu können oder zu wissen, was eine Eigenkapitalquote darstellt - Fähigkeiten, die immer wichtiger werden in der Berufswelt. "70 Prozent der Frauen verwalten das Geld in den privaten Haushalten, so schlecht können sie das also nicht", meint Nusshart.

© SZ vom 01.03.2016 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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