Bad Tölz Begleiten, leiten, entwickeln

Offizielle Übergabe: Der neue Schulleiter der Berufsschule Franz Hampel (li.) wird vom seinem Vorgänger Josef Bichler begrüßt.

(Foto: Manfred Neubauer)

Der neue Leiter der Berufsschulen im Landkreis, Franz Hampel, hat ein klares Konzept

Von Christa Gebhardt, Bad Tölz

Warum der neue Schulleiter der Staatlichen Berufsschule Bad Tölz-Wolfratshausen erst im Dezember offiziell in sein Amt eingeführt wurde - und nicht zu Schuljahresbeginn im September - wusste Maria Els, Präsidentin der Regierung Oberbayern, auch nicht. Aufklärung darüber gab dann der Neue, Franz Hampel, selbst: Landrat Josef Niedermaier sei nach diversen Leonhardi-Festen drei Wochen nicht mehr ansprechbar gewesen. Ein Scherz natürlich, der Landrat war im Urlaub. So vertraut und humorvoll verlief der Festakt zu Hampels Amtseinführung in Bad Tölz durchwegs: Man kennt sich, nicht erst seit Beginn des Schuljahres, sondern auch von früher. Hampel hat seine Gesellenprüfung als Schreiner wie auch seine Referendarzeit an der Tölzer Berufsschule absolviert. Die Zusammenarbeit mit den für Bildung zuständigen Organen der bayerischen Politik hat er bereits eingeübt: Zuletzt war er in Rosenheim 13 Jahre lang stellvertretender Schulleiter.

Das engagierte Kollegium der Tölzer Berufsschule hat mit Hampel also einen neuen Chef bekommen, der über fundierte Praxis in der handwerklichen Arbeit wie auch über handfeste pädagogische Erfahrung und Führungskompetenz verfügt. Den herzlichen Begrüßungsworten der Regierungspräsidentin fügte Landrat Niedermaier seine persönliche Rede an. Das Familiäre, sagte er, sei der Grundstock für eine gesunde Wirtschaftsstruktur im Landkreis. Die "Berufsschulfamilie" habe ihn geerdet, nicht nur, weil er als Abiturient dort erst ordentlich rechnen gelernt habe. Seinen Sinn fürs Praktische demonstrierte Niedermaier mit seiner Klarinette, er unterstützte die schuleigene Musikgruppe Eh scho do, die den Festakt mit bayerischer Volksmusik umrahmte. Auch die Liebe zur Musik verbindet den Schuldirektor und den Landrat. Mit dem Kollegium scheint Hampel nach wenigen Monaten bereits gut verwachsen zu sein. Das konnte man aus der launigen Rede der Personalratsvorsitzenden Claudia Sappl entnehmen. "Dreifach gut" sei der neue Schulleiter an den drei Standorten der Berufsschule versorgt mit dem breiten Ausbildungsspektrum, unter anderem in der Hauswirtschaft, in Steuerfragen oder dem Bankwesen.

Franz Hampel dankte dann auch den Vertretern der Politik und dem gesamten Schulpersonal für die großartige Unterstützung seit seinem Amtsbeginn. Er sprach über die Aufgaben der Berufsschule in Gegenwart und der Zukunft und das "Erfolgskonzept" der dualen Berufsausbildung. Hampel ging auch auf die notwendigen Veränderungen in den Handwerksberufen ein, auf die Herausforderungen der Digitalisierung und die zunehmend schwierigere Aufgabe der Inklusion und Integration einer Schülerschaft, die individuell begleitet werden müsse. Großen Wert legte Hampel in seiner Rede auf das Wertesystem, das "Berufsethos". Seine eigene Entwicklung demonstrierte der Schulleiter mit einem quadratischen Fensterrahmen. Sein Ausbilder habe zu seinem mittelmäßig benoteten Lehrlingsstück gesagt, "aus ethischen Gründen" müsse immer "das Senkrechte vor dem Waagrechten durchgehen".

Was er als junger Lehrling damals nicht so recht begriffen habe, sei ihm heute durch die Praxis klar geworden. "Man muss", sagte er, "sich als Handwerker mit seinem Produkt identifizieren können". Für Schüler, die aus einem Handwerksbetrieb kommen, sei dies ein Leitbild, das Lehrer vermitteln sollten. Schüler aus der Industrie, die in einem aufgegliederten Werkprozess sich nicht mit dem Endprodukt identifizieren können, sollten sich "als wertvoller Teil eines Ganzen" fühlen. Als Lehrer will Hampel dieses Berufsethos, die Identifikation mit Beruf oder Betrieb, vermitteln. Für die Ausbildung im 21. Jahrhundert sieht er die Notwendigkeit, "gemeinsam Ziele zu erreichen" und fordert "mehr Selbständigkeit" im pädagogischen Konzept. Ein Leitbild lasse sich aber nicht von außen verordnen, es müsse sich in der Schule entwickeln und schließlich verinnerlicht werden. Sein Motto: "Lehren und begleiten wie auch leiten und entwickeln für die Lehrer, lernen und handeln für die Schüler."

Für Industrie, Handwerk, Berufsausbildung und Wirtschaft in der Version "4.0" brauche es Kooperation, fachübergreifende Zusammenarbeit und eigentlich neue Lehrpläne. Zudem verwies Hampel auf den eklatanten Personalmangel an den Berufsschulen. In absehbarer Zeit gingen mehr als 100 000 Berufsschullehrer in den Ruhestand, 60 000 neue Lehrer seien nötig. Die Politik dürfe nicht warten, bis sich bis 2025 der Lehrermangel zugespitzt habe. "Im Mittelpunkt steht der Mensch mit seiner Würde" sagte Hampel. Das sei für ihn das wichtigstes Leitbild für ihn als Lehrer und Leiter. Das Allerwichtigste aber seien Heiterkeit und Humor. Das war in seiner Amtseinführung durchaus von Anfang an spürbar.