Um das Basislager des Internationalen Jugend-Work-Camps am Blomberg zu erreichen, braucht es Schwindelfreiheit und feste Wanderschuhe. Mit der Blombergbahn am Gipfel angekommen, geht es einen improvisierten Trampelpfad am steilen Hang hinunter. Sechs Jugendliche und deren Betreuung stehen schon dort und sind eifrig am Schaufeln und Graben. Die 17- bis 23-Jährigen kommen aus vier verschiedenen Nationen, Italien, Argentinien, Polen und Deutschland. Etwa 3000 junge Tannen und Bergahorne pflanzen sie in den zwei Wochen, in denen sie am Blomberg sind. Die jungen Bäume bilden die Grundlage für einen Mischwald, der dem Klimawandel trotzen soll.
Das Projekt im Bergwald findet nun zum fünften Mal statt. Es wurde vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Holzkirchen sowie von den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten ins Leben gerufen. In diesem Jahr hatte es im Revier von Förster Max Leutenbauer ein durch Stürme und Borkenkäfer verursachtes "Loch" an Bäumen gegeben. Das Gebiet war somit ideal für das Work-Camp geeignet, um dort junge Bäume anzupflanzen. So werde die Verjüngung des Bergwaldes beschleunigt, damit er wieder aufwachsen könne, erklärt Christian Webert, Bereichsleiter Forsten am AELF. "Was ich besonders toll finde, ist, dass die Jugendlichen aus allen möglichen Nationen die Möglichkeit haben, zusammenzuarbeiten, sich kennenzulernen und auszutauschen", sagt Webert.
Julian Drumm ist deutscher Staatsbürger, ein Elternteil kommt jedoch aus Argentinien und so spricht er hauptsächlich Spanisch. Der 18-jährige Teilnehmer findet die Idee toll, Bäume zu pflanzen und damit etwas Gutes für die nächsten Generationen und die Zukunft zu tun.
"Hier können grundsätzlich alle Englisch sprechen", sagt Ulla Fischle, Betreuerin des diesjährigen Camps. "Viele kommen auch extra, um Englisch zu lernen." Die Idee hinter dem Camp sei mitunter das Lernen der Selbstorganisation und der Entscheidungsfindung im Team. Fünf Euro bekomme die Gruppe pro Teilnehmer und Tag. "Da können wir dann frei entscheiden, ob wir es für Lebensmittel oder für die Freizeit ausgeben", sagt Fischle. Nachdem sie selbst an zwei Work-Camps teilgenommen hatte, wollte sich die 24-Jährige aus Dachau selbst einmal als Betreuerin probieren.
Untergebracht sind die Jugendlichen in Zelten in Königsdorf. Täglich arbeiten sie fünf Stunden am Hang. Wenn es regnet, ist die Gruppe aus Sicherheitsmaßnahmen nicht im Einsatz. Sie erhält stattdessen Theorieeinheiten, in denen die Jugendlichen über verschiedene Baumarten oder die Funktion des Waldes informiert werden. "So bekommen sie einen breiteren Blick über das, was wir als Förster so tun", sagt Christian Webert. Für die Projektumsetzung sorgt vor allem Andreas Rechenmacher, der Manager der Bergwaldoffensive. Gemeinsam mit seinem Team kümmert er sich unter anderem darum, dass genug Material am Ort ist. Er leitet außerdem die Gruppe an und zeigt, wie man richtig pflanzt, sodass die Bäume "im besten Fall über 100 Jahre aushalten", so Webert.
Finanziell unterstützt wird das Projekt durch die Schweizerische Versicherungsgesellschaft Helvetia, die Stadt Bad Tölz und die Blombergbahn. Das Projekt habe laut Webert sehr viel Glück gehabt mit der Zusammenarbeit und der Unterstützung. "Es ist für die Jugendlichen auch nicht alltäglich, mit der Seilbahn zur Arbeit zu fahren", sagt Webert schmunzelnd. "Und mit der Sommerrodelbahn wieder runter", fügt Fischle hinzu.
