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Bad Tölz:Altbau mit Überraschungen

Stefan Oettl

Stefan Öttl vom Bauamt der Stadt Bad Tölz hat viel zu tun mit der Sanierung der städtischen Turnhalle auf der Flinthöhe.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die Sanierung der Turnhalle auf der Flinthöhe dauert länger und wird teurer als geplant.

Eine Altbausanierung birgt immer Überraschungen - egal, ob es um ein Haus oder eine Sporteinrichtung geht. Bauleiter Stefan Öttl von der Abteilung Hochbau der Stadt Bad Tölz weiß das nur zu gut. "Von der Organisation ist die Sanierung der städtische Turnhalle auf der Flinthöhe unser derzeit aufwendigstes Projekt", sagt er bei einer Begehung der Baustelle. Das hat Auswirkungen auf die Kosten: Die Sanierung wurde mit zwei Millionen Euro veranschlagt. Im Zuge der Arbeiten stellte sich allerdings heraus, dass die Stahlbetonträger ertüchtigt werden mussten. Ebenso läuft momentan die Prüfung, ob die Stahlkonstruktion des Daches den Sicherheitsstandards entspricht.

Die circa 1000 Quadratmeter große Halle ist Teil der ehemaligen Flintkaserne. Diese wiederum wurde, ehe sie die US Army nach Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm, 1936 als SS-Junkerschule erbaut. Damals habe man noch andere Materialien verwendet, erklärt Öttl. So habe sich gezeigt, dass die Armierung der Stahlbetonträger im Halleninneren einwandfrei sei, aber der Beton bröckle. Er sei erneuert worden. Fraglich sei, ob die Stahlkonstruktion des Daches bei Feuer nicht schmelzen werde. Ebenfalls ein Thema ist die Schneelast. 1936 habe man noch nicht mit 300 Kilogramm pro Quadratmeter gerechnet, sagt der Bauleiter. Die Prüfung laufe. All dies mache die Sanierung teurer. Die Kosten sind die eine Sache, der Zeitplan eine andere: Vier Wochen hätten man wegen der zusätzlichen Arbeiten verloren. Öttl geht davon aus, dass die Turnhallen-Sanierung im April 2017 abgeschlossen ist.

Auch fanden die Bauarbeiter das ein oder andere, was auf Plänen nicht zu sehen war: An einem Ende der Einfachhalle ist der Boden vertieft. Hier befand sich eine Sandgrube, die als Weitsprunganlage genutzt wurde, aber auch bei den Amerikanern von Fallschirmspringern. Dort konnten sie aus vier bis fünf Metern Höhe das Springen und Landen ohne Schirm üben. Ein durchgehender Lüftungsschacht musste zugemauert werden. Sonst könnten keine Basketballnetze oder ähnliches montiert werden, so Öttl. Die fast bodentiefen Fenster wurden verkleinert. So hofft die Stadt, sich eine extra Verschattung sparen zu können. Gelüftet wird die Halle über die Fenster. Kohlendioxid-Sensoren zeigen an, wann Frischluft in das Innere gelassen werden muss.

Im Mai dieses Jahres begannen die Arbeiten - zunächst mit einer Schadstoffsanierung. Wie üblich in amerikanischen Armee-Einrichtungen war auch in den Wänden der Turnhalle Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) zu finden, ein Insektizid, das zur Desinfizierung verwendet wurde. Der gesamte Putz musste abgeschlagen werden. Im Hallenboden wurde Blei gefunden.

Die Stadt hatte sich entschieden, die Halle als Einfachturnhalle herzurichten, weil sonst ein zweiter Zu- und Ausgang hätte gebaut werden müssen. Die Halle ist nach Fertigstellung für Fußball, Basketball, Volleyball und Badminton geeignet. Er habe vermehrt Anfragen wegen Akrobatik, erklärt Öttl. Ob die spezielle Ausstattung hierfür eingebaut werden könne, müsse noch untersucht werden. Nicht nur in der Halle wird gebaut, alle Umkleiden werden künftig ein Stockwerk tiefer zu finden sein. Dafür erhält die Sauna zusätzliche Sanitäranlagen. Strom, Wasser und Heizung sind erneuert.