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Bad Tölzer Politik:Ein Hauch von Nizza

Bad Tölz in der Abenddämmerung, 2011

Einheitlich und energiesparend, insektenfreundlich und warm, so soll die Innenstadt von Bad Tölz in Zukunft erleuchtet werden.

(Foto: Manfred Neubauer)

Tölzer Stadträte stimmen neuem Lichtkonzept für die Innenstadt zu

Von Klaus Schieder, Bad Tölz

Bad Tölz soll schöner leuchten. Und nicht nur dies: Die Stadt soll nachts in ein Licht getaucht sein, das nur noch wenige Insekten anlockt, einheitlich und energiesparend ist, mehr Aufenthaltsqualität bietet und Lichtverschmutzung vermeidet. Ein entsprechendes Konzept für die Salzstraße, die ganze Altstadt und den Eingang zum Kurviertel mitsamt der Badstraße haben die Tölzer Stadträte im Bau- und Stadtentwicklungsausschuss am Dienstagabend einstimmig gebilligt. Geprüft werden soll auf Antrag von Anton Mayer (CSU) auch, ob die neue Beleuchtung noch für das Gebiet rund um die Kirche im Ortsteil Ellbach in Frage kommt. Die Anwohner werden an den Kosten nicht beteiligt, wie Bauamtsleiter Christian Fürstberger sagte. "Das wird aus Steuermitteln bezahlt."

Die neue Lichtgestaltung wurde im Zuge des "Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts" (ISEK) in Auftrag gegeben. Professor Michael König aus München sollte das Konzept ursprünglich schon im März präsentieren, was wegen des Corona-Lockdowns damals jedoch verschoben werden musste. Bad Tölz wird an vielen Stellen im Zentrum bislang von sogenannten Hillebrand-Leuchten illuminiert. Einzigartig sei die Tölzer Form, "wir planen einen Neuaufbau in gleicher Formensprache", sagte Professor Schmidt. Vorgesehen sind nicht etwa Straßenlaternen, sondern Wandleuchten an den Häusern, die senkrecht nach unten strahlen. Außerdem sollen die Unterseiten der Dächer indirekt beleuchtet werden, besonders in der Marktstraße werden so die großen Giebel in Licht getaucht. Am Eingang zum Badeteil könnte Schmidt zufolge dadurch "ein Hauch von Nizza" entstehen.

Das Licht selbst soll mit 2700 Kelvin von der Farbtemperatur her einen "sehr warmen Ton" bekommen, wie der Münchner Lichtplaner erläuterte. Nicht alle neuen Lampen werden senkrecht nach unten leuchten, bei manchen fällt der Strahl auch schräg zu Boden, um die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen. Zum Beispiel auf der Isarbrücke: "Der Weg muss dort gut ausgeleuchtet sein." Insgesamt wolle man die Beleuchtung in Bad Tölz "stärker nach oben, gleichmäßiger und wärmer" gestalten, resümierte Schmidt.

Josef Steigenberger (CSU) warnte davor, "die Nacht zum Tage zu machen", wies allerdings darauf hin, dass die schönen Fresken und Lüftlmalereien an den Hausfassaden in der Marktstraße nicht im Halbdunkel verschwinden sollten. Dies habe man noch nicht weiter betrachtet, erwiderte Münchner Professor. Derzeit sei es fast nur das Licht der Schaufenster, das die Marktstraße erhelle. Michael Lindmair (FWG) freute sich, das die Hillebrandlampen als Basis für die Weiterentwicklung der Straßenbeleuchtung dienten. Er forderte allerdings mit Blick auf die indirekt angestrahlten Giebel, auf einheitliches Bild in der Fußgängerzone zu achten, da die Häuser nun einmal unterschiedlich viele Fenster hätten. Man könne zum Beispiel mit kleinen Punktleuchten arbeiten, erklärte Schmidt. "Das kann man optimieren." Wichtig sei, mit der Illumination bis zur Auskragung der Dächer keine Lichtverschmutzung zu bewirken. "Es soll so sein, dass man noch die Sterne beobachten kann."

Um die Hausbewohner im Stadtzentrum sorgte sich CSU-Stadtrat Mayer. Der Grund: Das Licht sollte nicht störend in ihre Schlafzimmer fallen. Um dies zu verhindern, ist es Schmidt zufolge möglich, spezielle Blenden in die Lampen einzubauen, die den Lichtstrahl steuern können. "Es ist auf jeden Fall das Ziel, zu vermeiden, dass das Licht in die Schlafzimmer fällt." Das sei ein "klares No go".

Nach den Kosten und nach dem Zeitplan erkundigte sich Karsten Bauer (CSU). Die lägen kaum über jenen Summen, die man ansonsten für eine Straßenbeleuchtung zahle, sagte Schmidt. Das Lichtkonzept werde auch "nicht in einem Rutsch" umgesetzt. Bauamtschef Fürstberger merkte an, dass die Stadt mit etwa 50 Prozent Förderung der Gesamtkosten rechnet. Die Planungsleistung werde über das Programm "Städtebaulicher Denkmalschutz" durch die Regierung von Oberbayern unterstützt. Mit der Umsetzung des Lichtkonzepts könnte 2021 auf dem Jungmayrplatz begonnen werden, wenn dort der Startschuss für die Neugestaltung des Altstadtteils "Im Gries" fällt. Es liege an den Anwohnern, "dass sie uns die Fassaden lassen, damit wir die Leuchten da hinbauen können", so Fürstberger.

© SZ vom 19.11.2020/van
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