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Bad Heilbrunner Politik:Sanatorium verschwindet

In die Jahre gekommen und bald abgerissen: das Kursanatorium Strauß am Abt-Walther-Weg.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Gemeinderat billigt Abriss am Abt-Walther-Weg

Von Klaus Schieder, Bad Heilbrunn

Alte Farbfotos zeigen ein schmuckes Gebäude mit Markisen an jedem Balkon, einer hübschen Auffahrt und einem überdachten Eingang, gesäumt von Blumenrabatten. Das war einmal. Schon seit etlichen Jahren ist das Kursanatorium Strauß in Bad Heilbrunn geschlossen und verfällt zusehends. Die Markisen hängen verblasst herab, hinter der gläsernen Eingangstür stehen aus der Mode gekommene Sessel und Tische durcheinander, auf der Auffahrt breiten sich langsam Pflanzen aus. Das alte Sanatorium mit Hallenbad am Abt-Walther-Weg wird nun abgerissen. Dies beschloss der Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstagabend im Kursaal ohne Gegenstimme.

Im September 2018 hatte Eigentümer Christian Strauß das Gebäude an den Statiker Wolfgang Kling aus Penzberg verkauft, dem die benachbarte Leonardis-Klinik gehört. Allerdings hatte sich die Gemeinde schon 2013 über eine Sanierungssatzung ein Vorkaufsrecht für diverse Grundstücke im Ortskern gesichert, darunter auch für das Sanatorium am Abt-Walther-Weg. Vor knapp zwei Jahren kaufte sie dann Kling das leer stehende Gebäude für rund vier Millionen Euro ab. Die Kosten für den Abbruch bezifferte Gründl im Gemeinderat auf etwa 600 000 Euro. Allerdings rechnet der Bürgermeister mit bis zu 60 Prozent staatlichen Zuschüssen aus dem Fördertopf Dorferneuerung. Die können jedoch erst beantragt werden, wenn die Gemeinde den Abriss an ein Unternehmen vergeben hat. Wie Andreas Mascher, Geschäftsleiter der Gemeinde, mitteilte, werde man "drei Büros anfragen, die sich mit Abbrucharbeiten auskennen". Außerdem benötige man eine Schadstoffbegutachtung des ehemaligen Kursanatoriums durch den TÜV. Sobald all dies geschehen ist, soll der Gemeinderat nochmals über die Kosten abstimmen.

Ob denn der Haushalt eine Ausgabe von circa einer Viertelmillion Euro angesichts der finanziellen Folge durch die Corona-Krise hergebe, wollte Norbert Deppisch (Grüne) wissen. Das werde "bestimmt spannend", erwiderte der Bürgermeister. Wegen zahlreicher Handwerksbetriebe in Bad Heilbrunn werde die Gewerbesteuer vermutlich nicht so stark einbrechen wie befürchtet, "momentan ist es okay". Ähnlich sehe es mit dem Anteil an der Einkommenssteuer aus. Dies gelte aber nur für dieses Jahr. Konrad Specker (Freie Wähler) forderte, die Abbrucharbeiten so kurz wie möglich zu gestalten, damit der nahe Kindergarten nicht so stark beeinträchtigt werde. Das werde man dann mit dem beauftragten Büro diskutieren, so Gründl. "Ein Abbruch dauert vier bis sechs Wochen." Was auf dem Areal entstehen soll, ist noch unklar. "Jetzt reißen wir erst einmal ab", sagte Gründl.

© SZ vom 11.02.2021
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