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Käsefehde:Nachbarin darf kein Stinkeschild mehr kleben

Wolfgang Hofmann vom Tölzer Kasladen liebt Käse. Die Nachbarn über seinem Geschäft dagegen fühlen sich vom Geruch belästigt.

(Foto: Harry Wolfsbauer)
  • Im Streit um unangenehme Gerüche aus dem Tölzer Kasladen in Bad Heilbrunn hat das Landgericht München II am Dienstag teils dem Ladeninhaber und teils der Nachbarin recht gegeben.
  • Die Geruchswarnschilder seien eine gezielte Attacke gegen den Tölzer Kasladen. Solche Angriffe müssen die Anwohner in Zukunft unterlassen.
  • Sich öffentlich über die Geruchsbelästigung aufregen oder sagen, dass es im Haus stinkt - das dürfen die Nachbarn dagegen auch weiterhin.

Es eine Käsefehde zu nennen, wäre nicht übertrieben. Wolfgang Hofmann, der Chef des Tölzer Kasladens, nennt es sogar Nachbarschaftsterror. Weil sich Hausbewohner durch den Käsegeruch gestört fühlen, haben sie an den Schaufenstern des Ladens in Bad Heilbrunn immer wieder Aufkleber befestigt. Darauf zu sehen: eine zugehaltene Nase in einem Warndreieck. "Das ist absolut geschäftsschädigend", sagt Hofmann. Die Reputation seines Ladens sei dadurch stark beschädigt worden.

Das Landgericht München II gab Hofmann am gestrigen Dienstag recht. Die Geruchswarnschilder seien eine gezielte Attacke gegen den Tölzer Kasladen. Solche Angriffe müssen die Anwohner in Zukunft unterlassen. Sich öffentlich über die Geruchsbelästigung aufregen oder sagen, dass es im Haus stinkt - das dürfen die Nachbarn dagegen auch weiterhin. Dabei handle es sich nicht um eine rechtswidrige Schmähkritik, befand das Gericht. Denn dass es in einem Haus, in dem im Erdgeschoss große Mengen Käse gelagert werden, auch entsprechend riecht - das sei nur eine Darstellung von Tatsachen.

Mit dem Verbot der Warnaufkleber ändert sich freilich nichts an der Nutzungsuntersagung. In einem anderen Verfahren streiten Hofmann und seine Nachbarn nämlich seit 2017 darüber, ob der ehemalige Supermarkt überhaupt als Käseladen betrieben werden darf. Ein Einspruch gegen die Nutzungsuntersagung liegt derzeit beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof. Ungeachtet des Ausgangs sucht Hofmann indes schon nach einem Alternativstandort. Er habe mittlerweile einen alten Bauernhof ganz in der Nähe in Aussicht, sagt der Chef des Tölzer Kasladens. Er wolle in der Umgebung bleiben, alleine schon wegen der Mitarbeiter. Die Suche sei allerdings alles andere als einfach gewesen, so Hofmann. Durch die Aufkleber-Aktion habe der Ruf seines Ladens empfindlich gelitten. "Jetzt denken alle: Um Gottes willen, da kommt der Kasladen - und der wird alles vollstinken."