Gesamtkosten von 25 Millionen Euro:Bad Heilbrunn bekommt ein neues Zentrum

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Gesamtkosten von 25 Millionen Euro: Ein kleiner Komplex mit Ärztehaus, Apotheke und Café soll auf dem Schotter-Parkplatz vom St.-Kilian-Platz entstehen, schräg gegenüber vom Rathaus.

Ein kleiner Komplex mit Ärztehaus, Apotheke und Café soll auf dem Schotter-Parkplatz vom St.-Kilian-Platz entstehen, schräg gegenüber vom Rathaus.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Gemeinde plant eine Ortsmitte mit Ärztehaus, Apotheke und Café am St. Kilians-Platz, einem neuen Kindergarten und einer Reihe von teils geförderten, teils frei finanzierten Wohnhäusern. Der Baubeginn soll 2024 sein.

Von Klaus Schieder

Nach Jahrzehnten des Streits, der Gerichtsprozesse, der Planung und der Bürgerforen packt die Gemeinde Bad Heilbrunn jetzt ihr Großprojekt an: Die Ortsmitte wird mit einem Kostenaufwand von rund 25 Millionen Euro neu gestaltet. Neben einem kleinen Zentrum mit Ärztehaus, Apotheke und Café am St.-Kilians-Platz und dem neuen Kindergarten Himmelszelt am Malachias-Geiger-Weg sind auch eine Reihe von Miet- und Eigentumswohnungen geplant, die teils preisgünstig, vorwiegend aber auf dem freien Markt angeboten werden sollen. Als Grund dafür nennt Bürgermeister Thomas Gründl (CSU), dass der kleine Kurort ein so großes Vorhaben nicht selbst stemmen könne. "30 Prozent an bezahlbarem Wohnraum wird es in der Ortsmitte geben, aber an anderer Stelle müssen wir hochpreisig sein", sagt er.

Der Vorteil ist für Gründl, dass die Gemeinde einen Großteil der Flächen in der eigenen Hand behält und teils über Erbbaurecht vergibt. Außerdem entsteht das neue Zentrum nun nicht mehr scheibchenweise, sondern "in einem Paket", wie er sagt. Der von den Architektinnen des Büros "Lemm Locke Lührs" aus Berlin entworfene und inzwischen modifizierte Plan sieht folgendermaßen aus: Am St.-Kilians-Platz - gegenüber vom Hotel - sind drei Neubauten mit Arztpraxen, Apotheke und Café im Parterre, dazu Wohnungen in den Obergeschossen geplant. Unten gibt es eine Tiefgarage, oben einige Stellplätze. Im Eck zwischen Badstraße und Malachias-Geiger-Weg sieht die Gemeinde geförderte Mietwohnungen in zwei Häusern vor. Danach folgen zwei weitere Wohngebäude am Malachias-Geiger-Weg, die auf dem freien Markt angeboten werden, am Ende steht dort der neue Kindergarten Himmelszelt, der von der evangelischen Kirchengemeinde getragen wird. Der Grünstreifen mit den Alleebäumen bleibt erhalten. Südlich davon - zum Parkweg hin - sind teils geförderte, teils frei finanzierte Eigentumswohnungen (je drei Anlagen auf den Arealen "Anger 1" und "Anger 2") vorgesehen. Hinzu kommen noch vier Doppelhaushälften.

Gesamtkosten von 25 Millionen Euro: "Wir mussten aber auch wirtschaftlich denken", sagt Bürgermeister Thomas Gründl zum Verkauf von Grundstücken für die neue Ortsmitte auf dem freien Markt.

"Wir mussten aber auch wirtschaftlich denken", sagt Bürgermeister Thomas Gründl zum Verkauf von Grundstücken für die neue Ortsmitte auf dem freien Markt.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Dazu präsentieren Gründl und Wirtschaftsmediator Wilhelm Weissbecker, der die Gemeinde berät, eine ganze Menge Daten: Der Bebauungsplan fürs neue Zentrum umfasst eine Gesamtfläche von 37 300 Quadratmetern, davon werden 17 530 Quadratmeter bebaut. Hinzu kommen Erschließungsflächen für Straßen, Wege und Plätze von 9210 Quadratmetern. Am St.-Kilians-Platz sind 1001 Quadratmeter für Gewerbe, 2006 Quadratmeter für frei finanzierte und 860 Quadratmeter für geförderte Wohnungen reserviert. Am Anger 1 sollen 1295 Quadratmeter frei finanziert und 555 Quadratmeter gefördert werden. Am Anger 2 gibt es 528 Quadratmeter geförderten und 1232 Quadratmeter frei finanzierten Wohnraum. Noch zwei Zahlen, die dem Bürgermeister wichtig sind: Im Besitz der Gemeinde bleiben 63,56 Prozent der Fläche, verkauft werden 36,44 Prozent. "Wir haben uns intensiv Gedanken gemacht, die Ortsmitte auch für die Einheimischen so gut wie möglich zu erarbeiten und attraktiv zu machen", sagt Gründl. "Wir mussten aber auch wirtschaftlich denken."

Grundstücke werden in einem Konzeptverfahren vergeben

Das soll aber nicht heißen, dass städtische Grundstücke einfach an den Meistbietenden verscherbelt werden. Darauf weist Stadtplaner Volker Salm vom Büro "Salm & Stegen" hin. Sämtliche Areale würden nach einem Konzeptverfahren vergeben, wobei der Preis nicht die vorrangige Rolle spiele. Dabei gehe es auch um konzeptionelle Vorgaben wie die soziale Zielbindung, alters- und familiengerechtes Wohnen, um die Gestaltung der Gebäude und um energetische Fragen. Die Auswahl, so Salm, sei "wie ein Casting". Der Kaufpreis werde zu 40 Prozent berücksichtigt, die Konzepte zu 60 Prozent. Die Vergabe von Grundstücken im Erbbaurecht sei für die Kommune "sehr attraktiv, weil damit eine langfristige Zielbindung umgesetzt werden kann". Wirtschaftsmediator Weissbecker rechnet damit, dass in der neuen Ortsmitte zwischen 86 und 96 Wohnungen entstehen werden - "je nach Schnitt".

Gesamtkosten von 25 Millionen Euro: Bis zum Neubau am Malachias-Geiger-Weg ist der Kindergarten Himmelszelt in Container auf dem ehemaligen Post-Areal untergebracht.

Bis zum Neubau am Malachias-Geiger-Weg ist der Kindergarten Himmelszelt in Container auf dem ehemaligen Post-Areal untergebracht.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Als die Gemeinde vor sieben Jahren die Grundstücke in ihrem Zentrum von Max Hoefter und der Kurfürstin Adelheid GmbH gekauft hat, musste sie dafür zehn Millionen Euro zahlen. Inzwischen belaufen sich die Schulden aus dem Verkauf auf noch 8,7 Millionen Euro. Für die neue Ortsmitte kommen auf die Kommune etwa fünf Millionen für Erschließung und Planung zu, allerdings kann sie mit gut vier Millionen an Einnahmen aus den Grundverkäufen rechnen. Hinzu kommen fünf Millionen Euro für den fünfgruppigen Kindergarten Himmelszelt, der nach dem Siegerentwurf des Architekten Sulitze Munoz aus Madrid entsteht. Dafür gebe es aber staatliche Fördermittel "von mindestens 50 Prozent", teilt Gründl mit. Am Ende rechnet er mit einem Schuldenstand für die Gemeinde von rund zwölf Millionen Euro. Bei allen aktuellen Unwägbarkeiten habe man die Zahlen "so sorgfältig wie möglich" ermittelt, sagt Weissbecker. Notfalls, ergänzt Gründl, habe die Gemeinde ja noch Flächen, die sie veräußern könne, etwa das Gelände des abgerissenen Sanatoriums Strauss oder am Zwieselhang. "Das sind Grundstücke, die entwicklungsfähig sind, das ist aus meiner Sicht alles gut fundiert und gesettelt", so Weissbecker.

Der Kindergarten soll Ende 2024 fertiggestellt sein

Wenn alles gut läuft, kann der Bau des Ortszentrums im Frühjahr 2024 beginnen, der Kindergarten soll bis Ende 2024 fertiggestellt sein. Mit Protesten aus der Bevölkerung rechnen Gründl und die beiden Berater nach all den Bürgerbeteiligungsverfahren in den vergangenen Jahren kaum noch. Die jahrelange Arbeit an der neue Mitte für den kleinen Kurort ist Weissbecker zufolge "ein gutes Beispiel dafür, wie man fraktionsübergreifend und in einem guten Konsensverfahren ein Projekt entwickeln kann". Dieser Prozess habe ihn "sehr beeindruckt", sagt er.

Ob auch noch Ruhe in der Bürgerschaft herrscht, wenn erst einmal die Bagger und Baulaster anrücken, bleibt indes abzuwarten. Wie sich die Baustellen auf den Verkehr in Bad Heilbrunn auswirken, ist derzeit noch unklar. Ein Vorteil sei, dass sie von zwei Seiten aus, allerdings nicht über die neu gebaute Birkenallee angefahren werden können, meint Gründl. Das Großprojekt werde im Wortsinn viel Staub aufwirbeln. "Aber damit bekommen wir das, was wir uns immer gewünscht haben: eine belebte Ortsmitte."

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