Jahrzehntelang herrschte im Ortskern von Bad Heilbrunn Stillstand, nun geht alles ganz schnell: Erst im Herbst war Spatenstich auf der Großbaustelle gegenüber dem Rathaus, jetzt wachsen an den ersten drei Häusern im Zentrum des Areals die Wände in die Höhe. Rohbau und Dachstuhl von Haus 3 sind bereits fertig. „Wir stehen hier auf dem neuen Dorfplatz, wo Wasser plätschern und es hoffentlich mal ein Café geben wird“, sagte der leitende Architekt Uwe Mertens kürzlich beim Richtfest.
Rund 50 Millionen Euro investiert der Projektentwickler Denkmalneu in die Ortsmitte. Es sei „eines der bedeutendsten Quartiersprojekte der Region“, erklärte Antonios Levkadinos, operativer Geschäftsführer der Denkmalneu-Gruppe, die auch für die Entwicklung des Moraltareals in Bad Tölz verantwortlich zeichnet. Etwa 150 Wohn- und Gewerbeeinheiten werden in der Ortsmitte von Bad Heilbrunn entstehen, die alle bereits verkauft sind. Ende 2027 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.
An kritischen Stimmen während der Planung habe es nicht gemangelt, erklärte Architekt Mertens. „Zu hoch, zu groß, zu breit“ – das habe er oft gehört. Aber es brauche einfach ein bisschen Geduld. „Da entsteht etwas, von dem ich nur sagen kann: Die Gemeinde wird sich freuen“, betonte der Architekt.
Zu den Kritikern gehört Bürgermeister Michael Herrmann (BVH), der das Großprojekt von seinem Vorgänger Thomas Gründl (CSU) geerbt hat, der im Frühjahr überraschend abgewählt wurde. Herrmann hat im Wahlkampf keinen Hehl daraus gemacht, dass er die Bebauung der Ortsmitte für viel zu massiv hält. In seiner Rede beim Richtfest wählte er versöhnliche Töne: Bei Projekten dieser Größenordnung gebe es naturgemäß „unterschiedliche Sichtweisen“. Er wolle vergangene Debatten nun nicht fortführen, sondern das Verbindende herausstellen. „Das gemeinsame Ziel, dass Bad Heilbrunn eine gute Zukunft hat.“

Die neue Mitte kostet viel Geld und wird den Ort mit seinen knapp 4000 Einwohnern verändern; es entsteht aber neuer Wohnraum und ein Zentrum, das für Belebung sorgen soll. Auf dem Areal am St.-Kilians-Platz werden sieben Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 137 Wohnungen zwischen 30 und 90 Quadratmetern gebaut. Alle Wohnungen und die vier Doppelhäuser am Malachias-Geiger-Weg sind bereits verkauft. An „Selbstnutzer“ oder Kapitalanleger, alle Doppelhäuser und etliche Wohnungen an Einheimische, erklärte Mertens. Die Flächen in den Erdgeschossen der drei Mehrfamilienhäuser in Baufeld 1 hat die Gemeinde von der Denkmalneu-Gruppe gekauft und verpachtet sie als Apotheke und Arztpraxen. In Haus 1 ist außerdem ein „Aparthotel“ mit bis zu zwölf rund 30 Quadratmetern großen Appartements samt Küchenzeile geplant, etwa für Handwerker oder Klinikpersonal. In der Tiefgarage, auf dessen Dach der neue Platz entsteht, gibt es 100 Parkplätze für die Bewohner plus 140 oberirdische Stellplätze.
Im östlichen Teil des Grundstücks baut die Lenggrieser Baugenossenschaft ein Mehrfamilienhaus mit weiteren 73 Wohnungen. Sie entstehen neben dem Kindergarten „Himmelszelt“, der bereits weitgehend fertig ist und Platz für 100 Kinder bietet. Die Gemeinde ist Bauherrin, die evangelische Kirchengemeinde Trägerin der Kita. Die ersten drei Gruppen werden laut Bürgermeister Herrmann nach den Herbstferien aus den Containern an der Badstraße in den Neubau umziehen.

Herzstück der Außenflächen der neuen Mitte, die ebenfalls von der Gemeinde bezahlt werden, ist ein ellipsenförmiger Brunnen, der sich an die Straßenführung anpasst. Auch die Gebäude, die alle zwei Stockwerke plus Dachgeschoss haben, fügen sich in Höhe und Gestaltung in die Umgebung ein; mit entsprechender Dachform, Gauben, Erker, Fensterumrahmungen. Die Visualisierung zeigt ein urbanes Zentrum, Holzelemente sind nicht vorgesehen. Bad Heilbrunn sei ja schließlich kein Dorf, sagt Architekt Michael Richter, sondern ein Kurort. Der Brunnen sei eine Reminiszenz an die Historie des Ortes.
Die neue Mitte entsteht dort, wo früher das Kurhotel stand und Gäste in der angrenzenden Wandelhalle Trinkkuren mit Jodwasser aus der Adelheidquelle machten. Das Anwesen samt Brunnen gehörte der Kurfürstin Adelheid GmbH, die das Hotel im Jahr 1982 schloss, weil mit Kuren und Tourismus in Bad Heilbrunn kein Geld mehr zu verdienen sei, so die Begründung. Als die Gemeinde im Jahr 2010 in einem Bebauungsplan kein reines Wohngebiet, wie von der Eigentümerfamilie Hoefter gewünscht, sondern ein Mischgebiet auf den Weg brachte, eskalierte der Streit. Max Hoefter ließ Fenster und Türen des Hotels mit schwarzen Kreuzen vernageln. „Ein Schandfleck“ sei das gewesen, erinnert sich Architekt Mertens, der seit über 50 Jahren in der Gemeinde wohnt.

Erst 2015 gelang es dem damaligen Bürgermeister Thomas Gründl, das Grundstück zu kaufen. Zehn Millionen Euro investierte die Gemeinde, die das Darlehen außerhalb des Haushalts über einen Geschäftsbesorgungsvertrag mit der Bayerngrund abwickelt. Aktuell sind noch 8,8 Millionen Euro Restschulden übrig. Für die drei Erdgeschossflächen hat die Gemeinde drei Millionen Euro eingeplant, für den neuen Kindergarten rund 4,3 Millionen, abzüglich 40 Prozent Förderung. Große Investitionen, die auch den Schuldenstand der Kommune in die Höhe treiben, der zurzeit bei rund zwölf Millionen Euro liegt. Bad Heilbrunn sei finanziell klamm, wie die allermeisten Kommunen in Bayern, sagte Bürgermeister Herrmann. „Aber es wäre falsch, nicht zu investieren.“

