Kommunalwahl in Bad HeilbrunnPlötzlich Bürgermeister

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Michael Herrmann ist Geschäftsleiter in mehreren Kommunen gewesen, von Mai an leitet er als Bürgermeister die Geschicke von Bad Heilbrunn.
Michael Herrmann ist Geschäftsleiter in mehreren Kommunen gewesen, von Mai an leitet er als Bürgermeister die Geschicke von Bad Heilbrunn. Manfred Neubauer
  • CSU-Bürgermeister Thomas Gründl wurde nach 18 Jahren überraschend abgewählt, sein Herausforderer Michael Herrmann mit 54,1 Prozent der Stimmen gewählt.
  • Herrmann von der neu gegründeten Bürgervereinigung Bad Heilbrunn kritisiert die laufende Neugestaltung der Ortsmitte als überdimensioniert.
  • Der neue Bürgermeister will den dörflichen Charakter erhalten und prioritär einen Radweg nach Penzberg realisieren.
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Thomas Gründl wurde nach 18 Jahren überraschend abgewählt. Sein Nachfolger Michael Herrmann von der neu gegründeten Bürgervereinigung Bad Heilbrunn (BVH) muss nun die Gestaltung der Ortsmitte umsetzen, die er für überdimensioniert hält.

Von Petra Schneider, Bad Heilbrunn

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Am Ortseingang von Bad Heilbrunn prangt noch das große Plakat: „Thomas Gründl, euer Bürgermeister – stabil, erfahren, zukunftsorientiert“. Nun, die Wählerinnen und Wähler wollten offenkundig nicht Stabilität, sondern einen Wechsel: Am vergangenen Sonntag wurde CSU-Bürgermeister Thomas Gründl nach 18 Jahren überraschend abgewählt. Gewonnen hat Michael Herrmann, der mit der neu gegründeten Bürgervereinigung Bad Heilbrunn (BVH) einen fulminanten Start hingelegt hat. Der 45-jährige Verwaltungsfachwirt, der zurzeit als Geschäftsleiter der Verwaltungsgemeinschaft Benediktbeuern-Bichl arbeitet, holte auf Anhieb 54,1 Prozent der Stimmen.

Seine BVH ist mit 31,7 Prozent und fünf Sitzen zweitstärkste Kraft hinter der CSU. Den Wahlabend hat Herrmann als dramatisch in Erinnerung. Nach Bekanntgabe des Ergebnisses sei Gründl „seh- und spürbar erschüttert“ gewesen. Die Enttäuschung sitzt offenbar tief; eine Interviewanfrage wurde vorerst abgelehnt, Gründl sei erst wieder in zwei Wochen zu sprechen, hieß es aus dem Rathaus. Herrmann kann das nachvollziehen. „Dass man das jetzt nach 18 Jahren erst mal schlucken muss, ist klar“. Ob Gründl, der im Februar 50 Jahre alt geworden ist, sein Mandat im Gemeinderat annimmt, sei unklar.

Der Wahlkampf sei fair gewesen, betont Herrmann. Und der Wahlausgang dann eine Überraschung für sie beide. „Was er in den drei Amtsperioden gemacht hat, war nicht alles schlecht.“ Vielleicht wollten die Leute einfach „frischen Wind“. Flaute herrschte freilich unter dem scheidenden Bürgermeister auch nicht: So wurden etwa der Kreisverkehr und der große Rewe an der Tölzer Straße gebaut und im vorigen Jahr mit der Neugestaltung der Ortsmitte beim Rathaus begonnen.

Auf dem ehemaligen Hoefter-Areal entstehen nach jahrzehntelangem Stillstand sieben größere Gebäude mit Tiefgarage. In den Erdgeschossen ziehen Arztpraxen und eine Apotheke ein, mit weiteren vier Doppelhäusern entstehen so 127 Wohnungen– plus jene der Lenggrieser Baugenossenschaft, die einen Teil des Areals gekauft hat. Auch der neue Kindergarten „Himmelszelt“ für 100 Kinder wird hier gebaut. Ein Mammutprojekt, das den kleinen Ort mit knapp 4000 Einwohnern verändern wird.

Hat die begonnene Neugestaltung der Ortsmitte entscheidende Stimmen gekostet? Bürgermeister Thomas Gründl im vergangenen Jahr auf der Baustelle.
Hat die begonnene Neugestaltung der Ortsmitte entscheidende Stimmen gekostet? Bürgermeister Thomas Gründl im vergangenen Jahr auf der Baustelle. Manfred Neubauer

Womöglich zu viel Veränderung? Im Vorfeld hatte es Bürgerversammlungen und eine öffentliche Präsentation der Planungen gegeben. „Am Anfang waren die Leute dafür, dass es losgeht“, glaubt Herrmann. Aber nach Baubeginn sei vielen erst die Tragweite des Projekts bewusst geworden. Auch der neue Bürgermeister findet die Bebauung der Ortsmitte viel zu massiv. Im Wahlkampf hat er das Projekt als „vertane Chance“ kritisiert, weil vom Ursprungsgedanken, einen Dorfplatz zum Verweilen zu schaffen, nicht viel übrig geblieben sei.

Er habe bereits Kontakt zum Investor aufgenommen, sagt Herrmann. Viel ändern lässt sich freilich nicht mehr, die Kubaturen der Gebäude stünden fest. Höchstens über einzelne Nutzungen könne man noch sprechen oder über die Gestaltung der Freiflächen beim geplanten Brunnen. „Den Ort entwickeln, aber nicht überfordern“ – das sei seine Leitlinie. Der dörfliche Charakter müsse erhalten bleiben.

Kritisch sieht Herrmann Überlegungen, auf dem Areal des ehemaligen Kursanatoriums Strauß am Abt-Walther-Weg ein Hotel zu bauen. „Brauchen wir wirklich noch ein Hotel?“ Zuerst müsse doch ein langfristiges Tourismuskonzept für Bad Heilbrunn erarbeitet werden. Auf seiner To-do-Liste ganz vorn stünden dagegen Gespräche mit Grundstückseigentümern, damit der Radweg nach Penzberg schnellstmöglich realisiert werden könne.

Bei allen Projekten müssten die Finanzen im Blick behalten werden, sagt der neue Bürgermeister

Auch mit dem Thema Energiewende müsse man sich auseinandersetzen; eine kommunale Wärmeplanung sei immerhin bereits beauftragt. Was auf dem Gelände der bereits abgerissenen Gärtnerei Holzmann geschieht, das an einen einheimischen Investor verkauft wurde, sei noch nicht bekannt. Bei all den Projekten müssten die Finanzen im Blick behalten und dringend ein Kassensturz gemacht werden.

Der neue Bürgermeister, der mit der Tölzer Wirtschaftsförderin Sandra Herrmann verheiratet ist und zwei Töchter hat, bringt Erfahrung in der Verwaltung mit: 15 Jahre lang arbeitete er als Geschäftsleiter in verschiedenen Gemeinden, darunter zehn Jahre lang in Bad Wiessee. Er sei bei allen Entscheidungen der jeweiligen Bürgermeister eingebunden gewesen. „Ich habe mir schon länger gewünscht, selbst an der Spitze zu stehen“, sagt der passionierte Jäger. Das sei nun gelungen „und macht mich stolz und demütig“.

Dass im Bad Heilbrunner Gemeinderat nicht nur CSU, BVH, Freie Wähler und Grüne vertreten sind, sondern auch ein AfD-Rat, sieht Herrmann pragmatisch. Niemand im Ort kenne den Mann. Aber der sei nun mal gewählt und aufgerufen, „konstruktiv mitzuarbeiten“.

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