Babar, der Elefant, ist ein Held und ein etwas in Vergessenheit geratener Klassiker der Kinderbuchliteratur. Der Konzertverein Isartal hat den kleinen Elefanten nun wiederbelebt in Zusammenarbeit mit Kindern der "Klecks"-Schule der Phantasie in Wolfratshausen. Im pantomimischen Spiel agieren sie souverän auf der Bühne der Loisachhalle und werden dabei professionell begleitet von Henri Bonamy am Flügel mit der Originalmusik von Francis Poulenc und dem BR-Sprecher Benedikt Schregle.
Zum ersten Mal taucht Babar in Jean de Brunhoffs Buch "L'Histoire de Babar" von 1931 auf. Die Geschichte hatte sich seine Frau Cécile für ihre Kinder ausgedacht. Inspiriert wurde zumindest der Name der Titelfigur durch den dressierten Elefanten Baba, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf europäischen Jahrmärkten als "schmausender Elefant" vorgeführt wurde. Was damals aus westlicher Sicht als exotisch und fremd wahrgenommen wurde und in die städtische Kultur integriert werden musste, hat sich heute in der Rezeption verändert: Babar muss wie andere Wildtiere auch in seiner natürlichen Umgebung geschützt werden. Nicht die Stadt mit ihrer Urbanität und ihren Annehmlichkeiten ist erstrebenswert, sondern die Heimkehr in die Natur des Urwalds und die Geborgenheit in der Herde.
Die Geschichte geht ursprünglich so: Nach der Ermordung seiner Mutter durch Jäger landet Babar in einer Stadt. Dort nimmt ihn eine alte Frau unter ihre Fittiche und erzieht ihn wie ein Menschenkind. Als junger Mann kehrt er in den Urwald zurück. Da der alte König der Elefanten an einer Pilzvergiftung gestorben ist, nimmt Babar dessen Platz ein. Er macht seine Cousine Celeste zur Königin und gründet die Stadt Celesteville, wo die Elefanten nach dem Vorbild der menschlichen Zivilisation leben.
In der Fassung des Kindertheaters in der Loisachhalle ist es ganz anders. Da feiern die Elefanten Babars Rückkehr mit einem Fest und werden dann unter dem überwältigend schönen Sternenhimmel im Dschungel wieder Teil der Natur.
Die Kinder im Vorschul- und Grundschulalter im Publikum verfolgen konzentriert das Spiel auf der Bühne: Was machen die Kinder da vorne, die etwa gleich alt oder nur wenig älter sind als sie selbst? Bühnenbild und Kostüme haben sie selbst entworfen und umgesetzt. Während die Klaviermusik die einzelnen Szenen von Babars Geschichte in Töne umsetzt, mal traurig und wehmütig, dann wieder heiter und ausgelassen, sind die jungen Schauspieler zugleich auch Bühnenarbeiter und Maskenbildner.
Alena Bischoff, Studentin der Sozialen Arbeit und aktuell Projektmanagerin des Sonderkonzerts für Kinder, hat die Regie und Einstudierung mit den zehn Mädchen und Buben der Schule der Phantasie übernommen. Zusammen mit ihrem Kommilitonen Leon Inkofer, der auch neuer Praktikant in der "Klecks"-Schule ist, hat sie elementare Fragen einer Theaterproduktion aufgeworfen. Die Kinder haben dabei offenkundig nicht nur viel gelernt, sondern hatten auch großen Spaß.
Wie bringe ich Urwald auf die Bühne, wie Stadt? Wie bastelt man eine Palme, die auch steht? Wie stellt man Gefühle dar? Wie könnten Kostüme aussehen, die aus Kindern Elefanten machen mit Rüsseln, Riesenohren und grauer Haut? Das rote altmodische Auto und die vorsintflutliche Badewanne aus Pappe in Babars neuem schicken Stadtleben haben sicher viel Arbeit gemacht, sie kommen aber auch wirklich sehr lustig rüber.
Die gesamte Bühnentruppe darf stolz sein auf ihre Leistung, ein großer Dank gebührt zudem dem Ehepaar Lackner als (Mit-)Organisatoren dieses Sonderkonzerts in der Reihe Klassik Pur. Die klassische Originalmusik von "Babar" und auch die Auszüge aus "Karneval der Tiere" von Camille Saint-Saëns dürften allenfalls vage in das kindliche Unterbewusstsein eingedrungen sein. Das Stück aber gefällt. Einhellige Meinung: Super!
Mikkel, vier Jahre: "Am coolsten fand ich den Jäger" (der die Elefantenmutter erschoss). Ronja, drei Jahre: "Mir hat der Schwan am besten gefallen, aber noch besser der Papagei." Zum Schluss gibt es großen Applaus von Kindern und Eltern für Babar, den kleinen Elefanten.
Eine weitere Vorstellung gibt es am Samstag, 2. Juli, in den Ratsstuben Geretsried. Beginn ist um 11 Uhr, die Karten kosten vier Euro.
