Autor und Regisseur"Mit Herzblut erzählen"

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Matthias Kiefersauer bei Dreharbeiten zu "München Mord" am Wolfratshauser Bahnhof.
Matthias Kiefersauer bei Dreharbeiten zu "München Mord" am Wolfratshauser Bahnhof. Jürgen Olczyk

Matthias Kiefersauer hat einen Sinn fürs Schräge

Interview von S. Schwaderer

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SZ: Herr Kiefersauer, Sie arbeiten seit fast 20 Jahren als Autor und Regisseur, drehen Krimis, Komödien und Liebesfilme. Wenn Sie zurückschauen: Wofür würden Sie sich einen Preis verleihen?

Matthias Kiefersauer: Genau das habe ich mich auch gefragt, als ich die Nachricht aus dem Landratsamt bekommen habe ( lacht). Es gibt ja noch keine Laudatio. Natürlich freue ich mich wahnsinnig. Ich denke, es liegt schon daran, dass viele meiner Geschichten einen Landkreisbezug haben. Ich bin ja in Waldram aufgewachsen und in Geretsried zur Schule gegangen, diese Zeit hat mich geprägt. Zugleich fühle ich mich der Gegend noch immer sehr verbunden. Vor ein paar Tagen erst war ich zum Drehen in Wolfratshausen.

Tatsächlich? Worum ging es?

Eine neue für Folge für "München Mord", eine ZDF-Serie, die total Spaß macht, weil sie eine Mischung aus Krimi und Komödie ist. In dieser Folge stellen die Ermittler den Weg des Mordopfers nach - und es fährt öffentlich. Im Drehbuch stand: Ein Ort zum Umsteigen, und da ist mir der Wolfratshauser Bahnhof in den Sinn gekommen. Mit den Gleisen und den doppelten Busbuchten ist er geradezu ideal. An diesem Abend war es dann auch noch neblig, das kam total gut.

Ein Ort zum Umsteigen - Wolfratshausen hat ja ganz ungeahntes filmisches Potenzial.

Ich habe schon öfter in Wolfratshausen gedreht und mich mit dem Blick des Filmers immer sehr wohl gefühlt. Einige Szenen für "Falsche Siebziger", eine Komödie, für die ich mit Andreas Liegl zusammen auch das Drehbuch geschrieben habe, sind in den kleinen Gassen am Ober- und Untermarkt entstanden. Da gibt es zauberhafte Winkel. Die meiste Drehzeit haben wir damals aber in Holzhausen verbracht, weil der Film in einem kleinen Dorf spielt. Dort durften wir drei Häuser belagern.

Alexander Liegl ist im Landkreis bekannt als Hausautor der Tölzer Lust. Arbeiten Sie öfter mit ihm zusammen?

Ja, alles, was Komödie ist, mache ich mit ihm. Liebesfilme hingegen, etwa für die ZDF-Reihe Inga Lindström, schreibe ich allein; die sind ihm zu kitschig.

Aber Sie schreiben sie gerne?

Ich denke, man kann jede Geschichte mit Herzblut erzählen. Mir gefällt die Abwechslung. Das Problem an der Filmbranche ist, dass sehr in Schubladen gedacht wird. Nach meinen ersten zwei Filmen, die ich auf Bairisch gedreht hatte, waren viele Leute überrascht, dass ich auch Hochdeutsch sprechen kann. Ich galt als einer der jungen bayerischen Regisseure, die zu dieser Zeit gerade hochkamen: Marcus H. Rosenmüller, Thomas Kronthaler, Stefan Betz. Mir war es wichtig zu zeigen, dass ich auch etwas anderes kann. Für die Lindström-Filme fahre ich immer im Frühsommer fünf Wochen nach Schweden, das ist wunderbar. Stockholm ist eine tolle Stadt. Aber wenn Sie mich fragen, in welchen Filmen mehr von mir drin ist, dann sind das nicht die Liebesfilme, sondern Filme wie "Baching", "Das große Hobeditzn" oder "Falsche Siebziger".

Da wären wir wieder bei der Preisfrage: Was zeichnet Sie als Regisseur und Autor aus?

Vielleicht schon mein Blick auf die Welt. Ich betrachte die Dinge gerne humorvoll, sehe das Schräge und Skurrile. Und ich liebe meine Figuren.

Wenn Sie ein Drehbuch schreiben müssten, das in Wolfratshausen spielt, welches Genre würden Sie wählen?

Tatsächlich denke ich schon länger darüber nach, einen Film über Waldram zu machen. Meine Mutter gehörte zu den ersten Kindern, die Mitte der Fünfziger Jahre mit dem katholischen Siedlungswerk nach Föhrenwald kamen. Damals löste sich gerade das DP-Lager auf. Sie hat viel erzählt aus dieser Zeit, eine Wahnsinnsgeschichte. Ich bin auch Mitglied im Badehaus-Verein und begeistert von der Arbeit, die dort geleistet wird. Noch fehlt es mir allerdings an einer Idee, wie ich daraus eine filmische Geschichte machen könnte. Darüber denke ich immer wieder nach, vorzugsweise beim Joggen.

Der Kunstpreis geht an Leute, die schon einiges erreicht haben, aber noch nicht am Ende ihres Weges stehen. Wo würden Sie gerne in 20 Jahren sein?

Ich würde mich freuen, wenn es dann noch zwei, drei Filme mehr von mir gibt, an denen sich die Leute freuen und die sie gerne noch ein zweites Mal anschauen. Und einen Film mit Josef Hader würde ich gerne noch machen.

© SZ vom 12.12.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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