Mit dem seit fast 40 Jahren geltenden Grundsatz "ein Landkreis, ein Kfz-Kennzeichen" könnte es bald vorbei sein. Zwar ist das alte Kfz-Kennzeichen WOR im Zuge der Gebietsreform von 1972 aus dem Straßenbild verschwunden. Seitdem fahren alle Fahrzeuge im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen bis auf wenige Oldtimer nur noch mit dem Nummernschild TÖL.
Doch nun unterstützt der bayerische Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) ausdrücklich die Forderung, weggefallene Ortskennungen bei Kfz-Kennzeichen auf freiwilliger Basis wieder einzuführen. Auf Bundesebene wolle er sich dafür einsetzen, hierzu entsprechende Maßnahmen auf den Weg zu bringen. Um die Vor- und Nachteile eines solchen Vorhabens abzuklären, habe sich das Ministerium, wie eine Pressesprecherin bestätigt, in einem Schreiben vom 9. März nun an die bayerischen Landkreise und Kommunen gewandt.
Nach Angaben von Georg Fischhaber, Sachgebietsleiter für Verkehr am Tölzer Landratsamt, können jetzt auch die Gemeinden des Alt-Landkreises Wolfratshausen bis zum 23. März konkrete Vorschläge äußern. Danach will das Landratsamt die Ergebnisse über die Regierung von Oberbayern an das bayerische Wirtschafts- und Verkehrsministerium weiterleiten. Allerdings ist es nach Ansicht von Fischhaber nicht so einfach, wie man es sich vorgestellt habe, will man die alten Kennzeichen wieder einführen. EDV-technisch sei es zwar unproblematisch, Mehrkosten kämen aber wohl auf den Landkreis zu.
"Es wäre eine tolle Sache, wenn wir unser altes Kennzeichen WOR auf freiwilliger Basis wieder einführen könnten", sagt der Bürgermeister von Wolfratshausen Helmut Forster (BVW). Aus seiner Sicht sei dies aus Marketinggründen eine gute Sache und stärke darüber hinaus die Identifikation mit der Stadt. Gleichzeitig betonte er aber auch, dass sich Wolfratshausen voll und ganz mit dem Landkreis identifiziere. Man wolle diesem auch nicht schaden, indem man ein eigenes Kennzeichen befürworte.
Die Bürgermeister der anderen Gemeinden des nördlichen Landkreises sind allerdings im Großen und Ganzen gegenüber dieser Idee eher skeptisch eingestellt. Michael Bromberger, Freie Wähler (FW), ist Bürgermeister von Eurasburg. Persönlich hält er es einfach für "einen Schmarrn", das alte Kennzeichen WOR wieder einzuführen. "Wer es braucht, der soll es haben, ich brauche es nicht", mehr gibt es seiner Ansicht dazu nicht zu sagen. Um seine Eigenständigkeit zu betonen, sei ein solches Kennzeichen überhaupt nicht notwendig. Schließlich habe man das Thema doch seit der Gebietsreform in den siebziger Jahren längst hinter sich gelassen. Trotzdem wolle er in der nächsten Gemeinderatssitzung ganz unvoreingenommen darüber debattieren lassen.
In ähnlicher Weise äußert sich auch der Bürgermeister von Münsing Michael Grasl (Freie Wähler). Nostalgie sei zwar schön und ein Kennzeichen WOR grundsätzlich auch eine nette Idee. Momentan gebe es aber wesentlich wichtigere Angelegenheiten, um die sich die Gemeinden seiner Ansicht nach kümmern sollten.
Das Bundesverkehrsministerium will sich nach Angaben eines Sprechers in dieser Angelegenheit ganz nach den Vorschlägen der zuständigen Verkehrsministerien der Länder richten. Wollte man auslaufende Kennzeichen tatsächlich wieder zuteilen, müsste dazu allerdings die Fahrzeugzulassungsverordnung geändert werden. Hier ist eine gemeinsame Abstimmung der Bundesländer erforderlich. Denn der Bundesrat müsse mehrheitlich zustimmen, um die Verordnung zu ändern. Erst danach könne das abgeschaffte Kennzeichen neu in den entsprechenden Landkreisen eingeführt werden.