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Ausstellung:Menschenrechte aus dem Mäppchen

Birgit Haas-Heinrich hat die Charta der Vereinten Nationen kalligrafisch umgesetzt. Im Tölzer Kunstsalon gewährt sie Einblick in ihre Arbeit.

Auf den ersten Blick wirkt die Abbildung wie eine Schnecke. Doch nähert man sich dem Werk am Eingang des Tölzer Kunstsalons, erkennt man eine geschwungene und fein säuberliche Schrift in Lila- und zarten Rosatönen. Mit einem Zirkel hat die Kalligrafin Birgit Haas-Heinrich regelmäßige Kreise gezeichnet und anschließend mit einer Bandzugfeder und einer speziellen Antiktusche einen Text geschrieben - die Präambel der Menschenrechts-Charta der Vereinten Nationen. "Das Auge wird getäuscht, das sind nur konzentrische Kreise", erklärt Haas-Heinrich. Das Werk habe sie bei einer Kunstaufführung in drei bis vier Stunden angefertigt.

Der Titel der Ausstellung lautet "Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der UN" - Haas-Heinrich setzt die 30 Artikel zu Themen wie Arbeit, Wahlen oder Asyl in rund 40 Werken kalligrafisch um. Vor zwei Jahren habe sie einen Artikel in einer Fachzeitschrift gelesen, in welcher ein Künstler zehn Artikel aus der Charta der Menschenrechte der Vereinten Nationen bearbeitet hatte. Im Gegensatz zu ihren Werken habe der Künstler sich sehr auf den Inhalt und die Leserlichkeit der Artikel konzentriert. Ihr gehe es hauptsächlich um die künstlerische Darstellung durch verschiedene Schreibstile und Schreibwerkzeuge.

Als sie sich 2014 mit der künstlerischen Darstellung der ersten Artikel beschäftigte, sei das Thema Menschenrechte "nicht so präsent wie jetzt gewesen", erinnert sich Haas-Heinrich. Einige ihrer Werke zu bestimmten Artikeln habe sie jedoch nachträglich abgeändert oder neu entwickelt. Das Bild zum Thema Asyl habe sie nach der Flüchtlingskrise im vergangenen Jahr neu konzipiert. Der schlichte schwarze Text ist von Strichen umgeben - "Stacheln", wie Haas-Heinrich sagt. Ein roter Stachel soll eine besondere Bedrohung für die Asylsuchenden darstellen. Es sei einer der Artikel, mit welchem sie sich auch inhaltlich intensiv befasst habe, sagt Haas-Heinrich, die im Hauptberuf als Projektmanagerin bei einem Pharmakonzern arbeitet. Die endgültige Fassung sei erst Mitte August fertig geworden.

Am Eingang zur Ausstellung hängt ein Federmäppchen, etwa fünfmal so groß wie das eines Schülers. Haas-Heinrich hat darin ihr Werkzeug verstaut. Neben Pinseln befinden sich darin Zahnstocher, Spritze, Pipette, Schreib- und Spitzfedern. Und Bandzugfedern. Nur eine Vogelfeder habe sie nicht verwendet, sagt sie. "Komisch eigentlich." Auf die Frage, wie sie es schafft, bei einer solch präzisen Arbeit nicht zu kleckern, erklärt die Kalligrafin: "Das sind alles nur Tricks!"

Die Ausstellung im Kunstsalon, Marktstraße 6, ist von Freitag bis Sonntag zwischen 14 und 18 Uhr geöffnet. Finissage am Samstag, 17. September, von 16 bis 18 Uhr.