BerufswahlDas schafft keine KI

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„Ich erhalte Schätze für die Nachwelt“: Nele Riefstahl macht eine Ausbildung zur Kirchenmalerin in Wolfersdorf bei Freising.
„Ich erhalte Schätze für die Nachwelt“: Nele Riefstahl macht eine Ausbildung zur Kirchenmalerin in Wolfersdorf bei Freising.
Johannes Mair
  • Rund um München sind noch mehrere Hundert Ausbildungsplätze unbesetzt und viele Jugendliche ohne berufliche oder schulische Perspektive.
  • Acht Azubis aus der Region München erzählen von ihren Traumberufen, von der Kirchenmalerin bis zum Fischwirt.
  • Die jungen Menschen schätzen an ihren Ausbildungen vor allem die Abwechslung, den Umgang mit Materialien und die praktische Arbeit.
Von der Redaktion überprüft

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Schlepper fahren, Bäume pflanzen oder Vitrinen schreinern: Acht Azubis aus der Region um München erzählen, was sie an ihrer Ausbildung schätzen.

Von SZ-Autorinnen und -Autoren, Landkreis München

SZ bei Google bevorzugen

Rund um München sind noch mehrere Hundert Ausbildungsplätze unbesetzt und viele Jugendliche ohne berufliche oder schulische Perspektive. Andere haben bereits ihren Traumberuf gefunden. Die SZ hat mit acht jungen Menschen aus acht Landkreisen gesprochen, denen ein guter Einstieg ins Berufsleben geglückt ist.

Kunstschätze erhalten

Am ersten Praktikumstag als Kirchenmalerin sei es passiert, sagt Nele Riefstahl. „Ich stand vor meiner ersten Fassade und wusste: Das ist es.“ Erhebend sei nicht nur die Fahrt mit dem Lastenaufzug gewesen. Sie durfte auch gleich mit dem Pinsel und Silikatfarbe loslegen. „Ein Traumberuf“, sagt die 22-Jährige, die in der Meisterwerkstatt von Bernd Flassak in Wolfersdorf bei Freising ihre Ausbildung macht. Derzeit arbeitet sie im prächtigen Festsaal des Bezirksklinikums Mainkofen bei Deggendorf, der eine Erfrischungskur bekommt. Was dazu nötig sei: „Ein gutes Farbgefühl, eine ruhige Hand, ganz viel Konzentration und keine Angst vor der Höhe.“ Die Arbeit als Kirchenmalerin sei voller Abwechslung, sagt sie. Natürlich gebe es auch unbeliebte Arbeiten wie Wände waschen, aber dann dürfe man sich wieder einer Aufgabe widmen, die alles wettmache: „Dann vergoldet man etwas oder retuschiert eine alte Holzfigur.“ Die Arbeit mit jahrhundertealten Kunstwerken habe einen ganz eigenen Reiz. „Es ist schön zu sehen, mit wie viel Liebe früher gearbeitet wurde. Ich erhalte diese Schätze für die Nachwelt. Das macht mich glücklich.“ stsw

Im Landkreis Freising gibt es 329 unbesetzte Ausbildungsplätze und 203 Suchende. Alle Zahlen stammen aus Berichten der Agentur für Arbeit vom Juli 2026.

Schokoladenformen bauen

„Da hat es mir sofort am besten gefallen“: Benedikt Godenberg lässt sich bei Hans Brunner in Glonn zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik ausbilden.
„Da hat es mir sofort am besten gefallen“: Benedikt Godenberg lässt sich bei Hans Brunner in Glonn zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik ausbilden.
Privat

Benedikt Godenberg aus Grafing hat sich einen Beruf ausgesucht, „den definitiv nicht jeder macht“: Der knapp 18-Jährige arbeitet bei Hans Brunner in Glonn, einem Hersteller von Schokoladenformen. Osterhasen, Nikoläuse und viele Figuren mehr erhalten hier ihr Design. Godenberg lässt sich ausbilden zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik. Ein solcher plant, steuert und überwacht die industrielle Herstellung von Bau- oder Formteilen aus Polymeren. „Ich habe verschiedene Praktika gemacht, aber bei Brunner hat es mir sofort am besten gefallen“, sagt er. Das Team, die Technik: All das habe ihn überzeugt. Einziger Nachteil der Ausbildungsstätte sei bislang deren Lage gewesen. „Die Frühschicht beginnt um sechs Uhr, aber da fährt natürlich noch kein Bus von Grafing nach Glonn.“ Deswegen hätten seine Eltern ihn zwei Jahre lang jeden Morgen zur Arbeit chauffieren müssen. Aber das ist bald vorbei: „Ende August feiere ich endlich meinen 18. Geburtstag.“ Dann beginnt das dritte Lehrjahr, und er ist sich jetzt schon sicher, dass er den Schokoformen auch danach treu bleiben wird. abl

Landkreis Ebersberg:  337  unbesetzte Ausbildungsplätze, 174 Suchende. 

Bäume pflegen

„Gießen ist derzeit das Allerbeste“: Cayo Reith aus Königsdorf im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen versteht sich auf  Bäume.
„Gießen ist derzeit das Allerbeste“: Cayo Reith aus Königsdorf im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen versteht sich auf  Bäume.
Stephanie Schwaderer

Draußen sein und körperlich arbeiten, das waren für Cayo Reith die wichtigsten Kriterien bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. „Den ganzen Tag sitzen, das pack’ ich nicht“, sagt der 21-jährige Königsdorfer. In der Baumschule Fellner in Ascholding hat er nach mehreren Praktika seinen Platz gefunden. Pflanzen, Schneiden, Radlader fahren und – bei Hitze das Allerbeste – Gießen. All das mache ihm Spaß, sagt er. Jeder Baum, jeder Strauch habe seine eigenen Bedürfnisse. Das zu verstehen, sei interessant. Auch im Hinblick auf den Klimawandel. „Welche Bäume müssen in Städten wo gepflanzt werden, damit wir mit den Temperaturen klarkommen?“ Nach seinem ersten Lehrjahr sieht er nicht nur Apfel, Birne und Zwetschge mit neuen Augen. An die Stadt Wolfratshausen habe sein Betrieb unlängst auch Tulpenbäume und den Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch geliefert: „Der ist wunderschön, zierlich und hat sieben Blütenstände.“ Nach der Ausbildung will Cayo Reith einige Zeit in Italien arbeiten – „dort sind Baumschulgärtner gefragt“ – und dann eine Fortbildung zum Baumpfleger machen: „Im Seil hängend mit der Kettensäge in der Hand, das würde mich schon reizen.“ stsw

Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen: 300 unbesetzte Ausbildungsstellen, 132 Suchende.

Hühner hegen, Schlepper fahren

„Dafür gibt es keinen Ersatz“: Suzan Özer macht eine Ausbildung zur Landwirtin im Bereich des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürstenfeldbruck.
„Dafür gibt es keinen Ersatz“: Suzan Özer macht eine Ausbildung zur Landwirtin im Bereich des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürstenfeldbruck.
Privat

Eine Ausbildung in der Landwirtschaft wird im Bereich des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürstenfeldbruck gerade bei jungen Frauen immer beliebter. Im dritten Ausbildungsjahr kommen derzeit auf etwa ein Dutzend junge Männer fünf Frauen. Eine von ihnen ist Suzan Özer, 18, aus Dießen am Ammersee. Nach dem Realschulabschluss habe sie Praktika im Kindergarten, einer Schreinerei und einer Schule absolviert, erzählt sie, doch nichts davon konnte die Landwirtschaft schlagen, die sie auf dem Hof ihres Onkels kennengelernt hatte. Nun lernt sie in einem Milchviehbetrieb mit Legehennen-Haltung und sagt: „Dafür gibt es keinen Ersatz.“ Die Abwechslung gefällt ihr: der Umgang mit den Tieren, die Arbeit mit der Natur, die großen Maschinen, die sie natürlich auch fahren kann – so wie gerade jetzt, wo das selbst angebaute Futter für die Tiere geerntet wird, Mais, Getreide, Heu. Mit dem großen Bulldog zu fahren, „das ist etwas, was ich sehr gerne mache“, sagt sie. Die Familie stehe voll hinter ihr und ihrem Berufswunsch, und auch die meisten Freunde bewunderten, was sie in der Ausbildung alles lerne. ihr

Landkreis Fürstenfeldbruck: 244 unbesetzte Ausbildungsplätze, 393 Suchende.

Fleisch verarbeiten

„Man macht ja nicht jeden Tag Leberkäs“: Martin Bachmaier hat seine Ausbildung  als einer der besten Azubis der Kreishandwerkerschaft Erding abgeschlossen.
„Man macht ja nicht jeden Tag Leberkäs“: Martin Bachmaier hat seine Ausbildung  als einer der besten Azubis der Kreishandwerkerschaft Erding abgeschlossen.
privat

Martin Bachmaier aus Wartenberg im Landkreis Erding hat seine Ausbildungszeit gerade hinter sich gebracht. Im Juli hat der 18-Jährige seine Lehre zum Metzger abgeschlossen. Mit Bravour. Als einer der besten Azubis aus der Kreishandwerkerschaft Erding wurde er zu den Wettbewerben der Handwerkskammer München und Oberbayern eingeladen. Sein Beruf sei ihm „in die Wiege gelegt“ worden, sagt er. Auch der Vater geht dem Handwerk nach, das eine jahrhundertealte Tradition hat. Beide arbeiten bei der Metzgerei Josef Simeth in Wartenberg, die neben der Produktion und dem Verkauf von Fleisch- und Wurstwaren auch einen Mittagstisch und Partyservice anbietet. Spaß macht dem neuen Gesellen vor allem die Vielfalt seiner Tätigkeiten. Jeden Tag fielen in der Metzgerei neue Arbeiten an, auch die Produktpalette könne sich sehen lassen. „Man macht ja nicht jeden Tag Leberkäs. Kochwurst, Rohwurst, verschiedenste Gewürzrezepturen – es gehört schon viel Wissen dazu.“ Vielleicht werde er noch eine Ausbildung zum Koch machen, erst einmal aber bleibe er seinem Ausbildungsbetrieb erhalten. Und dann steht ja auch noch der Handwerkerwettbewerb an. rova

Landkreis Erding: 236 unbesetzte Ausbildungsplätze, 123 Suchende.

IT und Digitalisierung managen

„Man lernt viele Leute kennen“: Julia Tobien aus Dachau behauptet sich in der Männerdomäne IT.
„Man lernt viele Leute kennen“: Julia Tobien aus Dachau behauptet sich in der Männerdomäne IT.
privat

Wer an IT-Berufe denkt, hat wohl meist Männer im Kopf. Dass das eine überholte Vorstellung ist, beweist Julia Tobien aus Dachau. Die 21-Jährige absolviert eine Ausbildung zur Kauffrau für Digitalisierungsmanagement bei der Sparkasse Dachau. Neben dem technischen Aspekt gefalle ihr der Austausch mit den verschiedensten Abteilungen, sagt sie. „Man ist viel im Haus unterwegs und lernt viele Leute kennen.“ Neben administrativen Tätigkeiten gehören der Aufbau der Hardware und die Einrichtung von Arbeitssystemen zu ihrem Aufgabenbereich. In der Berufsschule lernt sie zudem Programmieren und weitere technische Kniffe der IT. Zur Sparkasse sei sie über einen Umweg gekommen, erzählt sie. Zuerst habe sie Floristin werden wollen, dann aber schnell gemerkt, dass das nicht ihre Welt sei. Weil sie regelmäßig Blumen in die Sparkasse brachte, lernte sie ihre jetzigen Kollegen kennen und machte dort ein Praktikum. Auch nach der Ausbildung möchte sie bei der Sparkasse Dachau bleiben: „Das Unternehmen bietet viele Möglichkeiten, die über die Ausbildung hinausgehen. Man kann dann auch in andere Abteilungen reinschnuppern.“ rova

Landkreis Dachau: 191 unbesetzte Ausbildungsplätze, 195 Suchende.

Mit Holz gestalten

„Richtung Schreinermeister Eder“: Maxi Hehl aus Ottobrunn im Landkreis München liebt das Schreinerhandwerk.
„Richtung Schreinermeister Eder“: Maxi Hehl aus Ottobrunn im Landkreis München liebt das Schreinerhandwerk.
privat

Um fünf Uhr aufstehen und um sechs in der Werkstatt sein – kein Problem für Maxi Hehl aus Ottobrunn. „Ich freue mich jeden Tag auf die Arbeit“, sagt der 19-Jährige. Seine Ausbildung macht er in der Schreinerwerkstatt des Deutschen Museums. Ein Leitspruch, den ihm sein Meister im ersten Lehrjahr mitgegeben hat: „Es gibt keine Probleme, es gibt nur Lösungen.“ Seither hat Maxi Hehl Küchen und Fußbodenleisten, aber auch Vitrinen für Sonderausstellungen gebaut und ein altes Feuerwehrauto mit einer Sitzbank ausgestattet: „Esche mit Schwalbenschwanz-Zinken.“ Als Schreiner müsse man Kreativität und Offenheit für Neues mitbringen, sagt er, auch die Bereitschaft, an teils gefährlichen Maschinen zu arbeiten. „Und das Zeichnen und Programmieren am Computer für CNC-Maschinen gehört auch dazu.“ Mit einem „guten Spezl“ sei er gerade drauf und dran, eine Werkstatt aufzubauen, um neben der Ausbildung auch in der Freizeit zu schreinern. Seine Pläne: „Am liebsten würde ich im Deutschen Museum bleiben. Ansonsten möchte ich Erfahrungen in der freien Wirtschaft sammeln, den Meister machen und eine kleine Schreinerei aufbauen – etwas Nischiges, Massivholzarbeit, Richtung Schreinermeister Eder.“ stsw

Landkreis München: 524 unbesetzte Ausbildungsplätze, 401 Suchende.

Fische züchten

„Man lernt nie aus“: Jakob Meier macht eine Ausbildung zum Fischwirt in Starnberg.
„Man lernt nie aus“: Jakob Meier macht eine Ausbildung zum Fischwirt in Starnberg.
privat

Jakob Meier aus Starnberg absolviert eine Ausbildung zum Fischwirt.  Als passionierter Angler lag es nahe, sich auch beruflich den Fischen zu widmen, sagt der 27-Jährige. Spannend findet er vor allem die Vielseitigkeit der Ausbildung. Man lerne die Fischaufzucht in Teichen, das Fischen in Seen und die Arbeit mit den verschiedensten Arten. Im September startet Meier ins dritte Ausbildungsjahr. Am meisten Spaß macht ihm die Teichwirtschaft. Am Institut für Fischerei des Bayerischen Landesamts für Landwirtschaft in Starnberg, wo er lernt, werden in etwa 30 Teichen Speisefische wie Forellen oder Saiblinge gezüchtet. Nach der Ausbildung würde Meier sich gerne in Richtung Aquaponik weiterbilden: ein Kreislaufverfahren, in dem das Wasser aus den Fischteichen für den Anbau von Gemüse genutzt und so gefiltert wird. „Das ist sehr nachhaltig, weil man mit wenig Wasser viel produzieren kann“, sagt er. Und so würde sich noch ein weiterer Kreis schließen: Auch die Pflanzen bekämen wieder einen Platz in seinem Leben. rova

Landkreis Starnberg: 178 unbesetzte Ausbildungsplätze, 143 Suchende.

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:„90 Prozent der Jugendlichen haben keine Idee, was sie nach der Schule machen wollen“

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