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Aus dem Wolfratshauser Stadtrat:Geldsegen im Corona-Jahr

Das Rechnungsergebnis 2020 überrascht die Lokalpolitik positiv

Von Konstantin Kaip, Wolfratshausen

Das Corona-Jahr 2020 hat viele Kommunen in Angst und Schrecken versetzt angesichts der finanziellen Einbußen, die durch die Lockdowns befürchtet wurden. Das Ergebnis der Jahresrechnung, das der Wolfratshauser Kämmerer Peter Schöfmann am Dienstag im Stadtrat präsentiert hat, fällt jedoch überraschend positiv aus. Es liegt mehr als 3,3 Millionen Euro über dem Ansatz im Gesamthaushalt (55,6 Millionen statt 52,3). Ursache sind vor allem Mehreinnahmen bei der Gewerbesteuer. Mit 11,4 statt 10,1 Millionen Euro lag diese um 1,3 Millionen und mehr als 13 Prozent über dem Ansatz.

Eine gute Million erhielt die Stadt zudem von Bund und Ländern aus den Corona-Hilfen als Ausgleich für Mindereinnahmen bei der Gewerbesteuer. Dass dieser trotz des unerwarteten Plus gezahlt wurde, verwunderte Wirtschaftsreferent Helmut Forster (Wolfratshauser Liste). Schöfmann erklärte, dass für die Zuweisung, die alle bayerischen Kommunen erhielten, der Durchschnitt des Gewerbesteueraufkommens der Jahre 2017 bis 2019 herangezogen worden sei. Weil dieser über der bis November 2020 erfassten Gewerbesteuer lag, sei die Differenz erstattet worden.

Im Wolfratshauser Verwaltungshaushalt liegt das Nettosteueraufkommen nach Rechnung insgesamt knapp drei Millionen Euro über Ansatz. Ein Plus gab es laut Schöfmann bei allen Posten außer bei der wichtigsten Einnahmequelle, dem Einkommensteueranteil, bei dem die Corona-Auswirkungen deutlich zu spüren sind. Dieser lag mit 14,3 Millionen um etwa eine halbe Million unter dem Ansatz und war damit "zum ersten Mal seit zehn Jahren rückläufig", wie der Kämmerer sagte.

Angesichts des überraschend positiven Gesamtergebnisses konnte die Stadt auf die geplante Rücklagenentnahme von 1,3 Millionen Euro verzichten und die allgemeinen Rücklagen auf 16,6 Millionen Euro erhöhen. Diese lagen am Jahresende 2020 damit um mehr als sechs Millionen Euro über dem Wert des Vorjahres. Weil im Verwaltungshaushalt neben dem Steuerplus auch 640 000 Euro weniger als angesetzt für Verwaltung und Betrieb ausgegeben wurden, konnte die Zuführung zum Vermögenshaushalt mit insgesamt 7,7 Millionen Euro mehr als verdoppelt werden.

Das Kassenplus konnte Wolfratshausen auch dafür nutzen, die Schulden weiter abzubauen. Wie der Kämmerer berichtete, konnte die Stadt mit Zins insgesamt knapp 3,4 Millionen Euro zurückzahlen - wiederum mehr als das Doppelte des Ansatzes. Damit ist der Schuldenstand von 9,2 Millionen Euro am Jahresende 2019 auf 6,2 Millionen Euro gesunken. Die Pro-Kopf-Verschuldung in der Loisachstadt liegt so bei nurmehr 327 Euro - weniger als der Hälfte des Landesdurchschnitts vergleichbarer Städte, der 2019 bei 667 Euro lag.

Die Stadträte lobten nicht nur das Ergebnis, sondern auch den Kämmerer. "So, wie Sie das präsentieren und den Laden im Griff haben, ist das eine tolle Sache", sagte SPD-Sprecher Fritz Meixner zu Schöfmann.

© SZ vom 17.06.2021
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